Olympische Spiele in Rio

Nolte: "Habe Historisches erlebt"

Sie kamen aus dem Feiern gar nicht mehr heraus: Mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen avancierten die Sportschützen hinter den Kanu-Rennsportlern zu den zweiterfolgreichsten deutschen Teilnehmern bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Lüdenscheid - Sie kamen aus dem Feiern gar nicht mehr heraus: Mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen avancierten die Sportschützen hinter den Kanu-Rennsportlern zu den zweiterfolgreichsten deutschen Teilnehmern bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Einer, der ganz nah dran war, kommt aus Lüdenscheid: Dr. Stefan Nolte.

Der Chefarzt der konservativen Orthopädie und des Wirbelsäulenzentrums der Sportklinik Hellersen fungierte als betreuender Arzt, speziell als Verbandsarzt des Deutschen Schützenbundes, der mit 17 Aktiven in Brasilien vertreten war. Neuland betrat der 55-Jährige dabei nicht; nach Athen 2004 und London 2012 waren es für ihn persönlich bereits die dritten Olympischen Spiele. Bereits im April konnte er im Rahmen eines Weltcups die Wettkampfstätten vor Ort begutachten („Das ist so üblich im Vorfeld von Olympischen Spielen“), äußerte sich schon damals sehr positiv: „Die Anlage ist hervorragend, hat absolutes Spitzenniveau.“ 

Auch die Befürchtungen, dass der Transfer vom Olympischen Dorf zur Luftlinie rund 25 Kilometer entfernten Wettkampfstätte ein langwieriger sein könnte („Durch die Stadt hätten wir bestimmt zweieinhalb Stunden gebraucht“), bestätigten sich nicht: Eine große Verbindungsstraße war rechtzeitig fertig geworden, binnen einer halben Stunde war der Schießstand mit dem Bus erreicht. 

Begonnen hatten die Wettkämpfe für die Schützen allerdings eher unglücklich, denn mit dem Luftgewehr verpasste Barbara Engleder in der ersten Entscheidung der Sommerspiele überhaupt eine schon sicher geglaubte Medaille, musste letzlich mit Rang vier Vorlieb nehmen. „Glücklicherweise hat dann Monika Karsch wenig später mit der Sportpistole direkt Silber geholt. Und diese erste Medaille hat für große Erleichterung gesorgt, den Druck von der Mannschaft genommen. Fortan lief es dann wie am Schnürchen, hat sich ein unglaublicher Teamspirit eingestellt“, durfte Nolte weitere Medaillen von Engleder (Gold im Dreistellungskampf), Henri Junghänel (Gold KK liegend), Christian Reitz (Gold Schnellfeuerpistole) und Lisa Unruh (Silber im Bogenschießen) live verfolgen und bejubeln. 

„Diese Bilanz ist gigantisch, ja historisch. Denn es ist das beste Resultat, das der Deutsche Schützenbund jemals bei Olympischen Spielen erzielt hat. Fast untergegangen ist da, dass wir auch noch einige vierte, fünfte und sechste Plätze erzielt haben. Das nochmals zu toppen, halte ich für nahezu ausgeschlossen“, ist Nolte ausgesprochen glücklich, diese Höhepunkte miterlebt zu haben, wozu auch ein rauschendes Fest zum Abschluss der Schießwettbewerbe im Deutschen haus gehörte. Tolle Erfahrungen im Olympischen Dorf Für ihn selbst sind die Tage in Rio äußerst arbeitsreiche gewesen. „In der Regel ging es zwischen 6 und 6.30 Uhr zum Frühstück, dann vom Olympischen Dorf zum Schießstand, wo die Wettkämpfe zwischen 8.30 und 9 Uhr begonnen haben. Und da bei den Schützen im Gegensatz zu anderen Sportarten jeden Tag Entscheidungen anstanden, waren wir auch erst abends wieder zurück.“ 

Plagen sich Schützen in der Regel durch die Zwangshaltung im Anschlag meist mit Rücken- und Schulterproblemen herum, so kam diesmal auch eine Krankheitswelle hinzu. „Draußen war es sehr warm, in der Mensa und auch in den Bussen hingegen sehr, sehr kühl. Von daher hatten wir sehr viel mit Erkältungen, Bronchitis und Fieberfällen zu tun“, musste Nolte miterleben, wie sich sein Medikamentenkoffer im Eiltempo leerte. Nimmt man die üblichen Massagen sowie die psychologische Betreuung dazu („Man glaubt gar nicht, was diese fünf Ringe eine Wirkung auf die Psyche der Sportler haben, das ist wirklich ein ganz besonderer Wettkampf. Aber mit der Zeit kennt man die Sportler, weiß, was jeder einzelne für eine Ansprache oder Aufmunterung braucht“), blieb für Nolte und die weiteren Ärzte des Teams nicht viel Zeit für anderweitige Beschäftigungen. 

„Sightseeing war überhaupt nicht drin, ich habe einmal Entscheidungen bei den Schwimmern gesehen und unseren Topgolfer Martin Kaymar auf dessen Schlussrunde verfolgt. Dafür aber möchte ich die Erfahrungen im Olympischen Dorf nicht missen. Mit welchen aktuellen und ehemaligen Spitzenspielern man da ganz zwanglos abseits des Wettkampfgeschehens ins Gespräch kommt, ist großartig“, so Nolte, der auch die für ihn überzogene Kritik an so manchen Mängeln im Dorf nicht nachvollziehen konnte: „Natürlich ist da mal ein Leck oder ein Rohrbruch zu beheben. Aber das sind Dinge, die auch in Europa oder Amerika vorkommen können und letztlich kein großes Problem darstellten.“ 

Ob es für ihn weitere Olympische Sommerspiele geben wird (die nächsten finden 2020 im japanischen Tokio statt), steht noch in den Steren, die Bereitschaft aber ist da. Nolte: „Wenn ich weiterhin die Unterstützung der Sportklinik habe, die außergewöhnlich ist, wofür ich mich auch immer wieder nur bedanken kann, würde ich das sehr, sehr gerne noch einmal erleben.“

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