Werdohler Traumtor statt Spielabbruch

+
Schiedsrichter Björn Sauer entschied sich, das Gastspiel der FSV in Hünsborn nicht abzubrechen. Nach der zweiten Unterbrechung erzielte die FSV dann den Siegtreffer.

Hünsborn - Ein einziges Wort erstickte alle Fragezeichen im Keim, ein verständnisloser Blick alle Diskussionen. „Klar“, antwortete Trainer Manuel Sander nach dem 1:0-Erfolg des Fußball-Landesligisten FSV Werdohl bei RW Hünsborn am Sonntag auf die Frage, ob es in Anbetracht des Wetters und der daraus resultierenden Platzqualität richtig gewesen sei, die Partie wieder anzupfeifen.

Ziemlich genau 30 Minuten hatte Schiedsrichter Björn Sauer abgewartet, ob das Gewitter – und nach Möglichkeit auch der Starkregen – an der Rheinauer Straße sich legen würden. Diese Frist sieht das Regelwerk für solche Fälle vor. Danach hätte der Unparteiische auch auf Spielabbruch entscheiden können, wenn er den Platz für unbespielbar befunden hätte.

Das aber tat der Unparteiische nicht. Sehr zum Gefallen der Werdohler und von Sander. „Wir wollten nicht noch einmal hierher kommen“, sagte der Coach, der vielleicht auch ahnte, dass seine Elf am Ende den längeren Atem haben würde.

Dass das Geschehen in Hünsborn auf beiden Seiten vor allem vor der langen Gewitterunterbrechung zuweilen eine überaus zähe Angelegenheit war, störte den FSV-Coach nicht im Geringsten – und veranlasste ihn schon gar nicht, die Qualität der Partie zu kritisieren. „Man kann nicht gleich davon sprechen, dass das Niveau schlecht ist. Beide Teams haben defensiv gut gearbeitet. Dann gibt es eben mal ein paar Torchancen weniger.“

Wenig Chancen, aber trotzdem viel Aufregung gab es dann auf dem mit Wasserlachen übersäten Kunstteppich, als das Unwetter weitgehend abgeklungen war. Von regulären Bedingungen konnte zwar keine Rede mehr sein, weil der Ball mehr schwamm als rollte. Auf seine Kosten kam das Publikum aber trotzdem. Weil der in seiner Intensität unnötig rabiate Schubser von Hünsborns Marius Strunk vom Referee als Tätlichkeit – und darum einer Roten Karte – bewertet wurde. Weil die FSV die daraus resultierende Überzahl dazu nutzte, Dauerdruck auf das RW-Gehäuse aufzubauen. „Die Bedingungen waren holprig, aber wir haben sie angenommen“, lobte Sander seine Schützlinge.

Der Lohn war die 87. Minute, als Rejhan Zekovic seinem rechten Fuß ein echtes Geschoss entlockte, gegen das Schlussmann Tobias Wurm machtlos war – 1:0 für die FSV, der zweite Sieg im dritten Punktspiel. „Traumtor“, kommentierte Sander, der sich darin bestätigt sah, die Sinnfrage fernab aller chaotischen Umstände nicht zu stellen. Wer sie trotzdem aufwarf, bekam die nächste entwaffnend simple Antwort des Trainers: „Drei Punkte, das war der Sinn.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare