Spannende Arbeitswoche bei der Ringer-EM

Sehr zufrieden: Dr. Theo Steinacker.

LÜDENSCHEID – Für Dr. Theo Steinacker, Leitender Arzt der Sportorthopädie im Sportkrankenhaus in Hellersen, ist der Alltag zurück gekehrt. Eine Woche lang hat er zuletzt seinen angestammten Arbeitsplatz in Hellersen gegen einen anderen Arbeitsplatz – in der Dortmunder Westfalenhalle – getauscht. Steinacker, seit 20 Jahren Verbandsarzt der Deutschen Ringer, war bei der Europameisterschaft im eigenen Land gefordert – als Arzt, aber auch als Koordinator der gesamten medizinischen Versorgung am Wettkampfort.

„Allein an der Matte waren immer zwei Ärzte vorgeschrieben, dazu kommen drei Ärzte für die Voruntersuchungen“, erklärt Steinacker. Hilfe erhielt Steinacker vor allem von den Teamärzten aus den Ringer-Hochburgen. „Alles ist sehr gut gelaufen, von der Organisation her gab es keine Probleme“, sagt Steinacker, der die besondere Atmosphäre der Titelkämpfe in der altehrwürdigen Westfalenhalle genossen hat. „Der Weltverband war so zufrieden, dass er vorgeschlagen hat, man solle sich auch einmal für die Ausrichtung einer WM bewerben“, sagt Steinacker, „das ist doch erst einmal ein sehr positives Echo.“

Steinackers Arbeitswoche hatte viele Facetten. An den beiden Wettkampftagen der Frauen betreute er selbst das deutsche Nationalteam. Daneben gab es eine Menge zu organisieren, hielt er vor Lehrern einen Vortrag zum Thema „Ringen als Schulsport“ und nahm an der Präsidiumssitzung des Verbandes teil. Es war eine sehr voll gepackte Woche, aber eben auch eine sehr interessante.

„Die Ringer haben die Woche gut genutzt, um für sich zu werben“, sagt Steinacker, „der Zuschauerzuspruch war gut, die Stimmung auch. Die sportliche Bilanz hätte natürlich noch ein bisschen besser sein können, aber gerade bei den zuletzt so guten Griechisch-Römisch-Ringern hat es leider nicht so geklappt.“

Zwei Bronzemedaillen gab es fürs deutsche Team – immerhin. Bitter war, dass Medaillenhoffnung Alexandra Engelhardt aufgrund einer Schulterverletzung ihre Hoffnungen auf Edelmetall begraben musste – da konnte auch der Arzt nicht helfen.

Steinacker, der selbst bis heute als Leichtathlet aktiv und erfolgreich ist, sind die Ringer in den 20 Jahren seiner Tätigkeit, zu der er eher zufällig gekommen ist, sichtlich ans Herz gewachsen. „Auf der Matte kämpfen sie, aber in der Regel sind das alles sehr nette, freundliche Menschen“, sagt er, „die Atmosphäre ist bei den Ringern immer sehr familiär und kameradschaftlich.“ Steinacker betont dies auch, um Vorurteilen gegen die Sportart, die in Deutschland inzwischen ein Schatten-Dasein führt, entgegenzutreten. Bei der EM in Dortmund standen zwar in der vergangenen Woche viele TV-Kameras, wurde jeder Kampf aufgenommen. Übertragen wurde aber eher nach Aserbaidschan als in den öffentlich-rechtlichen Programmen im eigenen Land. Schade eigentlich.

Thomas Machatzke

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