Handball, 3. Liga West

Neffs größte Herausforderung

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Auf der Suche nach einer Lösung für ein schwieriges Problem: Stefan Neff.

Schalksmühle - Eine Nacht und ein halber Tag waren seit der 25:30-Niederlage in Krefeld vergangen, richtig verdaut hatte Stefan Neff, Trainer des Handball-Drittligisten SG Schalksmühle-Halver, sie aber noch nicht. „Wenn der Gegner stärker ist oder einfach einen besseren Tag erwischt hat, kann ich mit einer Niederlage gut leben“, sagte Neff, „mit so einer Niederlage wie in Krefeld aber kann ich nicht gut leben.“

Es ist nicht der Blick aufs Klassement – die SGSH ist nach drei Spieltagen Tabellenneunter –, der Neff Sorgen macht. „Wir haben gegen drei Schwergewichte der Liga gespielt und haben 2:4-Punkte – das ist okay“, stellte er fest, „aber wir waren in keinem Spiel so nah dran, es zu gewinnen, wie in Krefeld. Wie es dann gelaufen ist, das ist einfach nur ärgerlich.“ 

Der Hagener mag in der Sporthalle Königshof der zugleich ärgerlichste und traurigste Mann des Abends gewesen sein. Die Gegner-Analyse hatte Früchte getragen. Anders als in der Vorwoche gegen Leichlingen griff relativ früh all das, was sich Neff ausgedacht hatte. Die SGSH brauchte zehn Minuten, um in die Partie zu kommen. Dann stand die 6:0-Abwehr, dann wurde das Tempo verschleppt und vorne geduldig bis zur Chance gespielt. Die Disbalance der Krefelder zwischen effektiver Angriffs- und Abwehrformation legte die SGSH offen. 

Bis zur 39. Minute spielte die SGSH ihr Spiel, und Krefeld schaute einigermaßen ratlos zu. Es hätte ein Triumph der richtigen Strategie werden können. Dass sich die SGSH dann aber nach der 19:15-Führung selbst um diesen Triumph brachte, es war nicht leicht zu verarbeiten für einen ehrgeizigen jungen Mann wie Neff, der in der Hitze des Gefechts auch gerne mal Schiedsrichter-Entscheidungen kritisiert. Was sich seine Schützlinge indes erlaubten, stieß auf blankes Unverständnis beim A-Lizenzler. „Irgendwann muss man doch mal wieder ruhig sein“, sagte er auf der Pressekonferenz. 

Zehn der letzten 20 Minuten in Unterzahl: „Da kann man die Deckung ja gar nicht mehr groß umstellen“, schüttelte er noch am Sonntag den Kopf. Neff wird nun mit der Mannschaft darüber reden, weshalb die Disziplin verloren ging und mit ihr all das, was vorher passabel bis sehr gut gepasst hatte, vergessen war. Dazu zählten ja nicht nur die Szenen, in denen der eine oder andere den Mund nicht halten konnte. Die Zeitstrafen von Ruskov, Jansen und Wardzinski waren das Ergebnis von Aktionen, in denen im allgemeinen Trubel die Cleverness, das Halten an Vorgaben einfach abhanden gekommen war. 

Wie dringt man in die Köpfe der Heißsporne ein?

Der Blick aufs Detail ist das eine, der Blick aufs große Ganze etwas anderes. „Die Probleme sind nicht neu, Mathias Grasediek hatte sie ja auch schon“, sagt Neff. Neff ist ein Tüftler, der gerne nüchtern auf Dinge schaut und nach Lösungen sucht. Sei es die 3:2:1-Abwehr des Gegners, dessen Tempospiel oder dessen Spielkonzeptionen. Videos schauen, einen Plan entwerfen, einen zweiten Plan in der Hinterhand haben – erfolgreich sein. 

Was aber ist die Lösung für dieses Problem? Als Dominic Luciano vor zwei Wochen in Longerich die Referees darauf aufmerksam machte, dass ein Gegner doch durch den Anwurfkreis gelaufen sei und dafür eine Zeitstrafe verdient habe, bekam die Zeitstrafe Luciano. Nun, zwei Wochen später, war es ein anderer Vorwurf, aber das selbe Prozedere. Luciano gab seine Meinung zu etwas ab, bei dem seine Meinung unerheblich war. Und er musste wieder gehen, schwächte sein Team. Lerneffekt? Keiner. 

Wie erreicht man die Heißsporne und Permanent-Besserwisser auf dem Parkett, zu denen neben Luciano ja einige andere Akteure gehören, Kapitän Maciej Dmytruszynski zum Beispiel oder wie am Samstag Natko Merhar? Stefan Neff hat zum Dienstantritt bei der SGSH verkündet, dass er keine Undiszipliniertheiten dulden werde. Er hat diesen Anspruch am Samstag auf der Pressekonferenz erneuert. Er wird auf die Suche nach Lösungen gehen. Es dürfte eine spannende Woche werden am Löh und an der Mühlenstraße bis zum Heimspiel am Samstag gegen die HSG Lemgo II.

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