Erst Flüchtlingsdrama - jetzt Olympia

Yusra Mardini - Ihre Geschichte rührt Millionen

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Yusra Mardini.

Rio de Janeiro - Das Olympia-Debüt von Flüchtling Yusra Mardini hat für großes Aufsehen gesorgt. Die in Berlin lebende Schwimmerin ertrank beinahe auf der Flucht aus Syrien - jetzt startet sie in Rio unter der Flagge der Olympischen Spiele. 

Etwa 50 Journalisten zückten aufgeregt ihre Diktiergeräte und drängten sich ungeduldig um Yusra Mardini. Die zierliche Schwimmerin stand in der Interviewzone auf einem kleinen Podest, damit sie jeder sehen und vor allem hören könnte. Und sie genoss die große Aufregung um ihre Person.

Vor versammelter Weltpresse schickte sie in gutem Englisch einen herzlichen Gruß nach Berlin. Dort hat sie nach ihrer dramatischen Flucht aus dem vom Krieg zerrissenen Syrien eine neue Heimat und in den Wasserfreunden Spandau 04 einen neuen Verein gefunden. "Ich möchte ihnen für die Unterstützung danken. Sie sind in meinem Herzen", sagte sie.

Mardini schickt eine Botschaft in die Welt

Mardini war die meistgefragte Interviewpartnerin, sie stahl zum Auftakt der Schwimmwettbewerbe im Olympic Aquatics Stadium von Rio allen die Show. Dass sie im Vorlauf in 1:09,21 Minuten knapp 13 Sekunden langsamer war als die schwedische Weltmeisterin Sarah Sjöström und ihre eigene Bestmarke (1:08,51) nicht knackte, war zweitrangig.

Am Mittwoch springt Mardini auch über 100 m Freistil ins Becken, aber sie soll bei Olympia nicht in erster Linie sportliche, sondern politische Signale in die Welt senden. Sie soll die Menschen auf ihre Geschichte und die Geschichten von Millionen anderen Flüchtlingen aufmerksam machen. "Ich will allen zeigen, dass man es trotz Krieg und Elend schaffen kann, wenn man an sich glaubt", sagte sie.

Mardini startet bei Olympia 2016 im Flüchtlingsteam - nicht für Syrien

Mardini ist eine von zehn Athleten im ersten Flüchtlingsteam (RTO), das das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Rio unter Olympischer Flagge an den Start schickt. Das IOC will "ein Zeichen der Hoffnung für flüchtende Sportler auf der ganzen Welt" setzen, sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

Das Flüchtlingsteam marschiert bei der Eröffnungsfeier unter Olympischer Flagge ein.

Es ist das erste Mal, dass bei Olympischen Spielen eine Mannschaft an den Start geht, die ausschließlich aus Flüchtlingen besteht. Insgesamt zehn Sportler aus Syrien, dem Süd-Sudan, der demokratischen Republik Kongo und Äthiopien gehen in Rio in den Disziplinen Schwimmen, Leichtathletik und Judo unter Olympischer Flagge mit den fünf Ringen an den Start. Realistische Chancen auf Medaillen hat keiner von Ihnen, aber das ist auch zweitrangig. Vor allem sollen Sie "ein Zeichen der Hoffnung für flüchtende Sportler auf der ganzen Welt" setzen. "Unser Ziel ist es, dass man irgendwann dieses Flüchtlingsteam nicht mehr braucht", sagte IOC-Präsident Thomas Bach im Juni.

Mardinis Geschichte wird verfilmt

Die Geschichte von Mardini hat es sogar nach Hollywood geschafft, ein Film ist geplant, denn schon ihre Flucht aus Damaskus war dramatisch. Vor der griechischen Insel Lesbos entdeckten sie und ihre ältere Schwester Sarah ein Leck in ihrem Schlauchboot. Trotz Todesangst sprangen die beiden Mädchen ins Wasser und zogen das Boot mehrere Stunden bis an die sichere Küste. Dabei ertrinkt die heute 18-Jährige beinahe. 

Ein Jahr danach schwimmt Yusra Mardini bei Olympia. Sekunden vor dem Sprung ins olympische Becken ging der Teenager noch einmal in sich. "Ich habe an meine letzten Rennen gedacht", sagte sie, "und wo ich jetzt bin." In Rio, bei Olympia.

Die Geschehnisse in Rio am Dienstag können Sie in unserem Live-Ticker verfolgen.

tor mit Material des SID

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