Ecclestone kann erstmal bleiben

Der Mega-Deal ist perfekt: Formel 1 wird verkauft

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Für knapp vier Milliarden Euro kauft John Malone die Formel 1.

New York - Er ist eine der größten Nummern im schillernden Fernsehgeschäft, hält sich aber lieber im Hintergrund. Nun schnappt sich John Malone für knapp vier Milliarden Euro die Formel 1.

Der Mega-Deal ist perfekt, die Formel 1 wechselt den Besitzer und Bernie Ecclestone darf erstmal bleiben: Das amerikanische Medien- und Unterhaltungsunternehmen Liberty Media hat die Rennserie gekauft. Das bestätigten Liberty Media sowie der bisherige Hauptgesellschafter CVC am späten Mittwochabend.

Der bisherige Formel-1-Boss Ecclestone soll seinen Posten als Geschäftsführer vorerst behalten. „Ich möchte Liberty Media und Chase Carey in der Formel 1 begrüßen und freue mich darauf, mit ihnen zu arbeiten“, wird Ecclestone in der Mitteilung der Unternehmen zitiert. Der amerikanische Geschäftsmann Carey wird in die Geschäftsführung der Rennserie aufsteigen.

Knapp vier Milliarden Euro für die Formel 1

Liberty Media zahlt nach Angaben der Unternehmen 4,4 Milliarden Dollar (etwa 3,93 Milliarden Euro). Zudem sollen Schulden in ähnlicher Höhe übernommen werden. Insgesamt werde die Formel 1 bei der Transaktion mit 8,0 Milliarden Dollar bewertet, heißt es in der Mitteilung.

„Wir freuen uns, Teil der Formel 1 zu werden. Wir glauben, dass unsere langfristige Ausrichtung und Expertise mit Medien- und Sportgeschäften uns erlaubt, der Formel 1 eine gute Führung zu geben, von der Fans, Teams und Anteilseigner profitieren werden“, sagte Liberty-Media-CEO, Greg Maffei.

Kurz zuvor hatte Ecclestone in Interviews den Mega-Deal als schon praktisch perfekt bezeichnet. Nur Details seien noch zu klären, sagte der 85-jährige Brite der Nachrichtenagentur AP. Andere Medien zitierten den Formel-1-Boss mit der Aussage, die neuen Besitzer wollten, dass er noch drei Jahre weiter mache. „Nach zwei oder drei Jahren werde ich es vielleicht ein bisschen ruhiger angehen lassen“, sagte Eccleston zu AP.

Der "Cable Cowboy"

Der starke Mann bei Liberty Media ist John Malone, wegen seiner aggressiven Deals auch „Cable Cowboy“ genannt. Für die Formel 1 interessiert sich der 75-Jährige offenbar schon länger - bereits 2014 gab es Gerüchte, Firmen aus seinem Imperium stünden kurz vor dem Einstieg.

Heute ist Malones Firmen-Reich nach etlichen weiteren Zukäufen und Abspaltungen ein weit verzweigtes Geflecht diverser, schwer durchschaubarer Beteiligungen. Im Zentrum steht noch immer Liberty Media; der Konzern hat unter anderem Anteile am Shopping-Sender QVC und am Baseball-Team der Atlanta Braves. Das internationale Geschäft wurde 2005 in die Gesellschaft Liberty Global ausgegliedert, die in Deutschland durch Unitymedia vertreten ist.

Die Formel 1 hat sich in den vergangenen Jahrzehnten unter der Führung von Ecclestone zu einem Milliarden-Geschäft entwickelt. Der Brite vereinte die Teams und organisierte die gemeinsame Vermarktung, mit der die Rennserie inzwischen nahezu zwei Milliarden Dollar jährlich erlöst. „Wir alle profitieren von diesem Imperium. Bernie hat es zu dem gemacht, was es ist“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff am vergangenen Wochenende in Monza.

„Ich tue, was ich immer getan habe"

Vor zehn Jahren hatte CVC für mehr als 800 Millionen Dollar die Mehrheit der Anteile an der Formel 1 erworben und Ecclestone als zentrale Figur im Tagesgeschäft belassen. Rund vier Milliarden Euro soll CVC mit der Formel 1 verdient haben.

Über einen möglichen Verkauf war seit langem spekuliert worden. Ecclestone hatte mehrfach einen Börsengang avisiert, der aber wegen der Finanzkrise immer wieder verschoben wurde. Als Kaufinteressenten für die Formel 1 waren in der Vergangenheit auch die katarischen Geldgeber von Paris St. Germain, ein US-Konsortium um Stephen Ross, den Eigentümer des American-Football-Teams Miami Dolphins, der Medienkonzern Sky und sogar Apple genannt worden.

Auch über die Nachfolge von Ecclestone gab es schon allein wegen seines Alters immer wieder Debatten. Ecclestone allerdings hatte schon vor wenigen Tagen in Monza versichert: „Ich tue, was ich immer getan habe. Es ist meine Entscheidung, welche Rolle ich einnehme.“

dpa

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