Ironman Frankfurt

Dörmbach: Zittern trotz Klasseleistung

In Frankfurt lief René Dörmbach am Sonntag ein unglaubliches Rennen.

Frankfurt - Der Sonntag war eigentlich sein Tag gewesen, doch ins Bett ging René Dörmbach mit dieser Mischung aus Freude, Stolz und Traurigkeit, bei der die Traurigkeit am Ende alle Euphorie raubt: Der Triathlet des RC Lüdenscheid ‘98 hatte beim Ironman in Frankfurt alles, aber auch wirklich alles herausgeholt und aus seinem Blickwinkel eine Fabelzeit abgeliefert, doch das große Ziel Hawaii? Es war nicht sicher.

Bis zum Montagnachmittag gegen 14.15 Uhr. Da wich die Traurigkeit einer neuen Euphorie. Dörmbach wird auf der Pazifik-Insel dabei sein. Zum zweiten Mal nach 2011. Neun Stunden, zwei Minuten und 59 Sekunden benötigte René Dörmbach in Frankfurt für die 3800 Meter im Wasser, die 180 Kilometer auf dem Rad und die 42,195 Kilometer per pedes. Sportler lesen dies so: 9:02:59! Seine Frankfurt-Bestzeit bisher: 9:26:18. Seine persönliche Ironman-Bestzeit: 9:11:15. 

Dörmbach hat in Frankfurt all das, was er vorher geleistet hat auf dieser Königs-Distanz der Ausdauerspezialisten, getoppt. Er hat seine Topzeiten, die schon echte Topzeiten waren, pulverisiert. Und doch schien es so, als ob der Kampf gegen die Uhr und die enorm starke Gegnerschaft an diesem Tag am Ende ein Kampf gegen Windmühlen gewesen sein sollte. Bis auf den zehnten Platz der Altersklasse 30-34 hatte sich René Dörmbach am Ende noch nach vorne gelaufen. Rang 51 unter allen Startern. Doch in Frankfurt ging es nur um sieben Startplätze für Hawaii in dieser Altersklasse. Sieben Plätze, zehnter Platz – was für ein Drama... 

„Das Rennen war unwahrscheinlich stark besetzt. Die Zeit hätte in den vergangenen Jahren immer gereicht für Hawaii, immer für die ‘Top 5’“, erzählt Dörmbach, „und so haben mir meine Freunde am Sonntagabend vor allem Mitleid gespendet.“ Mitleid nach einer Fabelzeit, der Sport schreibt manchmal seltsame Geschichten. 

2011 nahm Dörmbach schon einmal an der WM auf Hawaii teil.

Gleichwohl blieb die Hoffnung: Würden alle neun vor Dörmbach platzierten Triathleten ihr Startrecht für den Oktober auch wahrnehmen? Es war ein Gang voller Hoffnung, aber auch voller Ungewissheit am Montagmittag in die Tennishalle im Schatten der Frankfurter Eissporthalle, wo die Sieger der Europameisterschaft und der Deutschen Meisterschaft geehrt und die Qualifikanten für die Weltmeisterschaft bekanntgegeben wurden. „Erst hat der Dritte verzichtet, dann der Sechste“, beschreibt der RCL-Athlet die Minuten, in denen die nervliche Anspannung noch einmal ins Unermessliche stieg, „und dann war der Neunplatzierte schon zurück auf dem Flug nach Südafrika.“ Moment der Erlösung. 

„Wir sind alle ausgerastet, haben uns mega-gefreut“, sagt Dörmbach. Adrenalin pur nach dem Adrenalin-Festival schlechthin am Main. Ein müder Körper, in dem einen Tag nach dem sportlichen Kraftakt im Grenzbereich des Möglichen und Machbaren ein absolutes Hochgefühl tobte. 

Und nun? „Entspannen, neue Energie tanken, Urlaub machen“, sagt der Berufsschullehrer. Das ist allerdings nur der erste, kürzere Abschnitt. „Danach wieder trainieren und sparen...“, ergänzt Dörmbach. Im Oktober wartet Hawaii, die nächste ultimative Herausforderung. Die Weltmeisterschaft als Rennen, an dessen Ende das persönliche Gefühl nicht in die Warteschleife muss. Das große Ziel ist erreicht. Im Pazifik wartet nun die Kür...

Das perfekte Rennen am Main

„Ich wusste, dass ich richtig gut trainiert hatte, aber in den letzten Tagen vor dem Rennen kamen dann Halsschmerzen, Schnupfen – vielleicht war es die Nervosität“, sagt Dörmbach. In Frankfurt am Sonntagmorgen war alles aber wie weggeblasen. „Im Wasser habe ich mich sehr wohl gefühlt – die Zeit war super“, sagt Dörmbach über Teil eins des Ironmans. Die 3,8 Kilometer absolvierte er in 51:14 Minuten. 

René Dörmbach am Montagmittag auf der Bühne in der Tennishalle: Es ist geschafft!

Auf dem Rad ging der Frielingsdorfer die Strecke bewusst entspannt an. „Ich wollte nicht wieder nach 120 Kilometern platt sein“, sagt Dörmbach, „und tatsächlich habe ich auf den letzten 30 Kilometern diesmal noch Körner gehabt.“ Die 180 Kilometer schaffte er in 4:55:27 Stunden. Den Marathon zum Ende ging der RCL-Triathlet auch genauso so an wie geplant. Nach den ersten drei Runden hatte er in der finalen vierten, die seine schnellste werden sollte, noch zuzusetzen, kassierte noch vier Läufer seiner Altersklasse und schob sich mit einer Marathonzeit von 3:10:31 Stunden auf den zehnten Platz der Altersklasse 30-34 vor. 

Endzeit: 9:02:59 Minuten Der Rest war Warten und Zittern um Hawaii – mit Happyend.

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