Adipositas-Netzwerk hilft ab Juli in Halver

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Christian Fricke ist Gründer des Adipositas-Netzwerks Hagen, das ab Juli 2016 in Halver eine Selbsthilfegruppe anbietet. Früher war Fricke stark übergewichtig, mittlerweile hat er einen Motorrad- und Lkw-Führerschein abgelegt und geht regelmäßig tanzen.

Halver - Seit zwei Jahren macht Christian Fricke anderen Menschen Mut, sich aus einer scheinbar ausweglosen Situation zu kämpfen. Jetzt wird er in Halver aktiv.

Fricke hat im wahrsten Sinne schwere Zeiten hinter sich: Vor gut zwei Jahren wog der 30-Jährige aus Hagen noch 220 Kilogramm. Nach einer Operation am Magen im April 2014 hat er bis heute knapp 95 Kilo abgenommen.

Fricke gründete im Juli 2014, nur drei Monate nach der Operation, eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit starkem Übergewicht. „Die Resonanz war der Wahnsinn“, sagt er. Im August 2014 weitete Fricke seine Arbeit aus, gründete das Adipositas-Netzwerk Hagen. Mittlerweile betreut die Organisation rund 800 Menschen in Hagen und im Märkischen Kreis. Zum Netzwerk gehören 14 Selbsthilfegruppen, darunter zwei in Lüdenscheid. Dort können sich Menschen über alle Aspekte der Krankheit und ihre eigenen Erfahrungen in privater Atmosphäre austauschen.

Kooperationen mit Fitnessstudios, die Vermittlung von Anlaufstellen, Erstgespräche mit einem Psychologen und Tagesfahrten gehören ebenfalls zur Arbeit des Netzwerks. „Das Essen soll dabei in den Hintergrund treten“, erläutert Fricke. Zudem organisieren sich die Mitglieder der Selbsthilfegruppen in Whatsapp- und Facebook-Gruppen, um sich auch zwischen den Gesprächsterminen zu organisieren, Mut zu machen und Treffen zu vereinbaren.

Hilfe für Menschen in Halver

Die Nachfrage ist so groß, dass das Netzwerk demnächst auch in Halver aktiv wird: Am Dienstag, 19. Juli, 18 Uhr, wird sich zum ersten Mal eine Selbsthilfegruppe treffen. Die Räume des DRK an der Thomasstraße sollen zur festen Anlaufstelle werden. Fricke rechnet nach derzeitigem Stand mit 20 Teilnehmern. Die Gruppenleitung übernimmt Joseiane De Smedt. „Es ist wichtig, Angebote vor Ort zu schaffen und die Leute, bildlich gesprochen, von Zuhause abzuholen.“

Halveraner mit starkem Übergewicht sollen ermutigt werden, über die Probleme im Alltag, Erfahrungen mit Hausärzten oder Vorurteile der Mitmenschen, sprechen zu können. „Oft ist die Krankheit mit Scham verbunden. Die Körperhygiene kann beispielsweise zum Problem werden“, sagt Fricke.

Adipositas ist lebensgefährlich

Den Entschluss, sich operieren zu lassen, habe er nach einem Einsatz als Rettungssanitäter gefasst, als ein Mann durch einen Herzinfarkt verstarb. Wegen seines hohen Körpergewichts, habe man ihn nicht optimal versorgen können, erläutert Fricke. „Ich war mir damals gar nicht bewusst, in welcher Gefahr ich mich befinde.“

Zu enge CT-Röhren, beispielsweise bei Schlaganfall-Patienten, oder zu schmale Liegen, überall seien stark Übergewichtige im Bereich der medizinischen Versorgung eingeschränkt: „Ich kläre die Leute knallhart auf.“

Seit seiner OP habe sich sein Leben zum Positiven verändert. Die Prüfungen für den Motorrad- und Lkw-Führerschein hat er erfolgreich abgelegt. „Mit 220 Kilo in ein Führerhaus zu klettern, war unmöglich.“ Außerdem geht er regelmäßig tanzen. „Und ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt: Ich bin eine 30 Meter hohe Drehleiter der Feuerwehr hochgeklettert.“

Kontakt: Adipositas-Netzwerk Hagen: www.adipositas-netzwerk-hagen.de, Christian Fricke, Tel. 0 23 31 /4 76 29 91, Joseiane De Smedt, Tel. 01 57 /33 20 26 12

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