Tendenz bestätigt

Schalke bleibt eklig - aber Heidel brauchte Herztropfen

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Torschütze Abdul Rahman Baba (2.v.r.) feierte mit seinen Teamkollegen den Sieg in Nizza.

Nizza - Schalke 04 schleißt in Nizza an der Leistung gegen Bayern an. Einen großen Anteil haben die Neuzugänge. Dennoch hätte der Manager beinahe Herztropfen gebraucht.

Christian Heidel kam geradezu beschwingt aus der Kabine, in der die Stimmung nach dem 1:0-Sieg über den OGC Nizza nach Augenzeugenberichten prächtig gewesen sein soll. Gefrotzelt habe man dort natürlich auch, berichtete der Sportvorstand von Schalke 04. Zum Beispiel über Eric Maxim Choupo-Moting, der in der Nachspielzeit frei vor dem Tor nur den Innenpfosten getroffen und damit die endgültige Entscheidung dummerweise verpasst hatte.

„Wäre danach noch das 1:1 gefallen, dann hätte er zu Fuß nach Berlin gehen können“, sagte Heidel. Dort findet am Sonntag der nächste Auftritt der Königsblauen statt. Laut den stets verlässlichen Berechnungen von "Google Maps" hätte der Deutsch-Kameruner das Spiel in der Hauptstadt allerdings ganz klar verpasst, da er für die Strecke elf Tage und elf Stunden gebraucht hätte. Und danach wahrscheinlich für den Rest der Saison ausgefallen wäre.

Genug gelaufen war Choupo-Moting wie die meisten seiner anderen Mannschaftskameraden bereits am Donnerstagabend. Das hoch verdiente 1:0 beim Tabellenzweiten der Ligue 1 war vor allem ein Sieg des Willens gewesen.

"Wahre Arbeit wahrer Lohn"

„Wir haben brutal gut gegen den Ball gespielt“, lobte Heidel und erfreute sich an der Spielweise seiner Mannschaft, die er als „eklig und unangenehm“ bezeichnete. Immer wieder hatten die Schalker – angeführt vom aggressiven Mittelfeld mit Nabil Bentaleb, Benjamin Stambouli und Leon Goretzka – den Franzosen erst den Ball und dann den Schneid abgekauft. Sehr zur Freude von Kapitän Benedikt Höwedes, einem anerkannten Anhänger der These „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“. Der Weltmeister, selbst ein etablierter Malocher, lobte mit einem Grinsen im Gesicht: „Wir haben heute richtig geackert.“

Das kommt gut an auf Schalke, was auch die Reaktion der gut 2000 mitgereisten Fans zeigte. Sie belohnten die Mannschaft für ihren aufopferungsvollen Auftritt mit 90-minütiger Unterstützung und feierten sie nach vollbrachter Arbeit. Die larmoyante Attitüde, die das S04-Team in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt hat, scheint sich verflüchtigt zu haben.

Neuzugänge ändern Charakter des Teams

Auslöser dafür dürften vor allem die Neuzugänge sein, die den Charakter der Blau-Weißen offenbar nachhaltig geändert haben. Typen wie beispielsweise Bentaleb und Stambouli waren bislang rar beim FC Schalke, sie haben die Mentalität dieser Mannschaft grundlegend modifiziert. Anstatt mit sich und der Welt zu hadern, wird auf einmal wieder – man mag es kaum glauben – gekämpft.

Das Warten auf den Ball - Bilder vom Schalker Sieg in Nizza

Natürlich war nicht alles glänzend an der so schillernden Riviera, das wusste auch Heidel. Nachdem es nach einer Stunde des Rackerns aufgrund mangelnder Chancenverwertung immer noch nichts war mit einem Tor, hätte der Sportvorstand fast medizinische Hilfe in Anspruch genommen: „Da braucht man schon Herztropfen, schließlich kann auf der anderen Seite ja immer einer reingehen“, sagte der noch sehr jugendlich wirkende 53-Jährige.

Spaziergänger Balotelli

Am Spielfeldrand malte sich Heidel bereits die Schlagzeilen des nächsten Tages aus, die seinem Wohlbefinden ebenfalls nicht zuträglich geworden wären. „Da spielst du 0:0 in Nizza und holst einen Punkt, aber es heißt: 'Schalke hat immer noch kein Tor geschossen'“, mutmaßte der S04-Manager angesichts der Tatsache, dass die Mannschaft in der Bundesliga bislang punkt- und torlos dasteht.

Doch diese Diskussion dürfte am Donnerstagabend an der Côte d’Azur beendet worden sein. Dank des Treffers von Abdul Baba in der 75. Minute und einer Glanzparade des bis dahin recht arbeitslosen Schalke-Keepers Ralf Fährmann, der kurz vor Schluss noch einen Schuss von Mario Balotelli abgewehrt hatte. Ansonsten war von Nizzas Superstar nur wenig zu sehen. Heidel fasste dessen Vorstellung recht passend zusammen, als er meinte: „Er ist öfter mal spazieren gegangen.“

Den guten und vor allem erfolgreichen Auftritt in Südfrankreich wollen die Schalker nun auch in der Bundesliga versilbern. Am Sonntag (17.30 Uhr) steht die nächste Partie bei Hertha BSC an, dem aktuellen Tabellenzweiten. Doch bange ist den Schalkern vor dieser Aufgabe nicht, nachdem sie in Nizza die Tendenz bestätigt haben, die sie bereits im Spiel gegen Bayern München an den Tag gelegt haben. Heidel, Manager des aktuellen Vorletzten der Liga, sagte vor dem Duell mit dem Tabellen-Zweiten: „Wir wollen uns annähern.“

Quelle: wa.de

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