Handball, 3. Liga West

SGSH: Bemerkenswerter Premierenabend

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Hielt in der zweiten Hälfte die Deckung zusammen: Todor Ruskov.

Halver - Am Ende stand die Mahnung zur Bescheidenheit. „Wir sollten zufrieden sein und es nicht übertreiben“, sagte am Samstagabend Stefan Neff am Ende seines Spielfazits im Rahmen der öffentlichen Presse-Konferenz. Und die Zuschauer stimmten dem Trainer des Handball-Drittligisten SG Schalksmühle-Halver zu. Sie waren zufrieden mit dem 29:29 gegen den Vorjahresmeister aus Leichlingen. Sie wollten gar nicht übertreiben.

Es war ein bemerkenswertes Ende einer bemerkenswerten Partie. Die Art, wie die SGSH nüchtern die Zeit herunterspielte – sie war so abgeklärt und vernünftig gewesen, und dies in einer Atmosphäre, die alles Mögliche war, aber mit abgeklärt und vernünftig längst nicht mehr viel zu tun hatte. Aber Neff und sein Team blieben cool, hätten sie „Wer wird Millionär gespielt?“ gespielt, es wäre die Variante ohne vierten Joker, ohne Risiko gewesen. „Den Punkt wollte ich eintüten“, sagte Neff später. Die Botschaft war angekommen bei seinen Schützlingen in der Auszeit 23 Sekunden vor dem Ende – sein Team kam nicht mal mehr in die Nähe einer Wurfsituation. 

Dass Wohl und Wehe in derlei Situationen dicht beisammen liegen, weiß die SGSH aus eigener positiver Erfahrung aus der Vorsaison. Die Neusser hatte an der Mühlenstraße mit Ballbesitz 15 Sekunden vor dem Ende das Remis überaus tölpelhaft verspielt, Maciej Dmytruszynski den entscheidenden Gegenstoß ermöglicht. Der Longericher SC hatte am Löh ebenfalls Sekunden vor dem Ende den Ball gehabt beim 32:32 – und dann das Pech, dass die Schiedsrichter sehr schnell auf Zeitspiel entschieden hatten. Auch hier hieß der Sieger SGSH, Moritz Eigenbrodt hatte für die Gastgeber noch das finale Tor zum Sieg erzielt. 

Am Samstagabend aber gab es keinen Torwurf mehr. Remis und Ende – eine Variante, mit der die SGSH nach einem 15:21-Rückstand gegen den Favoriten als angreifendes Team gut leben konnte. Zwei Unentschieden nach den Spielen in Longerich und gegen Leichlingen – Stefan Neff war auf diese Ausbeute „sehr stolz“ am Samstagabend. Wobei die SGSH nach dem doch sehr glücklichen Punkt in Köln nun gegen Leichlingen sehr viel näher an einem Sieg war. 

Als die sechs Tore Rückstand in einer Art Rekord-Aufholjagd schon beim 21:21 (43.) egalisiert worden waren, hatte das Team eigentlich den Rückenwind, mit dem man auch einen müden Meister aus der Halle hätte fegen können. Dass die SGSH am Ende nicht gewann – es lag wahrscheinlich genauso an jenen vielen Kleinigkeiten, die auch ein gewohnt kauziger Frank Lorenzet im Rahmen der öffentlichen Pressekonferenz fürs Verpassen eines Sieges der Leichlinger ins Feld führte. 

Dass zu diesen Kleinigkeiten für Lorenzet die Leistung der Referees gehörte – auch das ist nicht sehr neu. Die Unparteiischen Cefdet und Kenan Kamper hatten in der Tat an der Mühlenstraße in einem schwierigen Spiel nicht immer glücklich agiert. Sie hatten sogar ziemlich oft ziemlich unglücklich agiert. „Viele komische Entscheidungen auf beiden Seiten“, nannte es Stefan Neff. Das traf es wohl. Aber es war eher schon die Stimmung anheizend als spielentscheidend. Und so waren auch in dieser Richtung beide Seiten nach den so intensiven 60 Minuten gut beraten, es am Ende nicht zu übertreiben.

Schönes Wetter und zwei Stadtfeste: Keine gute Kulisse

Der Heimspiel-Koordinator war nicht recht zufrieden nach der Heimpremiere: „Verkauft haben wir heute keine 100 Karten an der Tageskasse“, sagte Holger Kebekus am Samstagabend nach dem 29:29 gegen den Leichlinger TV. Bei der im Zuge der Professionalisierung eingeführten Zählung der Zuschauer, die in die Halle kommen, hatte Kebekus gar nur weniger als 300 „Clicks“ erhalten. Am Ende waren es wohl 400 Besucher an der Mühlenstraße – die Kader der unteren SGSH-Mannschaften und des Nachwuchses eingerechnet. Eine fürs erste Heimspiel dürftige Kulisse. Allerdings war die Konkurrenz auch groß: Stadtfest in Lüdenscheid, Stadtfest in Kierspe, dazu das wunderbare Spätsommerwetter – all das kostete die SGSH gewiss den einen oder anderen Besucher. Diejenigen, die gekommen waren, gingen indes zufrieden nach Hause. Sie hatten einen dramatischen Kampf gesehen. Sie dürften wohl alle wiederkommen...

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