Archivar Wimmershof nimmt Bestand des Heimatmuseums unter die Lupe

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Waymo Wimmershof inventarisiert im Halveraner Heimatmuseum 500 Exponate. Dies bedeutet fotografieren, vermessen, die Gegenstände einer Sachgruppe zuordnen und den Zustand erfassen. Die Aufgaben für ein einziges Exponat sind vielfältig.

Halver - Archivar Waymo Wimmershof arbeitet genau. Sehr genau. Peinlich genau. Derzeit nimmt er 500 Exponate des Heimatmuseums genauestens unter die Lupe, um der Einrichtung nachhaltig zu helfen.

In der Fachsprache nennt sich das, was Wimmershof macht, inventarisieren: Jedes Exponat erhält eine Nummer, wird vermessen, einer Sachgruppe zugeordnet und erhält einen festgeschriebenen Standort im Museum. Zudem erfasst der freiberufliche Archivar den Zustand jedes einzelnen Objekts, vom Krug bis zur Fahne, und klärt die Eigentumsverhältnisse: War der Gegenstand eine Leihe oder ein Geschenk?

„Das kann schonmal einige Zeit dauern“, sagt Wimmershof, der das Heimatmuseum nicht verlässt, ehe er an einem Arbeitstag mindestens zehn Exponate auf diese Weise erfasst hat. Auch in diesem Punkt ist er ganz genau.

Der Freiberufler, seit April 2016 in unregelmäßigen Abständen im Heimatmuseum aktiv, folgt bei seiner Arbeit der Hessischen Systematik, einer anerkannten Methode, um Museumsbestände zu inventarisieren. „Das ist mit dem Museumsamt Westfalen so abgesprochen“, sagt Wimmershof.

Exakt und parallel

Nicht nur das exakte, sondern auch das parallele Arbeiten stellt eine Herausforderung dar: Wimmershof trägt die Daten nicht nur ins Computerprogramm ein, sondern hält sie auch in einem sogenannten Eingangsbuch nach. Händisch, wohlgemerkt.

Wimmershof arbeitet exakt bis auf den Millimeter. Nur wenn alle Daten in Qualität und Quantität vorhanden sind, widmet er sich dem nächsten Exponat.

Bei seiner Tätigkeit trifft der Archivar immer wieder auf Gegenstände, die ihn in seinen Bann ziehen, weil niemand wusste, dass sie überhaupt noch existieren. So auch im Heimatmuseum, als er eine rund 100 Jahre Porzellanschale hervorkramte: „Sie stammt aus dem Restaurant des Bahnhofs in Halver. Damals hatte noch jede Gaststätte ihr eigenes Porzellan. Vermutlich ist es das einzige Stück, das noch erhalten ist“, sagt er.

Überblick über Exponate

Sinn und Zweck der aufwändigen Arbeit ist zum einen, dass der Heimatverein und die Leitung des Heimatmuseums einen Überblick über ihre Exponate der Dauerausstellung und des Archivs erhalten. Zum anderen könnte sich die Investition, der Heimatverein trägt einen Großteil der Kosten für Wimmershof, nachhaltig finanziell lohnen.

„Klar kostet die Inventarisierung erstmal Geld, aber im Nachhinein könnte sie sich finanziell auszahlen. Denn wenn ein Museum nicht nachweisen kann, dass die Exponate inventarisiert wurden, gibt es generell keine Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen“, sagt Rudi Olson, Leiter des Heimatmuseums. Ein weiterer Grund, Wimmershof zu beauftragen, war der bevorstehende Umzug in die Villa Wippermann. Schließlich soll in den neuen Räumen Ordnung und Übersicht herrschen.

Einen Teil des Honorars übernimmt das Museumsamt für Westfalen in Münster, dass dem Heimatmuseum am 30. Mai den endgültigen Förderbescheid in Höhe von 30 Prozent zukommen ließ. Bei Gesamtkosten von kalkulierten 7231 Euro sind dies immerhin 2169 Euro.

Wimmershof arbeitet streng vertraulich

Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, voraussichtlich bis Ende des Jahres, werden die Daten auf eine DVD gebrannt und nach Münster zum Museumsamt Westfalen geschickt. „Das ist streng vertraulich“, sagt Wimmershof.

Die Motivation, sich über Stunden in Ruhe dem Ursprung und Eigenheiten der Exponate zu widmen, trägt Wimmershof schon seit seiner Kindheit in sich: „Diese Gegenstände bedeuten unser kulturelles Erbe. Es ist wichtig, junge Menschen dafür zu sensibilisieren.“

Ganz genau.

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