32-Jähriger muss für Faustschläge zahlen

+

Halver - Zum letzten Mal beschäftigte sich ein Gericht mit dem Halveraner Scheunenfest des Jahres 2015, das in den frühen Morgenstunden des 24. Mai mit zwei Schlägen in das Gesicht eines 24-jährigen aus Kierspe zu Ende ging.

Der Täter, ein 32-Jähriger aus Halver, zog seine Berufung zurück, nachdem ihm die 8. kleine Strafkammer des Landgerichts keine Hoffnungen gemacht hatte, dass es an der Entscheidung des Amtsgerichts Lüdenscheid in dieser Sache etwas ändern werde. Weil der Angeklagte relativ gut verdient, wurden die Schläge richtig teuer: Wegen Körperverletzung muss er eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 70 Euro zahlen.

Vom Opfer provoziert worden?

Der 23. Mai war der letzte Spieltag der Bundesligasaison 2014/15. Der Angeklagte ließ den Tag nach dem Besuch im Dortmunder Stadion auf dem Scheunenfest ausklingen. Alkohol trug dazu bei, dass es in den frühen Morgenstunden gegen drei Uhr zu einer Konfrontation kam, die die Beteiligten noch im Landgericht sehr unterschiedlich schilderten. Der Angeklagte erinnerte sich daran, dass der 24-Jährige zuerst auf ihn losgegangen sei: „Er kam auf mich zu, stand vor mir und fragte mich, ob ich allein auch noch so eine große Schnauze habe.“

Nasenbeinbruch nach zwei Faustschlägen

Auf die geballte Faust des Zeugen habe er mit einer nicht allzu freundlichen Aufforderung reagiert, diese wieder einzupacken. Erst dann sei es zu den beiden Schlägen gekommen, die üble Folgen hatten: Neben einer Platzwunde am linken Auge erlitt der Zeuge eine Fraktur des Nasenbeins, die mehrfach gerichtet werden musste, „um sie wieder in Position zu bringen“. Das Opfer hatte etwas ganz Anderes erlebt: Ein Bekannter hatte ihm mitgeteilt: „Da ist einer bei deiner Freundin und hält sie fest.“

Gesäß, Becken oder Rücken?

Naturgemäß schwankten die Angaben, auf welcher Höhe sich der Arm des Angeklagten bei der 18-Jährigen befunden hatte: „Gesäß“ (Zeuge), „Becken“ (Zeugin) oder „höchstens am Rücken“ (Angeklagter). Keine Einigkeit gab es auch bei der Frage, ob die junge Frau noch dabei war, als die beiden Fäuste das Gesicht des Opfers trafen. Im Saal 352 des Landgerichts stellte sich Staatsanwalt Bernd Maas zur Verfügung, um die Szene nachzustellen und zu verdeutlichen, wie das Trio im entscheidenden Moment so stand, dass auch noch Fäuste fliegen konnten.

Unverhältnismäßige Reaktion

Letztlich waren die sehr unterschiedlichen Darstellungen des Geschehens nicht entscheidend. Daran änderte auch die Aussage eines weiteren Zeugen nichts, der im Amtsgericht noch nicht gehört worden war. Denn selbst bei der für den Angeklagten günstigsten Variante hätte dieser auf eine mögliche Provokation durch eine geballte Faust völlig unverhältnismäßig reagiert.

Schmerzhaftes Richten

Staatsanwalt Bernd Maas, der nicht zum ersten Mal der gerichtlichen Aufarbeitung einer solchen Geschichte beiwohnte, ließ sich vom Zeugen bestätigen, wie schmerzhaft das Wiederausrichten der Nase ist. Auf andere Weise schmerzhaft war für den Angeklagten die Höhe der Geldstrafe: 5600 Euro. Nach Beratung mit seinem Anwalt Dominik Petereit nahm er die Berufung zurück.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare