Gewehrschütze Junghänel als Debütant zu Olympia-Gold

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Henri Junghänel triumphiert bei seinen ersten Olympischen Spielen. Foto: Armando Babani

Was für ein Omen: Am Tag seines Weltcupsieges in Rio wurde die olympische Flamme in Griechenland entzündet. Nun ist Henri Junghänel Olympiasieger. Nach dem Engleder-Gold und den silbernen Medaillen von Karsch und Bogenschützin Unruh die vierte Medaille für den DSB.

Rio de Janeiro (dpa) - Mit dem Olympia-Gold um den Hals dachte Gewehrschütze Henri Junghänel an den Abschied. "Ich muss überlegen, ob das nicht vielleicht sogar der Schlusspunkt ist", sagte der 28 Jahre alte Debütant nach der Siegerehrung in Rio.

"Ich mache jetzt ein Jahr Pause und gehe auf Jobsuche. Mit Sport kann man kein Geld verdienen. Da ist das Ingenieurwesen durchaus lukrativer."

Stolz präsentierte der Hesse zuvor seine Medaille, Papa Reinhart und Mama Regina hatten Tränen in den Augen. "Er ist so zielstrebig, die Ziele, die er sich setzt, schafft er auch", sagte die stolze Mutter. "Er hat Maschinenbau mit 1 abgeschlossen, was er anpackt, wird zu Gold", meinte der Vater mit einem Lächeln. "Eigentlich fährt er nicht so oft zu Wettkämpfen, weil er aufgeregter ist als ich", verriet Junghänel und stellte fest: "Ich bin extrem glücklich, auch wenn ich nicht so ein extrovertiert Typ bin, der das so nach Außen bringt."

Souverän wurde Junghänel mit dem Kleinkalibergewehr Olympiasieger im Liegendwettbewerb. Er holte sich auf der Schießanlage in Deodoro mit dem olympischem Rekord von 209,5 Punkten den ersehnten Sieg vor dem Südkoreaner Kim Jonghuyn und dem Russen Kirril Grigorian. "Ich gönne es dem Henri so, er ist ein Superliegendschütze. Irgendwie haben wir im Team jetzt eine Eigendynamik, es läuft so super", sagte Barbara Engleder. Die Bayerin, die sicher ihre internationale Karriere beendet, hatte mit ihrem Olympiasieg mit dem Kleinkalibergewehr am Vortag für einen weiteren Gänsehautmoment gesorgt. "Da war der Druck weg", sagte Junghänel.

Im Finale ging es gut los für ihn. Mit einem guten Zehnerschnitt begann er, lag zunächst auf Rang drei. Nach der dritten Dreier-Serie übernahm der Hesse sogar die Spitze. Mit traumwandlerischer Sicherheit baute er seinen Vorsprung aus. 2012-Olympiasieger Nicolo Campriani aus Italien scheiterte früh, Junghänel traf weiter sicher.

Nach den Schüssen 13 und 14 war die Führung erst einmal weg, doch Junghänel behielt die Nerven. Die deutschen Fans waren da schon in Feierstimmung. Die letzte Gewehrmedaille bei den deutschen Männern hatte 2004 Christian Lusch ebenfalls im Liegenschießen gewonnen.

Dabei war Junghänel als Vorkampf-Achter gerade so ins Finale gerutscht. Am Ende reichten die 624,8 Ringe für den letzten freien Platz für das Medaillen-Duell, das in zwei Durchgängen als Ausscheidungswettkampf geschossen wurde. Beim vorolympischen Weltcup auf dieser Anlage hatte er noch den Weltcup gewonnen. "Das hat mir sehr viel Selbstbewusstsein gegeben." Kurios: Genau an dem Tag seines Sieges wurde in Griechenland das olympische Feuer für Rio entzündet.

Eine richtige Leistungsexplosion gab es für Junghänel erst, als der Hesse in die USA ging. Er studierte in Kentucky Maschinenbau, bekam ein Stipendium dank seines Könnens, was er im Collegeteam regelmäßig bewies. "Der Schießstand lag auf dem Collegegelände, man konnte jederzeit trainieren", betonte der "Weltschütze von 2013". Nach seinem Bachelorabschluss kehrte er nach Deutschland zurück, um in Darmstadt und Berlin seinen Master zu machen.

Enttäuschend hingegen der Auftritt von Teamkollege Daniel Brodmeier aus Niederlauterbach, der das Finale als 37. deutlich verpaßte. Dennoch hat der Deutsche Schützenbund nach der Goldmedaille von Barbara Engleder sowie den silbernen Medaillen von Monika Karsch und Bogenschützin Lisa Unruh sein Olympia-Ziel schon erreicht.

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