Ein Leichtathlet aus Leidenschaft

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Uwe Rath beim Diskuswurf: Der 80-Jährige trainiert regelmäßig auf dem Sportplatz Wiblingwerde und gehört bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren inzwischen zu den „Stammgästen“.

Wiblingwerde - Wenn nichts dazwischen kommt, packt Uwe Rath dienstags und freitags seine Sporttasche und macht sich auf den Weg zum Training. Auf dem Sportplatz Wiblingwerde wirft er mit seinen Vereinsfreunden vom TV Wiblingwerde Speer und Diskus oder stößt die Kugel – und das schon seit vielen, vielen Jahren. Der gebürtige Lübecker ist Leichtathlet aus Leidenschaft, nahm erst vor knapp zwei Wochen – und zum wiederholten Mal – an den Deutschen Meisterschaften der Senioren teil. Uwe Rath ist 80 Jahre alt. Nein, 80 Jahre jung.

Knapp 1300 und damit fast 200 Sportler mehr als im Vorjahr waren es, die am zweiten Juli-Wochenende bei der Senioren-DM im thüringischen Leinefelde um Edelmetall sprangen, warfen, stießen oder liefen. Nach Angaben des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ist aber nicht nur die Zahl der DM-Starter gestiegen, auch in den Vereinen sei die Zahl der aktiven Senioren allein in der Altersklasse 60 plus in den vergangenen zehn Jahren um fast 30 000 gewachsen. Eine Entwicklung, die den DLV und natürlich auch die Vereine erfreut. Die Senioren-Leichtathletik befindet sich im Aufwind.

Vertreten war der Kreis Lüdenscheid in Leinefelde durch Dirk Maximowitz (LG Halver-Schalksmühle) und durch das Wiblingwerder Trio Gertraud Rüsch, Uwe Rath und Lothar Dresel, der in der Altersklasse M65 mit 40,07 Metern im Speerwurf Silber gewann. Uwe Rath stellte sein Können im Speerwurf ebenfalls unter Beweis, warf das Sportgerät auf gute 25,61 Meter und wurde Fünfter der Altersklasse M80. Die Platzierung war für den Wiblingwerder dabei nebensächlich. „Gerade im technischen Bereich herrscht eine tolle Kameradschaft. Wir freuen uns über gute Leistungen des anderen. Es ist nicht entscheidend, wie man abschneidet. Für mich und viele andere Senioren ist entscheidend, dass man sich füreinander interessiert. Das Schönste ist doch, dass wir uns bei solchen Wettkämpfen wieder sehen“, sagt Rath, den seit mehr als 30 Jahren „eine reine Sportkameradschaft“ zu Manfred Kern aus Weißig bei Dresden verbindet. Kern (Jahrgang 1935) holte in Leinefelde Silber – und Uwe Rath freute sich mit ihm.

Natürlich, sagt der Wiblingwerder, hätten Senioren-Leichtathleten einen gesunden sportlichen Ehrgeiz, „die Jüngeren aber noch deutlich mehr als die Älteren.“ Deutsche Meisterschaften wie jüngst in Leinefelde hätten einen familiären Charakter – und die erbrachten Leistungen seien quer durch alle Altersklassen zum Teil enorm bis herausragend. „Allein in meiner Altersklasse gibt es erhebliche Unterschiede. Lothar Huchthausen hat in Leinefelde in der M80 dominiert. Lothar ist ein ganz sympathischer Kerl und erkundigt sich immer, wie es einem geht“, sagt Uwe Rath über den ein Jahr älteren Deutschen Meister, der den Speer in Thüringen auf eine stolze Weite von 41,86 Meter jagte.

In jüngeren Jahren warf Uwe Rath den 800-Gramm-Speer mehr als 46 Meter weit, heute schafft er dank regelmäßigen Trainings mit dem 400-Gramm-Speer immer noch gute 25, 26 Meter. Angefangen mit der Senioren-Leichtathletik hat Rath vor 40 Jahren beim TV Wiblingwerde, war aber auch schon zuvor sportlich unterwegs. Als Fußballer feierte er in Lübeck einige Erfolge, spielte aber auch mit Begeisterung Handball und Tischtennis, ging zum Geräteturnen und begeisterte sich eben auch für die technischen Disziplinen in der Leichathletik. Diese Begeisterung hält bis heute an – und das regelmäßige Training hält ihn fit.

Ans Aufhören denkt der hochsympathische Wiblingwerder, der bereits an drei Welt- und zwei Europameisterschaften der Senioren teilnahm und zudem einige Male Westdeutscher bzw. Westfälischer Meister gewesen ist, daher nicht: „Ich mache Leichtathletik aus Freude am Ganzen. Ohne den Sport würde mir etwas fehlen.“

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