ISERLOHN ▪ Lasse Kopitz ist schon auf so mancher Welle geritten. Nicht alle haben ihn wohlbehalten an den Strand gespült. Mittlerweile muss er kombinieren: Boardbag, Kinderwagen und die Tasche mit den Golfschlägern. Die Zeit von Mode, Party und Meisterschafts-Visonen ist längst vorbei, am Seilersee ist er bodenständig geworden. Von Mirko Heintz

„Eishockey hatte damit weniger zu tun als die Geburt meiner beiden Kinder“, sagt der 31 Jahre alte Verteidiger. Trotzdem ist und bleibt Seriösität nicht seine Welt – nur die Klamotten sind weniger schrill und die Haare nicht mehr so kurz. Surfbrett und Golfschläger (Handicap 8,8) bleiben aber noch immer sein „Spielzeug“ Nummer eins. Aus Lasse dem Paradiesvogel der DEL-Gesellschaft ist heute ein Vorbild geworden – in der Mannschaftskabine und erst recht für seine Kinder.
Die Welt begann sich zu drehen, als eine kleine Blondine in sein Leben trat. Nadine, seine heutige Frau lernte Lasse am Seilersee kennen. Mal wieder machten die Roosters als Partner-Vermittlungsagentur einen guten Job. „Ich weiß nicht, warum das so oft passiert, aber aus anderen Clubs kenn‘ ich das nicht.“
Kopitz ist nur einer in einer ganzen Reihe von Eishockey-Profis, die am Seilersee ihr persönliches Glück fanden. Ob Ian Wood, Rick Goldmann oder Stefan Langwieder – Iserlohner Frauen müssen auf Spieler einen besonderen Reiz ausüben. „Es kommt immer drauf an. Du musst die nehmen, die gar nicht interessiert, dass du Eishockeyspieler bist“, glaubt er.
Die Partnerschaftsratschläge à la Kopitz hat sich zuletzt auch ein Tobias Wörle sehr zu Herzen genommen. Der kam als überzeugter Single und ist jetzt mit einer Iserlohnerin liiert. „Ich hab‘ es ihm gesagt: Du findest die große Liebe.“ Lasse Kopitz hatte Recht.
Die Rückfahrt vom Auswärtsspiel in Wolfsburg: Nur eine Sitzbank trennt Kopitz und Neuzugang Jeff Cowan. „Die härtesten Eishockeyspieler sind die besten Väter“, grinst Lasse gerade beim Blick auf den vermeintlichen Ex-Prügelknaben aus der NHL.
Cowan, eigentlich als Roy-Ersatz verpflichtet, hat sich auch deshalb mit so vielen tollen Toren und genialen Spielzügen am Seilersee eingeführt, weil sich seine Frau und die kleine Tochter wohl fühlen im Sauerland. Dafür hat auch Kopitz gesorgt. Als einer der älteren Spieler gehört es zu seinen Aufgaben, den Neuzugängen Iserlohn zu zeigen und bei der Organisation von Bankkonto und Telefonanschluss behilflich zu sein.
„Ich mache das unglaublich gerne – auch deshalb, weil man die Jungs so am schnellsten kennenlernt.“ Beispiel Jassen Cullimore. Dem hat Kopitz beim Umzug ins Apartment geholfen und durfte gleich mal einen Blick auf die beiden Stanley-Cup-Ringe des Kanadiers werfen. „Die hat er immer dabei und sie sind gigantisch groß. Vor allem der aus Chicago hat eine Menge Gewicht.“ Gleich zwei Mal gewann Cullimore den nordamerikanischen Meistertitel und spielt jetzt am Seilersee. „Er kann es nicht lassen, fühlt sich fit und will Eishockeyspielen – außerdem mag er es, mit seinen drei Kindern viel Zeit zu verbringen. Wo könnte er das am besten machen, wenn nicht in der DEL“, berichtet Kopitz. Der weiß, dass das Dasein eines Eishockeyprofis nicht das Schlechteste ist.
Deshalb mag er mit 31 an ein Ende seiner Karriere auch noch gar nicht denken. „Früher habe ich immer gesagt, ich höre mit 30 auf. Heute hoffe ich, dass ich noch lange nicht muss.“ Doch auch für den Zeitpunkt, wenn die Zeit auf dem Eis zu Ende geht, sind die Alternativen schon ausgelotet. „Ich könnte mir vorstellen, den Weg zu gehen, den Lars Brüggemann gewählt hat: Eishockey-Schiedsrichter werden.“
Motzkopf Kopitz als schwarz-weißes Zebra? „Ich bin fest davon überzeugt, dass Spieler, die hochklassig gezockt haben, gute Schiedsrichter sind, weil sie alle Tricks und alle Kniffe kennen.“ Noch aber ist nichts beschlossen. Alter, Rückzugsdatum und die Chance ganz oben anzugreifen, werden seine Entscheidung beeinflussen. So findet jeder seinen Weg, dem Eis und seinen Vorzügen treu zu bleiben.
Lasse Kopitz könnte seinen Hobbys treu bleiben. Golfen auf Mallorca oder boarden vor Sylt, Handicap verbessern und trotzdem Hockey leben. Das wäre eine Welle, auf der er nur zu gerne reiten würde.



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