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Vereinschef Wolfgang Brück und Manager Karsten Mende prägen seit mehr als einem Jahrzehnt die Geschicke der Iserlohn Roosters

Zwei Männer am Seilersee im Gleichschritt

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und Lars Becker (Fotos) ISERLOHN ▪ Wechselwirkungen prägen ein System. Bei den Iserlohn Roosters im Besonderen. Brück, Jost, Schutzeigel, Mende, Mason – so heißen die Protagonisten. Ihr Job: Leitung eines mittelständischen Unternehmens, Umsatz ca. 4,5 Millionen Euro. Doch der Sauerländer Eishockeyclub lebt von so viel mehr als Geschäftszahlen und Analysen. Sport und Menschen steht im Mittelpunkt des Geschäfts, manchmal unberechenbar, immer spannend. Unsere Zeitung hat versucht, dem „System Iserlohn Roosters“ auf die Spur zu kommen. Von Mirko Heintz (Text)

Dienstag 13.15 Uhr. Die Mannschaft ist längst daheim. Gequält vom harten Vorbereitungsmarathon ist die Kabine verwaist. Fast...

Ein Schlüssel dreht sich um, der „Chef“ kommt, aber nicht allein. Wolfgang Brück, der geschäftsführende Gesellschafter der Sauerländer macht Mittag – bei Arbeit und Sport. In seinem Schlepptau: Karsten Mende, der Manager.

Es ist kein Ritual, aber Tradition. Gemeinsames Joggen ersetzt die Bürokonferenzen. „Beide brauchen wir Bewegung, zu besprechen ist immer was. Warum also nicht das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden“, sagt Karsten Mende.

Der Vereinsgründer und sein sportlicher Leiter haben zwar im Frühjahr mehr zu besprechen als zu Beginn einer neuen Saison. Das tägliche Team-Update aber gehört für Brück dazu. Zwischen Rechtsanwaltskanzlei und DEL-Aufsichtsrat führt der gebürtige Hagener ein Aushängeschild. „Die Roosters sind ein Teil des Sauerlandes und seiner Menschen, es ist unsere Aufgabe, diese Tradition fortzuführen“, betont er.

Brück tauscht Krawatte und Anzug gegen T-Shirt und Trainingsanzug, Mende nur die Flip-Flops gegen Laufschuhe. Schon dabei kommt man ins Plaudern. Ob hier zwei Freunde joggen gehen, ist die Frage. Die Antwort ist nicht einfach. „Natürlich verbindet uns viel mehr als eine rein geschäftliche Verbindung, trotzdem kennt jeder seine Rolle“, erläutert Brück, der froh ist, diesen Manager an seiner Seite zu haben.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. „Wenn man so lange zusammenarbeitet, weiß man um die Stärken, aber auch die Schwächen des anderen. Immer wieder daran zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln ist die Herausforderung. Und das gelingt uns von Jahr zu Jahr immer aufs Neue.“

Für wie lange die Zusammenarbeit vereinbart ist, bleibt traditionell seit vielen Jahren – kein Geheimnis – aber wird auch nicht in der Öffentlichkeit diskutiert. „Warum sollten wir sagen, dass er um ein, zwei oder drei Jahre verlängert hat? Das hat mit einer Schutzfunktion zu tun. Karsten macht sich seine Arbeit nicht leicht und das schätze ich an ihm“, sagt Brück.

Acht Monate Eishockey, anschließend Golf – das würde nicht der Lebensphilosophie des ehemaligen Nationalspielers Mende entsprechen. Die Situation bei den Sauerländern ließe es auch gar nicht zu. „Nur wer immer im Dienst ist, viel spricht und viele Kontakte pflegt, kann mit einem Etat wie unserem, Spieler wie Cowan, Cullimore oder Spina verpflichten.“

Doch nicht nur Geld bestimmt am Seilersee über Spielerverpflichtung. „Wir haben den Schatz im Seilersee noch immer nicht gefunden, deshalb zählen immer gleich zwei Aspekte: Sport und vor allem Charakter.“ Mende treibt es zweigleisig, will das auch gar nicht ändern. Brück stimmt zu: „Seine Stärke ist es, hinter die Kulissen zu blicken, den Kern einer Spielerpersönlichkeit zu entwirren – das ist sein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Eishockey.“

Hat Mende seinen Kandidaten gefunden, wird dem Chef berichtet. Prokurist Bernd Schutzeigel beginnt das Rechnen und am Ende steht eine Zahl. Für die heuert ein Spieler an oder kommt eben nicht. Zumindest kommt er dann, wenn Trainer und Manager beide grünes Licht geben. „Doug und ich haben eine Vereinbarung, die ganz klar sagt: Ich verpflichte keinen Spieler, den er nicht will und er bekommt keinen Spieler, den ich nicht will!“ Ein Agreement, das nicht typisch ist für das System.

Insbesondere in Nordamerika trifft der Manager selbst eine Entscheidung, Berater sind zwar gern gesehen, Einmischung nicht. „Deshalb arbeite ich so gern am Seilersee, weil mir Karsten und Wolfgang die Möglichkeit geben, meine Meinung zu sagen“, betont Cheftrainer Mason, der gerade zum Mittagessen geht.

Trainereinfluss ist auch in der DEL noch nicht immer selbstverständlich. „Ich genieße es, zwei Meinungen zu hören, bevor wir Nägel mit Köpfen machen. Denn ich weiß um zwei gute Berater, deren Zusammenarbeit wirklich vorbildlich funktioniert. Die letztendliche Entscheidung aber hat immer Karsten“, erklärt Brück.

13.35 Uhr. Raus geht’s vor die Tür, einmal rund um den Seilersee führt der Lauf, Zuhörer sind nicht zugelassen. Kurz vor der ersten Kurve sind zwei Männer im Gleichschritt. Der Manager und sein Clubchef, zwei Männer, die ihre Aufgaben ernst nehmen, auch wenn sie sie manchmal anders leben als es bei anderen Clubs üblich ist.

Es sind ganz besondere Wechselwirkungen, aber die Maschine bei den Iserlohn Roosters läuft – inzwischen seit elf Jahren in der Deutschen Eishockey-Liga.

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