Arnaud J. Petit ist die Stimme des Balve Optimum

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Balve - Der Reiter hat sein Pferd, der Parcoursbauer die Hindernisse, und Arnaud J. Petit besitzt als wichtigstes Handwerkszeug seine Stimme. Der gebürtige Luxemburger ist Moderator – oder auch Sprecher – auf dem Balve Optimum und ist vielen Gästen mehr durchs Hören als durchs Sehen bekannt.

Und obwohl Arnaud Petit die meiste Zeit eines Turniers auf seinem Sprecherplatz im Richterturm verbringt, legt er viel Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild. „Ein gepflegtes Auftreten ist ein Muss.“ Da ist es ihm schon fast unangenehm, dass er am Freitag ohne Krawatte auf dem Turniergelände erschien. „Ab Samstag ist die aber dabei“, sagt Petit hinsichtlich der zwei noch ausstehenden Tage im Orletal. 

Schließlich sei sein Job nicht ausschließlich an seine Stimme gebunden. Gerade auf größeren Turnieren bringe sein Beruf auch eine repräsentative Aufgabe mit sich, sei es, wenn Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Adel oder Zeitgeschehen öffentlich auftreten und von Petit interviewt oder angeleitet werden. 

Einige Persönlichkeiten, so verriet es Petit am Freitag im Gespräch mit unserem Portal, habe er so schon kennengelernt. Besonders in Erinnerung blieb ihm Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, den er vor einigen Jahren kennenlernte. „Er ist im positiven Sinne extrem normal“, erinnert sich Petit. 

"Der Junge mit der größten Klappe"

Der Grundstein für seinen späteren Beruf als Sprecher wurde schon früh in Petits Leben gelegt. „Ich war 14“, erzählt Arnaud Petit, „als man mir ein Mikro bei einer Veranstaltung in unserem Verein in die Hand drückte. Der Junge mit der größten Klappe sollte mal moderieren.“ Und weil er sich offenbar so schlecht dabei nicht angestellt hatte, blieb er dabei. 

Nach einer klassischen Gesangsausbildung folgten die ersten Anstellungen auf Reitturnieren. Seit zehn Jahren hat Petit dieselben Kunden. Und seit zehn Jahren kommt er nun auch schon nach Balve. „Dieses Turnier gehört zu den schönsten in Deutschland“, sagt Petit, der auch in Aachen, Stuttgart, Donaueschingen und Frankfurt moderiert. 

Nur eine Handvoll Moderatoren in Petits Größenordnung gibt es in Deutschland. In Balve moderiert er mit drei weiteren Kollegen, jeweils zwei Sprecher teilen sich einen Turniertag ein. Was seine Arbeit ausmacht, sei vor allem die Interaktion mit dem Publikum. „Ich muss spüren, wie das Publikum drauf ist, muss die Stimmung einfangen, ohne selbst unter den Leuten zu sitzen.“

Feingefühl im Umgang mit dem Publikum 

Die Zuschauer zu pushen und anzuheizen komme dabei meist häufiger vor, als sie zu bremsen. Allerdings gebe es auch immer wieder Situationen, in denen Feingefühl gefragt ist. Stürze und Verletzungen kämen vor, beruhigende, erklärende Worte an sein Publikum müsse er dann finden, ohne selbst die Sprache zu verlieren. 

Aber es geht auch andersrum: Vor zwei Jahren bekamen er und Mitglieder der Jury einen Lachanfall während einer Prüfung – und das in Aachen. „Äußerst selten, aber es passiert halt. Da muss man dann mit möglichst geringem Schaden durch.“ Generell aber habe er gelernt, sich und seine Stimme im Griff zu haben, beruhigt Petit schmunzelnd. 

Petit: „Der Großteil des Publikums ist fachfremd. Eigentlich müsste man als Sprecher viel mehr erklären können, denn der Reitsport ist einfach sehr komplex. Dafür aber fehlt in den kurzen Sequenzen einer Prüfung die Zeit. Wir versuchen also, unseren Zuhörern diesen Sport und die Akteure mit den richtigen Worten in kurzer Zeit möglichst nahe zu bringen.“

Balve Optimum: Der Freitag am Schloss Wocklum

Werten dürfe er dabei aber auf keinen Fall. „Wir sind keine Richter oder Reitlehrer, sondern begleiten die Geschehnisse aus Sicht des Publikums.“ Nur manchmal käme es vor, dass er das Sprachrohr der Jury sei, beispielsweise wenn ein Reiter reglementiert werden müsse. 

Einen Pflegetipp für seine beanspruchte Stimme hat Arnaud Petit nicht. Kaffee und Zigarette statt Ingwertee und Honig. „Die hat mir noch nie versagt.“ Viel wichtiger sei die Art des Sprechens: Immer aus dem Bauch heraus.

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