Beleidigungen aus unterster Schublade: Bewährungsstrafe für Halveraner

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Halver - Es war viel guter Wille am Werk, als ein 26-jähriger Wiederholungstäter aus Halver im Amtsgericht Lüdenscheid wohl letztmalig mit einer Bewährungsstrafe davonkam.

Sechs Monate hatte er am 19. Juni 2015 kassiert, nachdem er mit einem Freund erst intensiv gesoffen und sich dann mit aller Kraft gegen die vorläufige Festnahme durch die Polizei gewehrt hatte. „Beleidigung, Widerstand, Sachbeschädigung“ lauteten die Vorwürfe, deretwegen er damals verurteilt wurde.

Der 26-Jährige ging gegen das Urteil in Berufung – kurz bevor im Landgericht erneut verhandelt wurde, gab es am 4. April eine fast identische Aufführung unter erneuter Beteiligung der Polizei: Die rückte wieder aus, weil sich die Nachbarn über die Lautstärke des 26-Jährigen und seines Gastgebers beschwert hatten.

Etwa 1,7 Promille Alkohol im Blut ließen den Angeklagten erneut randalieren: Ein versuchter Faustschlag gegen einen Beamten und ein Kniff in dessen Oberarm hinterließen glücklicherweise keine länger anhaltenden Schmerzen. Die Beleidigungen, mit denen der Randalierer die körperlichen Übergriffe garnierte, enthielten nichts nennenswert Neues – außer der Ansprache: „Du Lauch!“ Da diese allerdings umrankt war von langweiligen Standardbeleidigungen aus der alleruntersten Schublade von Fäkalien und Genitalien, musste kein sprachwissenschaftliches Gutachten Auskunft darüber geben, ob „Du Lauch!“ eine Beleidigung darstellt.

Die Richterin nahm die Geschichte zum Anlass, nach dem Verhältnis des Angeklagten zu seinem „guten Freund“ Alkohol zu fragen. „Immer erheblich betrunken, und es sind immer die Polizisten, die von Ihnen die Breitseite kriegen?!“

Weil der Kniff in den Oberarm dem Beamten „nur kurz“ wehgetan hatte und der Angeklagte in nüchternem Zustand durchaus auf Kurs ist, gab es ausnahmsweise weitere vier Monate auf Bewährung oben drauf. „Am Besten nicht mehr mit dem Freund saufen gehen!“, empfahl die Richterin zum Abschied. „Danke!“, antwortete eine Beobachterin im Zuschauersaal, die wohl weniger das Strafmaß als vielmehr die Ermahnung meinte.

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