ISERLOHN ▪ Was eigentlich ist ein Holland-Kanadier? Google sagt: Doug Mason. Der steht zumindest ganz oben in der Websuche. „Ein Holland-Kanadier, das bin ich nicht – ich bin von Herzen ein geborener Kanadier, der lange in Holland gelebt hat und mit einer Holländerin verheiratet ist.“

Der Trainer und sein Musterschüler: Doug Mason gibt Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf Anweisungen – ruhig im Ton, aber bestimmt in der Sache. ▪
Von Mirko Heintz
Mit dem Image des wohnwagen-fahrenden, tulpen-pflückenden Cheftrainers kann der 56 Jahre alte Familienvater nichts anfangen. „Mia, meine Frau, hat natürlich Einfluss auf mich und ich habe, als Kanadier, Einfluss auf ihre Entwicklung, so wie das in einer guten Ehe ist.“.
Seinen Kindern hat der Familienmensch diesen Respekt immer vorgelebt. „Beide waren in Europa immer auf einer internationalen Schule und kamen nach Hause mit Freunden aus Frankreich, aus Japan oder aus Amerika – sie haben Freunde gehabt mit allen Hauptfarben. Sie sind Weltbürger geworden, die vier Sprachen sprechen.“ Stolz ist unverkennbar.
Kein Wunder für einen Vater, der ein echter Familienmensch ist. 40 Jahre nach seinem Abschied aus der Heimat kehrt Mason zu seinen Wurzeln zurück. In diesem Sommer ist sein neues Haus bezugsfertig geworden. Dort will er Mia, Jade und Steven eine Heimat bieten, hat seine 90 Jahre alte Mutter und die ältere Schwester aber gleich miteingeladen, im neuen Heimatort Collingwood an Ontarios Georgian Bay zu leben. „Als meine Kinder das Haus verlassen haben, habe ich erfahren, wie sich meine Eltern gefühlt haben müssen, als ich gegangen bin. Jetzt kann ich wieder jeden Tag mit meiner Mutter ein Gespräch führen – das ist wunderschön!“
Dass der Cheftrainer sich auch im Berufsleben nicht von dieser Einstellung trennen will, wird niemanden überraschen. In seiner ganz persönlichen Coaching-Philosophie spielt eine besondere Form des Familienlebens auch in der Kabine eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Ich sehe die Jungs natürlich nicht als meine Kinder, aber als meine Familie in den neun Monaten, in denen wir hier in der Kabine zusammenarbeiten.“
Das erklärt, warum ihm Respekt und Charakter am Seilersee auch bei der Spielerverpflichtung so unglaublich wichtig sind. Welcher Trainer in der DEL würde wohl die Spielerfrauen – auf eigene Kosten – zum Kaffee einladen, um die Familien kennen zu lernen?
„Glückliche Spielerfrauen sind glückliche Partnerinnen meiner Spieler, deshalb ist es wichtig, dass sie sich in Iserlohn umsorgt fühlen.“ Mason will seine Spieler nicht nur in Sachen Taktik schulen, auch die ein oder andere Lebenslektion steht unter ihm ebenfalls auf dem Trainingsplan.
Und wie isst ein Kanadier mit niederländischer Frau? „Keine Frikandel spezial, bitte“, sagt der Coach am „Holland Frietjes Shop“ mitten in der Iserlohner City. Pommes nimmt er, beklagt die deutsche Majonäse und fragt noch mal genauer nach: „Die Fritten kommen garantiert aus Holland?“
Importware, versprechen Christiane Busch und Corina Härtel. Da ist er dann doch wieder, der Einfluss. Und ein klein wenig kommt er doch wieder durch, der Niederländer im Kanadier.



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