Drittschnellste Zeit aller 16 Nationen

Gina Lückenkemper & Co. mit Sieg ins Gold-Finale von Rio

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Ein paar lautstarke Worte der Unterstützung gibt Gina Lückenkemper (rechts) hier Rebekka Haase mit auf die Zielgeraden. Die deutsche Staffel gewann ihr Halbfinale souverän.

Rio de Janeiro - [Update, Freitag] Was für ein Auftritt von Gina Lückenkemper und der deutschen 4x100-Meter-Staffel im Halbfinale der olympischen Spiele von Rio: Das deutsche Quartett gewann seinen Lauf nach starken 42,18 Sekunden und qualifizierte sich damit für das Finale in der Nacht von Freitag auf Samstag (3.15 Uhr MESZ). Dort geht es um olympisches Edelmetall - und die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Auch wenn die US-Amerikanerinnen nun doch dabei sind...

Denn den deutschen Damen gelang die drittschnellste Zeit aller 16 Nationen – außerdem ist mit den Niederlanden ein hochgehandeltes Team überraschend ausgeschieden.

„Die Mädels sollen nicht rechnen, sondern rennen“, meint Uli Kunst halb scherzend, halb mahnend nach dem Rennen. Der Dortmunder Trainer von Gina Lückenkemper macht sich diesbezüglich aber keine Sorgen. Der Auftritt am Donnerstag sei einfach gut gewesen: „Man merkt, dass die Mädchen sehr fokussiert sind. Das werden sie auch bleiben.“

Konzentriert waren die deutschen Damen schon ihren Halbfinallauf angegangen. Nach dem ersten war ihnen nämlich klar: Sie müssen Dritte werden oder als Vierte mindestens die Zeit der Staffeln aus China und Kanada (beide 42,70 Sekunden) schlagen. Die Jamaikanerinnen hatten das erste Halbfinale vor Großbritannien und der Ukraine gewonnen – das Trio wartete also im Finale.

Das eigene Halbfinale lief richtig gut für die Deutschen: Startläuferin Tatjana Pinto legte einen guten Auftakt hin, kam gut durch die erste Kurve. Nach einem ordentlichen Wechsel auf Lisa Mayer, blieben die Deutschen vorne dabei – allerdings waren bis hier auch noch die Amerikanerinnen vorne mit dabei. Aber während Mayer den Staffelstab sauber an Lückenkemper übergab und diese sich anmachte, in Höchstgeschwindigkeit durch die zweite Kurve zu sprinten, gab es Probleme bei den USA auf Bahn 1, die von den auf Bahn 2 laufenden Brasilianerinnen behindert wurden. Lückenkemper zog davon unbeirrt und unbehelligt auf Bahn sieben auf und davon, übergab den Stab sauber auf Rebekka Haase, die nichts mehr anbrennen ließ.

„Ich sehe das natürlich mit der rosaroten Brille des Trainers, aber Gina ist die Kurve sehr schön gelaufen. Die Mädels haben insgesamt ein sauberes Rennen hingelegt, ordentlich den Stab übergeben“, hatte Trainer Kunst nur wenig auszusetzen.

US-Damen doch dabei

Ihren einsamen Lauf gegen die Uhr und die Zeit der Chinesinnen (42,70 sek) nutzte die US-Staffel und schaffte nachträglich noch den Sprung ins Finale. Mit 41,77 Sekunden liefen die im Vorlauf von den Brasilianerinnen behinderten US-Girls sogar die schnellste Zeit aller Staffeln.

Mit deutlichem Vorsprung überquerte Haase nach 42,18 Sekunden die Ziellinie. Dahinter folgten mit einigem Rückstand Nigeria (42,55) sowie die Staffel aus Trinidad und Tobago (42,62). Vierte wurden die Damen aus Frankreich (43,07) vor der Schweiz (43,12). Brasilien, die USA und auch Kasachstan wurden zunächst disqualifiziert. Kasachstan wegen Verlassens der Bahn, die Brasilianerinnen wegen Behinderung der Amerikanerinnen, die so den zweiten Wechsel verpatzten – Allyson Felix konnte den Staffelstab nicht an English Gardner weitergeben, die somit mit ihrem Team zunächst wegen „Laufens ohne Staffelstab“ disqualifiziert wurde. Am Abend bekamen die Amerikanerinnen dann aber eine zweite Chance, durften alleine „gegen die Uhr“ und gegen die Zeit der Chinesinnen aus dem ersten Lauf antreten.

Das ganze Chaos spielte für Lückenkemper & Co keine Rolle. Im Ziel blickten die deutschen Damen erst ungläubig drein, dann folgte der Jubel. Aber abheben wird niemand, wie das Quartett wenig später vor den laufenden Fernsehkameras bewies.

Noch nichts von einer möglichen Medaille nach dem Aus der Niederlande und dem vermeintlichen Aus der USA wollte Gina Lückenkemper gegenüber der ARD wissen: „Wir rechnen da kein bisschen“, wehrte sie die Frage des ARD-Reporters ab. „Für uns stand im Vordergrund: Wir wollen uns qualifizieren fürs Finale über die direkte Qualifikation. Das haben wir geschafft. Jetzt geht es darum, morgen einfach alles zu geben und, wenn möglich, nochmal schneller zu laufen als heute.“

Ihre Kollegin Lisa Mayer hatte nicht gesehen, wie die Amerikanerinnen gestrauchelt sind: „Da macht man sein eigenes Ding, konzentriert man sich ganz auf sich“, bekam sie nicht mit, was hinter ihr auf der Gegengeraden passiert ist. Schlussläuferin Rebekka Haase war rundum happy: „Es ist cool, sich zusammen freuen zu können“, machte die Zimmergenossin von Gina Lückenkemper deutlich, wie sehr sich der Staffellauf vom Einzelstart unterscheidet. Diese Besonderheit unterstrich auch Tatjana Pinto: „In der Staffel kann viel passieren, nach oben wie auch nach unten. Heute ging es nach oben, das ist auf jeden Fall sehr cool.“

Jetzt gilt die ganze Konzentration dem Auftritt mit der Staffel in der Nacht auf Samstag. Die Vorfreude beim deutschen Quartett ist auf jeden Fall groß: „ Ich hab’s gesagt: Wir sind gut drauf! Freuen uns auf morgen Abend“, postete Lückenkemper nur kurze Zeit nach dem Lauf auf ihrer Facebook-Seite.

Genau diesen Ratschlag hatte Kunst für die Staffel: „Sie sollen sich freuen und das genießen. Sie haben schon Großes erreicht.“

Quelle: wa.de

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