Eine Frage der Mentalität

Schalkes Kampf mit der Vergangenheit

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Schalke 04 hat weiterhin mit Problemen aus der Vergangenheit zu kämpfen.

Gelsenkirchen - Schalke 04 droht gegen den FC Bayern ein Fehlstart in die neue Bundesliga-Saison. Doch Manager Christian Heidel hat noch ein ganz anderes Problem ausgemacht.

Kaum war die Frage nach der Mentalität gestellt worden, musste Christian Heidel leicht grinsen. Auch wenn sie an Trainer Markus Weinzierl gerichtet war, war es doch der Manager, der diese Diskussion jüngst in einem Interview neu entfacht hat. Eine Diskussion, die beim FC Schalke 04 nicht neu ist.

„Ich will mich nicht mit der Vergangenheit befassen, schon gar nicht mit dem vergangenen Jahr – mehr mit Frankfurt“, sagt der Coach vor dem Heimspiel am Freitag gegen den FC Bayern (20.30 Uhr hier im Live-Ticker). „Wir haben daraus wichtige Erkenntnisse gezogen.“

Es waren Erkenntnisse, die bei der 0:1-Auftakt-Niederlage bei der Eintracht stark an die vergangenen Monate erinnert hatten. Nichts zu sehen von Aggressivität. Anders als sein Trainer, wurde Heidel konkreter. „Man muss verstehen, dass auch alle Spieler von Schalke 04 ans Limit gehen müssen“, so der Sportvorstand der Königsblauen. Er sehe in Teilen des Teams den Glauben, dass die Profis fußballerisch alle so gut seien, „dass es vielleicht auch mit 98 Prozent funktioniert“, schildert Heidel. Das kenne er aus seiner Zeit bei Mainz 05 anders: „Mein Eindruck ist jetzt nicht, dass die individuelle Klasse von Schalke 04 so viel höher ist als bei dem Verein, bei dem ich vorher tätig war.“ So sei zu erklären, dass die Kleineren oftmals die vermeintlich Größeren schlagen.

Heidel: Schalke muss an die Grenzen gehen

Diesen Eindruck hatte Heidel nicht erst in seinen ersten Monaten als Schalker Manager gesammelt. In der Vorsaison etwa, als es mit Mainz um die Frage ging, wie die Blau-Weißen zu knacken seien, habe es oft geheißen: ‘Lass uns das 1:0 machen, dann haben wir das im Sack.‘ Will heißen: Nach Rückschlägen ließ S04 oftmals die Köpfe hängen. „Man braucht eine gewisse Mentalität, um mit Rückschlägen umgehen zu können“, erläutert der Sportvorstand: „Das kann der eine Mensch besser als der andere. Das hat nichts mit der fußballerischen Qualität zu tun. Es geht um die Mentalität der Spieler, dass sie einfach immer an die Grenze gehen wollen.“

Kader und Rückennummern des FC Schalke in der Saison 2016/2017

Die gebe es bei S04 auch. Bislang eben nicht so ausgeprägt. Heidels Beispiel aus Frankfurt, belegt durch statistische Daten: „Wenn einer drei Vollsprints macht und sein Kollege zwölf – woran liegt es wohl dann? Dann liegt es an der Mentalität.“

Weinzierl will gierige Mannschaft formen

Daher habe er gemeinsam mit Trainer Weinzierl bei der Auswahl der Neuzugänge auch darauf geachtet. Damit der richtige Mix vorhanden ist. „Jetzt geht es darum, eine Mannschaft zu entwickeln, die Kampfkraft hat, die Aggressivität hat, die Kompaktheit hat, die giftig und gierig ist, Spiele zu gewinnen“, sagt Weinzierl, der gegen München auf Franco Di Santo (muskuläre Problemen) verzichten muss.

Das Problem ist kein unbekanntes auf Schalke. Schon vor vier Jahren hatte Heidels Vorgänger Horst Heldt gefordert, „aus jeder Situation das Maximale“ herauszuholen. Bis heute ist das nicht auf konstantem Niveau passiert. Wie sehr die Profis die Kritik des Managers verinnerlicht haben, können sie am Abend gegen den Rekordmeister beweisen. „Es darf“, warnt Heidel, „Bayern keinen Spaß machen. Wenn es ihnen Spaß macht, hat es oft ein bitteres Ende.“ Dagegen hilft – natürlich – die richtige Mentalität.

Quelle: wa.de

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