Lokalmatadore erweitern ihre Titelsammlung

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Altena - Harte Kerle, starke Frauen und eine Flut an neuen Rekorden – bei der Weltmeisterschaft der World Powerlifting Federation (WPF) im Kraftdreikampf, Bankdrücken und Kreuzheben ließen knapp 180 Kraftsportler am Wochenende in der Sauerlandhalle die Muskeln spielen und gingen körperlich teilweise ans Limit.

Stimmungsvoller Höhepunkt des dreitägigen Kräftemessens war aus Sicht des ausrichtenden Kraftsportvereins (KSV) Altena der Auftritt der eigenen Athleten beim finalen Kreuzheben. Vor fast vollen Rängen verteidigten die Burgstädter am Sonntagnachmittag einige Titel und sorgten mitunter für Gänsehaut-Atmosphäre.

„Kompliment an den KSV. Die WM war toll organisiert und die Halle perfekt“, sagte Gerhard Holleitner, Der Österreicher ist Präsident des European Powerlifting Congresses, der als europäischer Dachverband der Kraftdreikämpfer anerkannt ist, und ging beim Championat im Lennetal selbst an den Start. „Ich habe schon viele Wettkämpfe erlebt. Die Bedingungen hier in Altena waren hervorragend“, betonte der Wiener.

Ob Niederländer, Franzosen, Polen, Briten, Russen oder Armenier – die Leistung jedes Athleten wurde von den Kiebitzen mit Applaus honoriert. Richtig laut aber wurde es, als die Lokalmatadoren beim Kreuzheben zur Tat schritten. Ein erstes ganz dickes Ausrufezeichen setzte Hicham Bouchantouf. Der KSV-Athlet zog in der Klasse bis 75kg im zweiten Versuch stolze 280kg und damit Weltrekord. Im dritten Versuch legte der 26-Jährige weitere 2,5kg drauf und verbesserte nochmals seine eigene Bestmarke.

In der Gewichtsklasse bis 140kg zog Tim Müller 290kg locker, scheiterte dann aber im dritten Versuch an der 300-kg-Marke. Mangels Konkurrenz war ihm der Titel aber nicht zu nehmen.

Apropos Konkurrenz: Die gab es aufgrund der diversen Gewichts- und Altersklassen, aber auch wegen fehlender Starter von anderen Kontinenten eher selten. Der Begriff des Weltmeisters fand daher auch fast schon inflationäre Verwendung.

Um seinen Titel fighten musste aber der Altenaer Fabian Wohlan in der Klasse U19 bis 82,5kg. Mit 185kg behauptete sich der 15-Jährige, dessen Schwester Anna (13) als jüngste WM-Teilnehmerin bereits am Freitag den Titel gewann, vor Dennis Glok, der 172,5kg zog. Alexander Mittag (34), der schon beim Aufwärmen etliche Gewichte nahezu spielerisch bewegte, zog 265kg – ohne mit den Wimpern zu zucken.

„Die Leistungen meiner Jungs waren alle spitze. Besonders gefreut habe ich mich aber über den Auftritt von Patrick Nyberg und Patrick Krüdewagen. Sie haben in den vergangenen Monaten extrem hart an sich gearbeitet und sich hier den verdienten Lohn abgeholt“, sagte KSV-Trainer Marcus Glock über seine Titelträger. Nyberg zog in der Klasse bis 82,5kg mehr als das doppelte seines Körpergewichts (185kg), der 18-jährige Krüdewagen knackte in der Klasse bis 125kg die 200-er-Marke.

Ebenfalls erfolgreich für den KSV am Start waren Patrick Keitsch, Sascha Schulz, Sebastian Scholle und Sebastian Pilia. Letztgenannter ist Polizeikommissar in Altena und nutzte die Amateur-WM in der Burgstadt auch als Vorbereitung auf die World Police and Fire Games 2017. Bei dieser sportlichen Großveranstaltung, die alle zwei Jahre ausgerichtet wird, handelt es sich um Weltsportspiele für Angehörige der Polizeien, der Berufsfeuerwehren sowie der Justiz- und Zollverwaltungen. Für den WM-Titel reichte es für Pilia am Sonntag aber nicht. Der 23-Jährige musste sich in der Gewichtsklasse bis 82,5kg hinter Vereinskamerad Patrick Nyberg einreihen.

Glückliche Kraftpakete (auch weibliche) und neue Rekorde gab es bereits am Sonntagvormittag beim Bankdrücken. Einen neuen WPF-Rekord stellte unter anderem Michael Winklareth aus Ennepetal in der Klasse bis 90kg auf. Der 60-Jährige drückte die 167,5kg locker flockig und avancierte aufgrund seiner emotionalen Ausbrüche schnell zum Liebling der Zuschauer.

Die Pausen zwischen den Wettkämpfen nutzten die Athleten zum Quatschen und Klönen. „Der Umgang miteinander ist eigentlich immer ein freundschaftlicher. Alter und Herkunft spielen überhaupt keine Rolle“, sagte Marcus Glock, dem am Sonntagabend nach drei Tagen am Mikrofon die Stimme komplett versagte. Angestoßen auf eine gelungene Weltmeisterschaft wurde am Ende aber trotzdem ganz sicher nicht mit Kamillentee...

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