Cleveland überrollt den Meister

NBA Finals: James und seine Cavs schlagen zurück

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Antreiber: Superstar LeBron James führt Cleveland zum Sieg in Spiel 3 der NBA Finals.

Cleveland - Die Cleveland Cavaliers sind mit einem Boom zurück in den NBA Finals: In Spiel 3 demontierten sie Titelverteidiger Golden State Warriors (120:90) und verkürzten in der Serie auf 1:2.

Manchmal ist auf Statistiken eben doch Verlass. Zwei Zahlen hatten den Cleveland Cavaliers große Hoffnungen für Partie drei daheim gemacht -  nach ihren schwachen Auftritten in Oakland. Gegner Golden State hat in den diesjährigen Playoffs noch kein einziges drittes Duell einer Serie auswärts gewonnen. Die Cavs ihrerseits gewannen alle sieben Heimpartien. Beide Serien hielten. Mit einem überlegenen 120:90-Sieg verkürzte der Eastern Conference-Champion auf 1:2 in der Best-of-Seven-Serie. Verrückte Basketball-Welt. Noch vor drei Tagen hatten die Warriors mit 33 Punkten Differenz Cleveland besiegt. Nun der Kantersieg der Cavaliers, die in der Quicken Loans Arena weiter ungeschlagen bleiben.

Passendes Stichwort: Die Halle brannte. 48 Minuten lang. Das war der Durst der Stadt nach Erfolg. Seit 52 Jahren warten die Cleveland-Teams in den großen drei Sportligen (die Footballer der Browns, die Baseballer der Indians sowie die Basketballer der Cavs) auf eine Meisterschaft. Länger als jede andere Sportstadt der USA. Doch Cleveland glaubt an sich. Diese Hoffnung, diesen Mut schrieen die Fans heraus. Schon bei der Nationalhymne vor der Partie. Golden State hatte für seine Heimpartien Stars organisiert, die "The Star-Spangled Banner" sangen: Pop-Musiker John Legend (kurioserweise aus dem Bundesstaat Ohio, in dem Cleveland liegt) und Lokalheld Carlos Santana. In Cleveland waren die Fans der Star. Sängerin Jessica Ruiz stimmte die ersten fünf Wörter an, danach übernahmen die 20 562 Zuschauer. Beeindruckend und elektrisierend. Die Zuschauer lieferten ihren Basketballern die Energie, die den Cavs in den ersten zwei Partien gefehlt hatte. 

NBA Finals: Bei Cleveland stimmt die Physis, bei Golden State fast nichts

Cleveland-Coach Tyron Lue, der auf Forward Kevin Love verzichten musste, ließ sich nicht auf taktische Spielchen ein, hielt an seinem Plan mit vielen Einzel-Aktionen seiner Top-Akteure fest. "Der einzige Wechsel war, dass wir heute hart gespielt haben." Vom Start weg. 33:16 führten die Hausherren schon nach Viertel eins. Superstar LeBron James (acht Punkte, kein Fehlwurf) und Aufbau Kyrie Irving (16 Zähler) warfen die Offensive an, die der Gegner für zwei komplette Partien ausgeschaltet hatte. Noch mehr beeindruckte die Defensive. "Physis und Aggressivität" lobt Trainer Lue. Lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. 20 mehr Rebounds griffen die Cavaliers. Die Basketballer nennen solche Zahlen Hustle-Stats (hustle = "ins Zeug legen"). Allein Center Tristan Thompson - ein Inselbegabter mit Faible für Rebounds - holte 13 Stück.

MVP Curry ein Total-Ausfall

Dieser Einsatz, dieser Wille fehlte den Gästen. "Wir waren nicht bereit für das Spiel. Wir waren extrem weich", so erklärt Warriors-Trainer Steve Kerr den Horror-Start. Um Abschnitt eins einzuordnen: Es war das schlechteste Viertel der ganzen Saison. Auch die Superstar retteten den amtierenden Meister nicht. MVP Stephen Curry und Klay Thompson trafen keinen einzigen Wurf im ersten Abschnitt. Bislang brauchten sich die Warriors keine Sorgen zu machen, weil der Rest des Teams einsprang. Nun ist es aber an der Zeit für die "Splash-Brothers", in die Spur zu finden. Beispiel Curry: Zur Halbzeit standen auf dem Statistik-Bogen mehr Ballverluste (3) als Punkte (2). Der Scharfschütze, der normalerweise Distanz-Würfe aus allen Lagen versenkt, schwächelte in Partie drei gewaltig. Hinterher, auf der Pressekonferenz, geißelte sich der Top-Star der Warriors mit gesenktem Kopf selbst. "Ich muss hundertmal besser spielen."

Partner Thompson verletzte sich, kehrte aber nach kurzer Behandlung in der Kabine aufs Feld zurück. Bis zur Halbzeit kämpfte sich Golden State auf acht Punkte heran. In der Pause luden die Cavaliers, bei denen die fünf Starter die ersten 89 Punkte erzielten, ihre Akkus auf - und vermöbelten die Warriors richtig. Curry fing erst an zu treffen, als Cleveland schon uneinholbar vorne lag. Mit 19 Zählern war er bester Punktesammler der Gäste. 

Superstars der Cavaliers sichern Kantersieg

Diesen Part übernahm selbstverständlich James für die Gastgeber. 32 Zähler, 11 Rebounds und 6 Assists gelangen dem Anführer der Cavs. Der größter Unterschied zu den vorherigen Auftritten: Sein Sprungwurf aus der Distanz landete konstant im Korb. An Rivale Curry schickte er in Viertel drei eine Nachricht.  Als das Spiel bereits abgepfiffen war, blockte er einen Korbleger des MVPs. Als ob er sagen wollen würde: Das machst du nicht in meinem Wohnzimmer. "Wenn der beste Werfer der Welt versucht, seinen Rhythmus zu bekommen, musst du ihn aufhalten", erklärt James. Team-Kollege Irving, der nach schwacher Ausbeute in Oakland in die Kritik geraten war, steuerte 30 Punkte bei. "Wir haben zu unserem Spiel zurückgefunden. Und mit dem Mann links neben mir (Irving/Anm.d.Red.) hat es angefangen."

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