Schalkes Freistoßspezialist im Interview

Geis exklusiv: Gebe meine Position nicht einfach her

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Johannes Geis arbeitet hart daran, um in der neuen Saison konstanter aufzutreten als in der vergangenen.

Mittersill - Schalkes Freistoßspezialist Johannes Geis erklärt im WA-Interview, welche Lehren er aus der Vorsaison zieht, welche Rolle seine Ernährungsumstellung spielt und wie er über weitere Konkurrenz denkt.

Mit gerade einmal 22 Jahren hat Johannes Geis schon einiges durchgemacht. Vor allem die vergangene Saison war nicht nur wellenreich für den Freistoßspezialisten, sondern auch sehr lehrreich. Im Interview mit Marcel Guboff erklärt er, was er daraus für sich mitnimmt, welche Rolle seine Ernährungsumstellung spielt und wie er über weitere Konkurrenz für seine Position denkt.

Herr Geis, fehlt Ihnen aktuell etwas im Training in Mittersill?

Johannes Geis: Gar nicht. Die Inhalte sind perfekt abgestimmt.

Standards, vor allem Ihre Spezialität Freistöße waren bislang allerdings weniger zu sehen…

Geis: Das kommt noch, wir haben ja noch Zeit.

Naldo hat gesagt, dass er einen Freistoß weiter vor dem Tor eher Ihnen überlassen würde, von weiter weg würde er dann auch gerne mal ran.

Geis (lacht): Näher vor dem Tor ist für mich besser, weil ich wohl ein bisschen mehr Gefühl im Bein habe, Naldo kommt eher über die Kraft. Wenn er sich gut fühlt und aus 20 Metern den Ball dann in den Winkel haut, darf er das auch gerne machen.

6. Februar 2016– sagt Ihnen dieses Datum etwas?

Geis: Nicht wirklich.

Es war Ihr bis dato letztes Freistoß-Tor in einem Pflichtspiel …

Geis: … gegen Wolfsburg, ja.

Es ist jedenfalls schon etwas her. Rückblickend waren Sie auch weniger zufrieden mit der vergangenen Saison?

Geis: Am Anfang war es relativ gut von uns allen. Dann kam bei mir der Knackpunkt mit der Roten Karte (gegen Gladbachs Andre Hahn, Anm. d. Red.), nach der ich außer Tritt geraten bin. Auch das Selbstvertrauen hat danach etwas gefehlt. Zufrieden war ich natürlich rückblickend auf keinen Fall, deswegen arbeite ich hart daran, es in dieser Saison besser zu machen.

War vielleicht auch die Erwartungshaltung in Ihrem ersten Jahr auf Schalke zu groß?

WA-Redakteur Marcel Guboff im Gespräch mit Schalkes Johannes Geis.

Geis: Bei einem großen Verein wie Schalke ist der Druck immer groß. Wenn ich damit nicht umgehen könnte, hätte ich gar nicht herkommen müssen. Das wusste ich schon vorher. Gleiches gilt für die Erwartungshaltung, Wenn man dann auch noch gleich im ersten Pflichtspiel im Pokal gegen Duisburg ein Freistoßtor erzielt, wissen die Fans gleich gesehen: ‚Okay, der kann es.‘ Daran wird man dann auch gemessen. Für mich war es ein sehr lehrreicher Reifeprozess.

Im Sommer haben Sie sich bewusst im Urlaub auf den Seychellen abgeschottet, hatten keinen Handy-Empfang. Wie wichtig ist so etwas?

Geis: Für mich war es extrem wichtig. Mein erstes Jahr auf Schalke war sehr wellenreich, es ist viel auf mich eingeprasselt. Da war es ganz gut, einfach nur mit meiner Freundin entspannen zu können.

Was erwarten Sie denn im zweiten Jahr auf Schalke von sich selbst?

Geis: Dass ich gewisse Dinge besser mache. Freistöße stehen an oberster Stelle, aber auch, dass ich der Mannschaft helfe, Gas gebe und konstant meine Leistungen abrufe.

Und mehr in die Leader-Rolle hineinwachsen?

Geis: Klar sind diese Fähigkeiten auf meiner Position gefragt. Jetzt kenne ich die Mannschaft etwas besser, dann traut man sich auch mehr und macht auf dem Platz öfter seinen Mund auf. Ich kann das, aber ich muss da auch noch etwas hineinwachsen.

Was verlangt den Trainer Markus Weinzierl von Ihnen?

Geis: Explizit muss ich etwas härter in die Zweikämpfe gehen und dadurch mehr Bälle erobern, um sie anschließend wieder gut zu verteilen. Auf die Bälle nach vorne drängt er auch, weil wir dann mit unseren pfeilschnellen Außen schnell in die Tiefe kommen.

Welche Rolle spielt dabei Ihre Ernährungsumstellung?

Geis: Das ist enorm wichtig. Ich esse jetzt nicht weniger, sondern das, was für meinen Körper richtig ist. Das ist wie bei einem Auto: Wenn du einen Super-Wagen mit Diesel tankst, ist es auch verkehrt. Da sind auch noch einmal die Sinne der Mannschaft hier geschärft worden.

Sie merken also schon, dass das etwas bringt?

Geis: Man ist fitter und bewegt sich leichter, ja.

In Ihrem zweiten Jahr erleben Sie gleich wieder einen Umbruch auf Schalke. Wie nimmt man das als Spieler wahr?

Geis: Es ist für uns Spieler wieder alles auf Null gestellt. Es geht von Neuem los, jeder will sich beweisen, keiner ist gesetzt. Wir haben jetzt eine geordnete und gute Philosophie, in die wir jetzt langsam hineinwachsen müssen. Es ist noch nicht alles perfekt, aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Wir wissen aber auch, dass es in diesem Entwicklungsprozess Höhen und Tiefen geben wird.

Christian Heidel sucht noch einen Sechser – also einen Konkurrenten für Sie.

Geis: Wenn er gute Qualität mitbringt, freut es mich für die Mannschaft. Wir spielen in drei Wettbewerben, wo es um viel geht und die Spieler entsprechend fit sein müssen. Wenn man auf diesen Positionen die Qualität hochhalten kann, ist es perfekt. Aber natürlich gebe ich meine Position nicht einfach her. Ich werde mich der Konkurrenz stellen.

Der Manager spricht dabei von einem Spielertypen, den Schalke noch nicht hat. Welcher Typ fehlt dem Team denn?

Geis: Das müssen Sie den Trainer fragen (lacht).

Kader und Rückennummern des FC Schalke in der Saison 2016/2017

Was macht Markus Weinzierl anders als sein Vorgänger?

Geis: Ich würde das gar nicht vergleichen. Was ich sagen kann: Er redet sehr viel mit uns, gibt uns Anweisungen, unterbricht die Inhalte und stellt uns richtig, damit jedes kleinste Detail ausgefeilt ist. Es sind Kleinigkeiten, die uns im Spiel aber enorm helfen werden. Von der Spielweise ist es auch nicht einfach zu vergleichen. Er hat seinen eigenen Stil. Er will aggressiv hoch verteidigen und pressen. Das spielt uns in die Karten.

Es gibt viele neue Spieler im Team. Was ist dieses Jahr drin für Schalke?

Geis: International vertreten zu sein ist für einen Verein wie Schalke immer Pflicht. Wir sind nach wie vor eine junge Truppe, haben aber auch Erfahrung hinzubekommen mit Naldo oder Coke, was sehr gut ist. Ob Champions oder Europa League, wird man dann sehen.

2 Tag ☑️ @naldo29_oficial

Ein von Johannes Geis (@geisinho5) gepostetes Foto am

Die Konkurrenz hat ja auch gut nachgerüstet.

Geis: Es haben alle gut eingekauft: wir, Dortmund oder Leverkusen. Gladbach hat die Mannschaft weitgehend beibehalten – es wird sehr spannend. Wir wollen erst einmal unseren Spielstil durchsetzen und dahingehend Gas geben. Wenn wir alle Pferdestärken auf den Rasen bringen, sind wir auch schwer zu schlagen.

Anderes Thema: Bastian Schweinsteiger ist aus dem Nationalteam zurückgetreten. Wie haben Sie das aufgefasst?

Geis: Er wurde medial viel angegriffen, was für mich unverständlich ist. Was er für den FC Bayern oder die Nationalmannschaft geleistet hat, ist unglaublich. Dass er in seinem Alter und mit seinen Verletzungsgeschichten zurücktritt, ist völlig legitim. Aber auch schade, weil er ein absoluter Leader, Teamplayer und Weltklassespieler ist.

Damit ist ja im Grunde in Platz im DFB-Team frei geworden ...

Geis: Die Nationalmannschaft bleibt mein großes Ziel, aber Schalke steht ganz vorne. Wenn wir als Team funktionieren, kommt auch jeder Spieler gut weg. Dann habe ich vielleicht auch mal eine reelle Chance, eine Einladung zu bekommen.

Ticker: Schalke 04 im Trainingslager

Quelle: wa.de

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