SG Schalksmühle-Halver

Stefan Neff und die Qual der Wahl

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Stefan Neff und eine voll Bank: Der Trainer der SGSH hat viele Alternativen.

Schalksmühle - Die Saison beginnt für Handball-Drittligist SG Schalksmühle-Halver zwar erst am 3. September mit dem Gastspiel beim Longericher SC. Das Umswitchen vom Vorbereitungs- in den Meisterschaftsmodus vollzieht sich allerdings bereits Anfang dieser Woche. Auch wenn am Sonntag noch ein letzter Test – die Generalprobe gegen den Oberliga-Vizemeister VfL Gladbeck – wartet (15 Uhr, Löh), geht es jetzt darum, den Rhythmus für die Meisterschaft zu finden. Die Vorbereitung ist beendet. Eine Bestandsaufnahme.

Zehn Testspiele waren es, neun davon hat die SGSH gewonnen, sieben davon gegen Oberligisten, eines in beeindruckender Manier gegen den allerdings an diesem Tag recht müden Zweitligisten TV Emsdetten und eines gegen einen klassengleichen Gegner, den TV Groß-Umstadt, wobei ausgerechnet dieses Kräftemessen gegen lustlose Hessen der größte Scherz der Vorbereitung war. Dass am Ende auch noch eine Niederlage dabei war – das 23:31 gegen Ferndorf –, es passte dem neuen Trainer Stefan Neff gar nicht so schlecht ins Konzept mit Blick auf die Meisterschaft. „Wir können damit gut umgehen“, stellte Neff am Samstag fest – wohl wissend, dass gerade eine perfekte Vorbereitung schon so oft in ein böses Erwachen zum Saisonstart gemündet ist. 

Mehr Wert als die Ergebnisse sind indes die Erkenntnisse einer Vorbereitung, in der die SGSH mit Ausnahme von Linkshänder-Talent Till Miekus (Kreuzbandriss) im Großen und Ganzen von Verletzungen verschont geblieben ist. So steht Stefan Neff vor einem neuen Problem: Er hat personell die Qual der Wahl. In Longerich werden von 16 Spielern des Kaders (nicht eingerechnet: A-Junior Dominik Spannekrebs aus Herdecke) zwei aussetzen müssen. Eine Entscheidung, die Neff nicht ganz leicht fallen wird. 

Im Tor hat Neff das bewährte Gespann, in dem Nicholas Plessers in der Vorbereitung mit Licht und Schatten gehalten hat, Dominik Formella gefühlt etwas die Nase haben dürfte im Rennen um die Nummer eins im Tor. Gerade hinter der 6:0-Abwehr, die das Potenzial hat, zum Prunkstück des Neff-Teams zu werden, ist Formella eine Macht. Gegen Außenwerfer haben dagegen beide Keeper zuletzt nicht gut ausgesehen – hier läuft die SGSH-Defensive Gefahr, gegen starke Drittliga-Außen anfällig zu sein. 

Die Abwehr hat sich robust gezeigt, wobei Routinier Maciej Dmytruszynski im Abwehrzentrum weiter sehr wertvoll sein dürfte und somit einer mittelfristigen Zukunft ohne Spezialistenwechsel entgegensteht, denn auf der anderen Seite hat der polnische Ex-Nationalspieler in der Vorbereitung offensiv keine Rolle mehr gespielt, und daran dürfte sich auch in der Saison nicht viel ändern. 

Natko Merhar (links) und Moritz Eigenbrodt (Mitte) haben auf der linken Außenbahn beide starke Leistungen geboten in der Vorbereitung.

Offensiv hat Stefan Neff viele Alternativen in der neuen Spielzeit. Auf der linken Außenbahn ist Natko Merhar wieder fit und heiß, allerdings ist er auf seiner Position keineswegs fest gesetzt. Moritz Eigenbrodt hat bei seinen Einsätzen ebenfalls einen starken Eindruck hinterlassen, im Gegenstoßspiel war er sogar noch effizienter als der Kroate, weil er im Abschluss kaum Schwächen gezeigt hat. Es ist ein enges Rennen, und mit Florian Ludwig gibt es hier noch einen dritten Akteur, der auch deutliche Fortschritt gemacht hat. 

Im linken Rückraum ist der Königstransfer des Vorsommers, Lutz Weßeling, natürlich Chef im Ring. Ihn hat Neff zumeist neben Spielmacher Alexandre Brüning gebracht. Weßeling hat mit Ausnahme des Spiels gegen Emsdetten eine starke Vorbereitung gespielt und auch defensiv Fortschritte gemacht. Er darf Vollgas geben, denn mit Florian Diehl wartet als Alternative ein Spielertyp, der die Abwehrreihen des Gegners auf ganz andere Art und Weise fordern wird. 

Auf der Spielmacher-Position hat Neff mit Alexandre Brüning und Niklas Polakovs ebenfalls unterschiedliche Spielertypen. Die Variante mit Polakovs auf der Mitte war in der Vorbereitung die torgefährlichere in der Rückraum-Mitte, für Brüning spricht seine Abwehrbegabung – er ist für Neff im Falle einer Umstellung auf ein 3:2:1-System der Mann auf der vorgezogenen Position. 

Einer der Gewinner der Vorbereitung: Julian Mayer.

Auf der rechten Angriffsseite hat sich offensiv vor allem Julian Mayer in den letzten Wochen viel Selbstvertrauen geholt. Mayer war im rechten Rückraum der deutlich torgefährlichere Spieler als Todor Ruskov, wobei der Bulgare in der Defensive ein Eckpfeiler im SGSH-Spiel werden könnte. Offensiv wird Ruskov zulegen müssen, defensiv wartet auf Mayer die Härteprüfung in der 3. Liga – in der Vorbereitung hat er auf der Halbposition gedeckt und dabei zumindest nicht enttäuscht. Auf der rechten Außenbahn ist Jacek Wardzinski aus dem Leistungsloch der Vorsaison wieder aufgetaucht. Hier hat Neff mit ihm und Achim Jansen zwei routinierte Alternativen und keine Sorgen. 

Last but not least hat am Kreis Dominic Luciano nach der Vorbereitung die Nase vorn. Gerade über die zweite Welle sucht die SGSH im neuen Spielsystem immer wieder den Kreisläufer – und dabei hat der lange Gevelsberger einen ebenso guten Eindruck hinterlassen wie im Abwehrzentrum. Malte Müller ist eine gute Alternative, steckte allerdings in den Testspielen in Sachen Abschluss ein wenig im Leistungsloch. Auch er muss sich aber keine Gedanken machen um Spielanteile. Gebraucht wird er vorne wie hinten – und wenn Neff wie so oft in der Vorbereitung mit sieben Feldspielern agieren sollte, sind vorne Müller und Luciano ohnehin beide auf dem Parkett gesetzt.

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