Nowitzki: Neuer Vertrag "etwas ganz, ganz Tolles"

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Dirk Nowitzki hat einen neuen Zweijahresvertrag bei den Dallas Mavericks unterzeichnet. Foto: Michael Reichel

Nach dem neuen Zweijahresvertrag ist für Dirk Nowitzki wahrscheinlich "schon Schluss" mit Basketball - doch eine Hintertür lässt sich der Superstar noch offen. Bald startet der Würzburger wieder mit dem Training, will aber auch die Olympischen Spiele intensiv verfolgen.

Zeulenroda-Triebes (dpa) - Auch ohne Olympia-Teilnahme erlebt Dirk Nowitzki einen vollgepackten Sommer.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der Basketball-Superstar über seine Vertragsverlängerung bei den Dallas Mavericks, den überraschenden Gehaltsbonus und warum ihn bei den Sommerspielen in Rio auch Bahnrad oder Fechten begeistern.

Sie waren diesen Sommer erst zwei Wochen mit der Familie in der Karibik, dann beim Benefiz-Baseball in Dallas, zwischendurch bei der EM in Frankreich - jetzt stehen Sponsorentermine und am Mittwoch ein Charity-Fußballspiel für Michael Schumacher in Mainz an. Ist ein Sommer ohne Nationalteam von den Reisen etwa doch stressiger?

Dirk Nowitzki: Jetzt waren wir auch noch in Schweden, die Familie meiner Frau abklappern, es ist immer viel los. Wir haben viel Familie weltweit und die wollen wir natürlich alle sehen. Das war eine schöne Zeit, ich habe viel Zeit mit den Kids verbracht. Im August fange ich dann aber schon wieder mit dem Training an. Ich freue mich schon wieder drauf, mit dem Holger (Geschwindner) zu arbeiten und dann geht es im September wieder rüber in die USA.

Zu den Dallas Mavericks, wo Sie gerade einen neuen Zweijahresvertrag unterschrieben haben.

Nowitzki: Ich wollte schon immer meine Karriere in Dallas beenden. Einzig wenn wir 2011 nicht die Meisterschaft gewonnen hätte, wäre es eine Möglichkeit gewesen, woanders hinzugehen. Ich gehe davon aus, dass nach den zwei Jahren schon Schluss ist, aber man muss einfach sehen, wie die zwei Jahre so laufen, wie der Körper mitspielt.

Sie betonen immer, dass Sie nichts auf persönliche Rekorde geben. Aber welche Bedeutung hätte es, dass Sie nach Kobe Bryant übernächste Saison erst der zweite NBA-Spieler wären, der 20 Jahre nur bei einem Verein gespielt hat?

Nowitzki: Tim Duncan hat ja gerade aufgehört, er war bei 19 Saisons. (lacht) 20 Jahre in dem Business mit 82 regulären Saisonspielen - da hatte ich schon Glück, dass alles so mitgespielt hat. Ich freue mich, dass ich meine Karriere nur bei einem Verein gespielt habe, das ist etwas ganz, ganz Tolles.

Sie haben bei Ihren Vertragsverlängerungen immer wieder auf viel Geld verzichtet. Nun soll Mark Cuban, Besitzer der Mavs, sogar von sich aus noch zehn Millionen Dollar auf das bereits ausgehandelte Gehalt gepackt haben?

Nowitzki: Das freut mich natürlich. Die letzten paar Jahre habe ich viel Geld auf der Straße gelassen, um eine gute Mannschaft zu haben, eine Meisterschaft zu holen. Dafür haben sie mich jetzt etwas belohnt, das freut mich natürlich, dass der Mark so loyal zu mir ist.

Ihr Verhältnis ist ja auch kein gewöhnliches...

Nowitzki: Das ist auf jeden Fall sehr speziell. Es ist nicht oft so, dass der Club-Besitzer im Sommer mal ein Bierchen mit seinem Spieler trinkt und so ein Verhältnis haben wir eben von Anfang gehabt. Wenn ich auf dem Spielfeld Probleme hatte oder auch außerhalb, war er immer für mich da.

Dass es für Deutschland nicht zur Olympia-Qualifikation gereicht hat, dürfte ihm aber nicht ungelegen kommen. Werden Sie sich die Spiele in Rio anschauen?

Nowitzki: Nach Rio werde ich es nicht schaffen, gerade mit den zwei Kids. Wenn wir keine Kinder hätten, wäre es eine Überlegung, als Fan am Start zu sein. Aber das Training geht ja auch schon wieder los. Ich werde es jedoch natürlich verfolgen. Die ersten Olympischen Spiele, an die ich mich erinnere, waren 1988, das werde ich nie vergessen. Auch Barcelona vier Jahre später mit dem Dream Team - seitdem bin ich immer ein Riesenfan gewesen. Ich war ja 2008 in der glücklichen Lage, selbst dabei gewesen zu sein, Olympische Spiele sind für jeden Sportler das Nonplusultra. Einmal im olympischen Dorf dabeigewesen zu sein, diese Erfahrung werde ich für immer mitnehmen.

Was steht für Sie als Olympia-Fan im Vordergrund?

Nowitzki: Ich werde mir auf jeden Fall ein paar Sachen anschauen, die großen Sportarten, die man immer sieht, wie Tennis, Fußball oder Golf, sind gar nicht so interessant. Es sind die kleinen Sportarten, der Gewichtheber, der Gold holt, Gehen, Fechten - diese Menschen kennengelernt zu haben, war ein Riesenerlebnis. Man schaut einfach alles an. Du guckst es am Fernsehen, dann schalten sie rüber zum Bahnradfahren und du bist so dabei und freust dich über die deutschen Medaillen. Klar werde ich immer Basketball verfolgen, aber die kleineren Sachen bringen den Spaß.

Können Sie Sportler wie LeBron James oder Stephen Curry, aber auch Golfer wie Rory McIlroy, verstehen, die freiwillig auf Olympia verzichten?

Nowitzki: Für mich wäre es einfach eine Ehre, noch mal zu starten. Die Entscheidung muss aber jeder für sich treffen - was sagt der Körper, was sagt die Familie. Wenn man Familie hat, kann man nicht alles alleine entscheiden. Ich weiß, dass meine Familie mich gerne hingelassen hätte. Insofern ist die Entscheidung für mich schwer zu verstehen, aber jeder muss es für sich selbst wissen.

ZUR PERSON: Dirk Nowitzki (38) ist der beste deutsche Basketballer der Geschichte. Mit den Dallas Mavericks gewann er 2011 den Titel in der NBA. Vor acht Jahren nahm er mit dem deutschen Team an den Olympischen Spielen in Peking teil.

Profil Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks

Dirk Nowitzki bei Bauerfeind

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