4. Lüdenscheider Schachtage

"Alles geht über die Begeisterung"

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Will Begeisterung wecken: Sebastian Siebrecht.

Lüdenscheid - Der Gedanke, mit Schachwochen in große Einkaufscenter und mithin in die breite Öffentlichkeit zu gehen –er reifte beim Essener Großmeister Sebastian Siebrecht schon im Jahr 2009. „Ich hatte mich gerade auf Grundschulschach spezialisiert“, sagt Siebrecht, „und dann habe ich mit den ECE-Centern einen starken Partner gefunden. Los ging es in Essen, dann in ganz NRW und nun deutschlandweit…“

2012 fand die erste Schachwoche in Essen statt. Im Februar 2013 war Siebrecht mit seinem Team erstmals in Lüdenscheid zu Gast – es war überhaupt erst die zweite Schachwoche. Seit Dienstag und noch bis zum Samstagabend heißt es im Stern-Center bereits zum vierten Mal „Faszination Schach“. Es ist seit Beginn die 24. Schachwoche dieser Art. „Ich habe zwischen vier und 92 Jahren schon alle Altersstufen dabei gehabt in den Centern“, sagt Siebrecht, „es gibt die, bei denen wir erstmals das Feuer fürs Schachspiel frisch entfachen – und die, bei denen wir das Interesse nach einer längeren Pause wieder wecken. Auf jeden Fall sollen die Vereine vor Ort profitieren.“ 

Siebrecht selbst ist eine Art Tausendsassa des Schachsports. Während sich viele Aktive nur auf ihre eigene Karriere konzentrieren und eher introvertierte Eigenbrötler sind, hat Siebrecht sich immer als Botschafter in Sachen Schach verstanden. In seinen Grundschul-Projekten lebt er auf, aber auch als Kommentator der Dortmunder Schachtage zum Beispiel, wenn er auch in diesem Jahr im Juli wieder live vor Ort die Partien der Super-Großmeister aus der ganzen Welt fürs Publikum bewertet. Selbst hat Siebrecht lange in der Bundesliga für die SF Katerberg in Essen gespielt. 

In den Schachwochen hat der 2,02-Meter-Hüne eine ganz klare Priorität. „Die Schulprojekte sind das Herzstück“, sagt er, „die Idee des Ganzen ist ja, Kids mit dem Schachspiel in Verbindung zu bringen, ihnen die Faszination des Spiels mit all seinen Facetten zu vermitteln.“ Deshalb ist das Programm so vielfältig. Simultanschach, Konditionsschach, Freischach mit den Großfiguren, Blitzschach, auch Handicapschach und Schach mit dem Computer – all das gibt es bei den Schachwochen. Der Erfolg gibt Sebastian Siebrecht recht. „Der Springer oder Turm als Urtypen des Spiels – dafür haben die Kinder eine Antenne“, sagt er, „und ich bin für sie so ein bisschen der Märchenonkel, der ihnen davon erzählt. Ich bin der, der ihre Begeisterung wecken muss. Alles geht über die Begeisterung.“ Wenn der Essener dann von leuchtenden Kinderaugen erzählt, davon, dass die Schulgruppen nach den 90 Minuten gar nicht wieder zurück wollen in die Schule, sondern weitermachen, dann leuchten auch Siebrechts Augen. 

Schach als pädagogisches Hilfsmittel

„Schach als pädagogisches Hilfsmittel – das wissen auch die meisten Schulleiter zu schätzen. Schach holt die Kinder runter, lässt sie ruhig werden, lehrt ihnen vorausschauendes Denken und vermittelt Lösungskompetenz“, sagt der Chef der Lüdenscheider Schachtage, „wenn die Kids dann mal einen Erwachsenen schlagen, dann macht sie das besonders stolz.“ Für zwölf Gruppen aus den Schulen der Region ist an den vier Tagen Platz – die Plätze waren auch diesmal in Lüdenscheid wieder schnell ausgebucht. 

Der Donnerstag war dabei der Tag der Schach-AGs: Sowohl das Anne-Frank-Gymnasium aus Halver mit dem Oberliga-Schachspieler Dirk Jansen als Lehrer und Betreuer als auch die Pestalozzi-Grundschule aus Lüdenscheid hatten an diesem Tag ihre Arbeits-Gemeinschaften – in Lüdenscheid betreut von Eberhard Mayer (SG Lüdenscheid) – geschickt. Gruppen, bei denen Siebrecht nicht mehr bei null anfängt in den 90 Minuten. Eine Schach-AG im Schulbetrieb – dafür will die Schachwoche im Center auch eine Art Katalysator sein.

4. Lüdenscheider Schachtage Tag 3

"Wir wollen die Schulen unterstützen“, sagt Siebrecht, „die Begeisterung wecken und den Lehrern zeigen, wie es weitergehen kann. Mit den entsprechenden Lehrmaterialien. Der Deutsche Schachbund hat einen Methodenkoffer entwickelt, den wir auch vor Ort dabei haben. Da findet sich alles, um die Projekte weiterzuführen. Wir wollen diese Schach-AGs ganz bewusst fördern.“ Die Jungen und Mädchen hätten wohl – gemessen an ihrem Spaß auf der Center-Bühne – nichts dagegen. Im Gegenteil. Die „Faszination Schach“ in die Schulen zu tragen. Das liegt nun am Lehrpersonal vor Ort, die Schachtage im Stern-Center haben hierfür zumindest einen Anstoß gegeben.

Siebrechts 27:0-Bilanz im Simultanmatch

Der dritte Tag der Schachwoche im Lüdenscheider Stern-Center brachte das bisher am stärksten besetzte offene Blitzturnier und eine imposante Simultan-Vorstellung: Großmeister Sebastian Siebrecht kam am Nachmittag im Kampf „einer gegen alle“ mit einer blütenweißen Weste durch alle 27 gespielten Partien, bezwang dabei unter anderem den aktuellen Sauerlandmeister Marc Schulze (SvG Plettenberg), aber auch das große U16-Talent Alex Browning (MS Halver-Schalksmühle) und Dimitrios Lanaras (SF Neuenrade), der am Tag zuvor gegen IM Georgios Souleidis den einzigen Sieg gefeiert hatte. 

Beim anschließenden Blitzturnier setzte sich wie am Vortag Marc Schulze ohne jeden Verlustpunkt vor dem Sauerland-Blitzmeister Alex Browning durch. Den dritten Platz teilten sich Dimitrios Lanaras (Neuenrade) und Klaus-Peter Wortmann, Fünfter wurde Helmut Hermaneck vor Pornchai Ertelt (alle MSHS). Das B-Finale gewann Georg Mayer vor Karl-Heinz Blasweiler. Für den Center-Cup am Samstag qualifizierten sich Browning, Wortmann und Hermaneck – die übrigen Spieler waren schon vorher „durch“ gewesen. Heute geht es im Stern-Center weiter. Nach dem Schultraining folgt ab 16.30 Uhr ein Simultanmatch mit IM Georgios Souleidis und WIM Mara Jelica, danach wird ab 18.30 Uhr geblitzt. J TM/Foto: Machatzke

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