"Sind eine glückliche Generation"

Halver - „Wir sind eine glückliche Generation.“ Eine Generation, die Krieg nie selbst erfahren musste. Mit dieser Feststellung kommentierte Landrat Thomas Gemke eine bemerkenswerte Partnerschaft, die die Grundschule Oberbrügge eingegangen ist.

Es geht um die bisher einzige Bildungspartnerschaft einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Kreisarchiv. Anhand der Gräber auf dem benachbarten Friedhof und der Biografien der fünf russischen Kriegsgefangenen und der sechs gefallenen Soldaten, die dort nebeneinander begraben liegen, sollen sich die Themen Krieg und Tod, aber auch Geschichte, Frieden und Migration für die Kinder erschließen. Der Friedhof werde so zum außerschulischen Lernort, so das Ziel von Schule und Verena Effgen, Bildungsbeauftragte des Volksbundes in NRW. Judith Herbers und Anja Wohlrath sind es auf Seite der Schule, die mit ihrer zweiten und dritten Klasse daran arbeiten.

Dritter Beteiligter der Kooperation, die gestern offiziell durch Gemke, Volksbund-Geschäftsführer Peter Bülter und Schulleiter Bernd Ritschel unterzeichnet wurde, ist der Märkische Kreis. Das Altenaer Kreisarchiv von Dr. Christiane Todrowski umfasse rund 3,5 Kilometer Unterlagen, so Gemke. Zu entdecken dürfte darin einiges sein.

Angekündigt hatte sich zum Festakt in der Schule auch NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, der sich aufgrund eines akuten Termins aber entschuldigen ließ. Doch die Anwesenheit von Ratspolitikern, dem SPD-Landtagsabgeordneten Gordan Dudas und auch Bürgermeister Michael Brosch unterstrich, dass die Bildungsvereinbarung eben keine Selbstverständlichkeit ist.

Zweifel, ob Schüler dieser Alterslage der Thematik gewachsen seien, hat Bülter nicht. „Kinder nähern sich dem unbefangener“, argumentiert er im Gespräch am Rande mit Lars Winterhoff, dem Vorsitzenden der Schulpflegschaft Oberbrügge. Und aus der Recherche über die Schicksale der Opfer auf dem Friedhof ließen sich auch weitere Themen ableiten: Was ist Frieden? Wer ist Flüchtling? Wie gelingt Integration?

Dass die Gemeinschaftsgrundschule Oberbrügge zugriff, als sich die Möglichkeit zur Kooperation abzeichnete, hatte nicht zuletzt mit ihrer Notlage im Frühjahr zu tun, als ihr die Schließung drohte. Die Partnerschaft soll zugleich ein weiterer Schritt sein, die Schule im Stadtteil attraktiv zu machen. Auf diesem Weg kam es auch zum Angebot des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge, konkret der Bildungsreferentin des Verbandes: Verena Effgen kennt die kleine Schule recht gut. Aufgewachsen ist sie im Sticht.

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