Gina Lückenkemper sprintet über 200 Meter ins Halbfinale von Rio

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Physiotherapeut Peter Müller aus Hultrop bringt Gina Lückenkempers ( strahlend vorne) „schwere Beine“ für das Halbfinale wieder in Topverfassung. Hinten: Lisa Meyer, die auch weiter ist.

Rio de Janeiro - Ein Lächeln vor dem Start. Ein toller Sprint. Ein bisschen Zittern nach Platz drei. Schließlich Gewissheit: Gina Lückenkemper ist ins Halbfinale über 200 Meter bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gesprintet.

Als eine der sechs schnellsten Drittplatzierten der neun Vorläufe im Olympiastadion qualifizierte sich die Soester Sprinterin für die Runde der schnellsten 24 Sprinterinnen der Welt auf der 200-Meter-Distanz. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch tritt Lückenkemper ab 3 Uhr (deutscher Zeit) im dritten vom drei Halbfinals gegen die Weltelite an. Gegnerinnen sind unter anderem Tori Bowie, Michelle-Lee Ahye und Murielle Ahouré, die dritt-, viert- und sechstschnellsten Sprinterinnen der Vorläufe.

Doch Lückenkemper scheint keine Angst vor großen Namen zu verspüren. Denn gegen solche behauptete sie sich auch am Montagmorgen brasilianischer Zeit schon richtig ordentlich. Zwar musste sie sich den Topläuferinnen Marie Josee Ta Lou und Elaine Thompson, Viertschnellste und Olympiasiegerin über 100 Meter, geschlagen geben, doch fühlte sich Lückenkemper von beiden beflügelt: „Von zwei solchen Läuferinnen lässt man sich pushen und ziehen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich an Thompson heranlaufen kann“, meinte die Soesterin zum Rennverlauf.

Vor dem Start wirkte sie wie immer sehr entspannt, lächelte, hüpfte – und rannte los wie nichts. „Sie hat Spaß gehabt, ich bin sehr zufrieden mit ihrem Lauf. Das war eine sehr starke Kurve, die sie da gelaufen ist. Dass sie da hinten raus zu einer unüblichen Uhrzeit um zehn vor zehn schwere Beine bekommt, ist auch klar“, meinte ihr Dortmunder Trainer Uli Kunst. 

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Er freute sich über eine „souveräne Vorstellung“ seines Schützlings: Ende der Eingangskurve klebte sie an den Fersen der neben ihr laufenden Elaine Thomson aus Jamaika. Nur Marie Josee Ta Lou auf Bahn sieben lag noch weiter vorne. „Hinten raus hatte ich aber schwere Beine“, gab Lückenkemper zu, die auf den zweiten 100 Metern den beiden Weltklasse-Sprinterinnen doch noch recht deutlich den Vortritt lassen musste. Ta Lou lief ohnehin die schnellste Zeit aller neun Vorläufe.

Immerhin: Die Spitzenläuferinnen vor Lückenkemper hatte die Soesterin zu einer Topzeit geführt. Die 22,80 Sekunden waren nach Vorlauf vier eine Ansage, die bis dahin schnellste Zeit einer nicht direkt qualifizierten Läuferin - zeitgleich mit der Kanadierin Chrystal Emmanuel aus dem ersten Vorlauf.

„Es wäre megageil, wenn ich hier morgen Abend noch einmal laufen könnte“, meinte Lückenkemper vor den Fernsehkameras unmittelbar nach ihrem Zieleinlauf. So hieß es zunächst einmal: fünf weitere Vorläufe warten.

"Kein Zittern, sondern Warten"

„Das war auch kein Zittern, sondern Warten“, meinte Trainer Kunst, der sich sicher war, dass die 22,80 Sekunden reichen würden: „Das war ja im Bereich von Ginas Bestleistung, so wie wir es erhofft hatten.“ Und es lief gut: Lauf für Lauf ging über die Bühne – Konkurrentin für Konkurrentin auf den Plätzen drei und schlechter liefen zunächst langsamer als Lückenkemper.

Jodie Williams (Großbritannien) schaffte in Lauf sieben mit 22,69 Sekunden eine bessere Zeit, in Lauf acht Mujinga Kambundji (Schweiz) 22,78 Sekunden. Damit lag Lückenkemper immer noch auf dem geteilten dritten von sechs Plätzen für die Zeitschnellsten in den Halbfinalläufen – und wenige Minuten später die Gewissheit im Halbfinale zu stehen. Denn der neunte Lauf war deutlich langsamer als die vorangegangenen - überraschenderweise, denn als Drittplatzierte lief die hochgehandelte Jamaikanerin Veronica Campbell-Brown erst nach 22,97 Sekunden ins Ziel. Damit stand fest: Gina Lückenkemper startet am Dienstag im Halbfinale. „Der Traum geht weiter. Bin überglücklich“, postete Lückenkemper schon wenig später bei Facebook. Und gab auch schnell Entwarnung bezüglicher ihrer schweren Beine: „Peter bringt meine Beine für morgen wieder auf Zack.“ Gemeint war Peter Müller, Physiotherapeut aus Hultrop, der sich in Rio um die Athleten – und natürlich auch um seine „Nachbarin“ kümmert.

Mit ins Halbfinale lief übrigens auch Lückenkempers Teamkollegin Lisa Meyer. Sie lief in 22,86 Sekunde Persönliche Bestzeit, war damit zwar langsamer als Lückenkemper, als Zweite ihres Vorlaufs aber sicher weiter. Den Sprung in die Runde der schnellsten 24 verpasste dagegen die dritte Deutsche: Nadine Gonska lief in 23,03 Sekunden Platz vier ihres Laufs und schied aus.

Ergebnisse aus dem Vorlauf

1. Marie Josee Ta Lou (Elfenbeinküste)*1 22,31
2. Elaine Thompson (Jamaika)*1 22,63
3. Gina Lückenkemper (Soest)*2 22,80
4. Maria Belimpasaki (Griechenland) 23,19
5. Justine Palframan (Südafrika) 23,33
6 Janet Amponsah (Ghana) 23,67
7. Diana Khubeseryan (Armenien) 25,16
8. Margret Hassan (Südsuden) 26,99

*1 direkt im Halbfinale, *2 als Zeitschnellste im Halbfinale

Halbfinale in Nacht auf Mittwoch

200-Meter-Halbfinale 3 ab 22.10 Uhr Ortszeit (3.10 Uhr MESZ)

Bahn Läuferin Zeit im Vorlauf Bestzeit

1 Chrystal Emmanuel 22,80 22,80
2 Gina Lückenkemper 22,80 22,67
3 Edidiong Ofonime Odiong 22,74 22,74
4 Tori Bowie 22,47 21,99
5 Murielle Ahouré 22,52 22,24
6 Michelle-Lee Ahye 22,50 22,33
7 Nercely Soto 22,89 22,53
8 Simone Facey 22,78 22,25

Die Zeiten der Halbfinalteilnehmer in den Vorläufen

1. Marie-Josee Ta Lou (CIV) 22.31
2. Deajah Stevens (USA) 22.45
3. Tori Bowie (USA) 22.47
4. Michelle-Lee Ahye (TTO) 22.50
5. Dafne Schippers (NED) 22.51
6. Murielle Ahouré (CIV) SB 22.52
7. Ivet Lalova-Collio (BUL) 22.61
8. Jenna Prandini (USA) 22.62
9. Elaine Thompson (JAM) 22.63
10. Natalia Pohrebniak (UKR) PB 22.64
11. Ella Nelson (AUS) 22.66
12. Jodie Williams (GBR) SB 22.69
13. Blessing Okagbare (NGR) 22.71
14. Edidiong Ofonime Odiong (BRN) PB 22.74
15. Dina Asher-Smith (GBR) 22.77
16. Simone Facey (JAM) 22.78
16. Semoy Hackett (TTO) 22.78
16. Mujinga Kambundji (SUI) SB 22.78
19. Crystal Emmanuel (CAN) PB 22.80
19. Gina Lückenkemper (Soest) 22.80
21. Lisa Mayer (GER) PB 22.86
22. Nercely Soto (VEN) SB 22.89
23. Tynia Gaither (BAH) 22.90
24. Angela Tenorio (ECU) SB 22.94

Quelle: wa.de

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