RW Lüdenscheid verliert auch die letzte Instanz im "Fall Firat"

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Hakan Firat (links) ist nach Auffassung des DFB-Bundesgerichts nicht als Vertragsamateur einzuordnen, da die Vereinbarung mit den VSV Wenden nur rudimentäre Elemente eines DFB-Mustervertrags enthält.

Frankfurt - Rot-Weiß Lüdenscheid hat auch den letztinstanzlichen Versuch verloren, vor der DFB-Sportgerichtsbarkeit rückwirkend eine Spielberechtigung für Stürmer Hakan Firat zu erhalten und die Abschlusstabelle der Bezirksligastaffel 5 bis zur zivilgerichtlichen Klärung bzw. bis zum schriftlichen Verzicht auf ein solches Verfahren auszusetzen.

Das entschied das DFB-Bundesgericht unter Vorsitz von Achim Späth (Heilbronn) mit DFB-Beisitzer Oskar Riedmayer und Ex-Profi Florian Gothe (Beisitzer des Ligaverbands) in der vergangenen Woche im schriftlichen Verfahren. Die sportgerichtlich letzte Instanz wies die Revision der Rot-Weißen gegen die vorangegangenen Urteile zurück, brummte den Bergstädtern die Kosten für das Revisionsverfahren auf, darüber hinaus ist auch die Revisionsgebühr von 300 Euro verfallen.

Zwar bestätigt das Bundesgericht, dass die VSV Wenden mit Hakan Firat eine „Vereinbarung“ geschlossen hatten, die Zahlungen über den erlaubten Rahmen der 249,99 Euro beinhaltet, folgt aber der Auffassung des WFLV, dass Hakan Firat trotz dieser Zahlungen nicht als Vertragsamateur einzuordnen ist, da die Vereinbarung mit Wenden nur rudimentäre Elemente eines DFB-Mustervertrags enthält, sondern vielmehr weiter als Amateur anzusehen ist. „Ein einmal mit seiner Zustimmung registrierter Spieler kann nicht dadurch ‘statuslos’ werden, dass er die für Amateure und/oder Vertragsspieler geltenden Regeln nicht einhält“, heißt es in der Urteilsbegründung und weiter: „Verstößt ein Spieler oder sein Verein gegen diese Regeln, zum Beispiel durch die Zahlung überhöhter Zuwendungen für Amateure oder die unterlassene Abführung von Sozialabgaben oder die unterlassene Anzeige abgeschlossener Verträge an den Verband, so sind in den Regelwerken des WFLV und des DFB, z.B. in § 24 der DFB-Spielordnung, dafür Sanktionen vorgesehen, die auch verhängt werden. Für die hier zu entscheidende Frage, ob dem Spieler Hakan Firat ohne Einhaltung der Wartefristen und ohne Rücksicht auf die Wechselbestimmungen sofort die Spielberechtigung zu erteilen war, ist es aber ohne Bedeutung, ob er oder der abgebende Verein Verstöße der dargelegten Art begangen haben. Ein Amateur verliert durch den Aufwendungssatz übersteigende Zahlungen nicht den Amateurstatus, sondern setzt sich einer verbandsrechtlichen Bestrafung aus.“

Damit weist das DFB-Gericht die RWL-Revision in allen Punkten zurück, geht aber davon aus, dass VSV Wenden und Hakan Firat mit ihrer „Vereinbarung“ verbandsrechtliche bestehende Vorschriften für Vertragsamateure umgehen wollten und macht klar, „dass es Sache des WFLV sein wird, den hier ermittelten und festgestellten Sachverhalt in einem neuen Verfahren sportrechtlich zu prüfen.“ Ergo: RWL guckt in die Röhre, Wenden und Hakan Firat müssen mit einem weiteren Verfahren und Bestrafung durch den WFLV rechnen.

Der Fall Hakan Firat:

Stürmer Hakan Firat war Anfang des Jahres von den VSV Wenden zu seinem Ex-Verein Rot-Weiß Lüdenscheid zurückgekehrt, hatte von Wenden auch eine Freigabe erhalten. Da er aber am 9. Januar noch ein Hallenturnier für die VSV bestritten hatte, erteilte die WFLV-Passstelle in Duisburg eine Spielberechtigung für RWL erst zum 1. Juli 2016. Gegen diesen Entscheid legte RWL Beschwerde ein, weil der Bezirksligist die Meinung vertrat, dass Firat in Wenden nachweislich – Kontoauszüge – mehr als die als Amateur erlaubten 249,99 Euro monatlich erhalten hatte, aber dem WFLV kein Antrag vorlag, ihn trotz schriftlicher Vereinbarung zwischen VSV und dem Kicker als Vertragsamateur einzustufen. Daraus schloss RWL-Vorstandssprecher Michael Dregger, dass sich Firat im „statusfreien“, bzw. „statuslosen“ Zustand befunden habe, also nie für VSV Wenden spielberechtigt und stattdessen ab Antragstellung für Rot-Weiß Lüdenscheid spielberechtigt gewesen sei. Dieser Beschwerde half die Verbandsspruchkammer des WFLV in mündlicher Sitzung jedoch nicht ab. Ebenso wurde der Einspruch der Rot-Weißen vom Verbandsgericht des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes im schriftlichen Verfahren zurückgewiesen, so dass RWL Revisionsantrag beim DFB-Bundesgericht gestellt hatte.

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