Fußball-Kreisspruchkammer

Sechs Monate für politische Beleidigung

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Hatte es am Montag mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun: KSK-Vorsitzender Heiko Kölz.

Lüdenscheid - Eine Sperrstrafe von sechs Monaten verhängte die Spruchkammer des Fußballkreises Lüdenscheid am Montagabend in der Gaststätte Friedrichshof in einer Verhandlung gegen einen Fußballer der Türkischen SV Lüdenscheid, der einen türkischen Schiedsrichter auf durchaus unübliche Art und Weise beleidigt hatte.

In diesem Fall ging’s um Vorkommnisse anlässlich des D-Liga-Fußballspiels zwischen dem TSV Oestertal II und dem Türkischen SV Lüdenscheid III am 18. September (8:0). Der türkisch-stämmige Referee Burak Sirin war von einem Akteur des Türkischen SV nach seinen Angaben beschimpft, Brust an Brust angegangen und schließlich auch noch am Kragen gepackt worden, bevor dieser zurückgehalten worden war. Dabei habe ihn der Kicker als „Fetocu“ beschimpft, was der Referee mit „Volksverräter“ übersetzt hatte. 

Genauer erläuterte Ümit Dilmen, Sportlicher Leiter der Bergstädter, den Begriff: „Fetocu“ sei leider nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei im Juli, den die türkische Regierung den Anhängern von Fethullah Gülen anlastet, zum Modewort für einen Gülen-Anhänger mutiert. „Eine solche politische Aussage finde ich schon erheblich schwerwiegender selbst als das hier leider schon gewohnte ‘Hurensohn’“, befand der Kammervorsitzende Heiko Kölz. Aber die Sportrichter zeigten sich auch beeindruckt vom offenen Umgang und freimütigen Geständnis des Beschuldigten („Es hat sich alles genauso zugetragen, wie der Schiedsrichter geschrieben hat. Ich weiß nicht, was an dem Tag in mich gefahren war“). 

Er hatte sich zudem unmittelbar nach Spielende und auch vor der Kammer noch einmal beim Referee entschuldigt. Die Aussage des Schiedsrichters, nicht befürchtet zu haben, geschlagen zu werden, das Akzeptieren der Entschuldigung sowie das Bekenntnis der TSV-Verantwortlichen, den Beschuldigten möglicherweise aus dem Verein auszuschließen und vor allem der 3. Mannschaft kommuniziert zu haben, das Team beim nächsten Vergehen vom Spielbetrieb abzumelden (Dilmen: „Wir legen sehr viel Wert auf Disziplin, Integration und wollen keine negativen Eindrücke erwecken“) taten ein übriges. 

Die Kammer blieb unter dem Strafmaßantrag des Kreisvorsitzenden Klaus Scharf, der acht Monate gefordert hatte, und sperrte den reuigen TSV-Akteur wegen grober Unsportlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter und Beleidigungen unter Anrechnung der vorsorglichen Sperre bis zum Verhandlungstag für insgesamt sechs Monate bis zum 20. März 2017. Alle Parteien akzeptierten das Strafmaß.

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