WM-Titel dank Superstarts? - Rosberg bleibt vorsichtig

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Nico Rosberg (r) hatte nach dem Start die Führung übernommen. Foto: Daniel Dal Zennaro

Seit über zwei Jahren kämpft Nico Rosberg gegen Instinktfahrer Lewis Hamilton. Nun könnte sich die Detailversessenheit des Deutschen endlich auszahlen. Er hat seine Starts verbessert, Hamilton nicht. Entscheidet das die WM?

Monza (dpa) - Das Start-Duell ging auch nach dem souveränen Sieg von Nico Rosberg beim Europa-Finale der Formel 1 vor Lewis Hamilton weiter. "Jetzt kommt es mehr auf den Fahrer an", betonte Rosberg. "Da stimme ich nicht zu", konterte Hamilton umgehend.

Schuld an seinem miesen Start in Monza hatte nach Meinung des Briten die inkonstante Kupplung an seinem Formel-1-Mercedes. Er nicht. "Wir haben unser System deutlich verbessert, aber diesmal haben Maschine und Mensch es nicht hinbekommen", kommentierte Teamchef Toto Wolff die Szene, die den Großen Preis von Italien binnen Zehntelsekunden nach dem Erlöschen der Roten Ampeln entschied. Es gehe aber nicht darum, dass der eine den anderen anschuldige. Allerdings stellte auch Wolff fest: "Der Fahrer hat mehr Verantwortung."

Denn die Piloten bekommen dann, wenn es drauf ankommt in der Startphase keine Anweisungen und Tipps mehr von der Box. So will es das Regelwerk in dieser Saison. Hinzu kommt der Wechsel von zwei Kupplungshebeln am Lenkrad auf nur noch einen. Die Pole ist gut und schön, einen schlechten Start kann sie nicht kompensieren. Hamilton verzockte schon vier von sieben Pole-Positions in diesem Jahr.

In Monza, wo er seinen Teamkollegen und WM-Verfolger Rosberg in der Qualifikation mit einem Vorsprung von fast einer halben Sekunde gedemütigt hatte, fand sich Hamilton nach seinem Stotterstart auf Rang fünf im Feld wieder. Platz zwei konnte er beim ersten Rosberg-Erfolg in Monza retten, der WM-Vorsprung schmolz aber auf nur noch zwei Punkte vor dem Sieben-Länder-Übersee-Trip. 

"Hamilton ist möglicherweise einer der Größten, die wir je gesehen haben", schrieb die britische "Times" und bemühte einen bemerkenswerten Vergleich: "Doch selbst Superman hatte eine Schwäche: Kryptonit. Hamiltons schwache Punkte sind ein Hebel, den man Kupplung nennt, und die bedeutende Startphase."

Auch Rosberg hatte seine Probleme. Er arbeitete aber daran. So wie er im Urlaub noch mal seine Fitnesswerte steigerte, so wie er zwischen den Saisons immer wieder an kleinsten Details, sei es die Atmung in Kurven, arbeitet.

Nachdem er in Hockenheim vor der Sommerpause seinen Start verpatzt hatte, setzte sich Rosberg mit seinen Ingenieuren hin. "Damit ich mich einfach einarbeite und verstehe, wie es sein kann, dass wir so schlechte Starts hatten", erklärte er in Monza, wo er von Rang zwei dank perfekter erster Meter die Führung übernommen und den Sieg am Ende gefeiert hatte. "Ich muss letztendlich den Start machen da draußen und die Kupplung richtig kommen lassen", erklärte Rosberg.

Hamilton ließ sich von den beiden Siegen seines einzigen WM-Konkurrenten binnen einer Woche nicht wirklich erschüttern. Er wirkt weiterhin von sich überzeugt. Dennoch hat er ein Problem. "Lewis Hamilton mag eines der mitreißendsten Talente der Formel 1 sein, aber seine Schwierigkeiten, ein ganzes Wochenende ganze Arbeit zu leisten, kommt den Weltmeister teuer zu stehen", urteilte der britische "Guardian".

Der Unterschied zwischen den beiden ungleichen Fahrern wurde auch beim Blick auf das nächste Rennen deutlich. Rosberg rechnete sogar den Rückstand vor einem Jahr vor, als die Silberpfeile einen unerklärlichen Aussetzer beim Nacht-Grand-Prix in Singapur und dem bislang letzten Sieg von Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel im Ferrari hatten. "Wir können nicht allzu zuversichtlich dorthinfahren", prophezeite der 21-malige Rennsieger. "Wir waren dort Meilen weg im vergangenen Jahr", meinte Rosberg. Hamilton musste erstmal überlegen und nachfragen, ob es im vergangenen Jahr oder davor gewesen sei.

Allein ausschlaggebend wird die neue Startqualität im WM-Kampf nicht sein, glaubt Rosberg. Allerdings stellte auch er fest: "Es ist schon so, dass die Starts sehr, sehr wichtig sind." Denn sie sind Hamiltons größtes Problem auf dem Weg zu Grand-Prix-Sieg Nummer 50 in den nächsten Rennen und Titel Nummer 4 am Ende der Saison.

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