SCL-Youngster in China

Die Reise in eine fremde Welt

Sightseeing im sportlichen Dress: In Peking besuchten die SCL-Kicker auch einen Abschnitt der Chinesischen Mauer. Der Abschnitt dort ist ca. 600 Kilometer lang.

Lüdenscheid -  Es ist noch ein Weilchen hin: Mit einem Auswärtsspiel beim LTV 61 starten die DI-Juniorenkicker des SC Lüdenscheid am 3. September in der Kreisliga A in die neue Saison. Den Höhepunkt der Vorbereitung haben die Bergstädter indes schon hinter sich – und es war ein außergewöhnlicher: Ab Ende Juli verbrachten 14 Spieler, Trainer, Betreuer und Teile der Eltern zehn Tage in den chinesischen Metropolen Peking und Shanghai mit ihren jeweils mehr als 20 Millionen Einwohnern.

Wie es dazu kam? Seit April gibt es einen zunächst auf drei Jahre begrenzten Kooperationsvertrag zwischen der Jugendabteilung des SCL und der chinesischen Sportagentur „Hansum Sports“, die einen regelmäßigen Austausch von Jugendmannschaften zur Teilnahme an internationalen Turnieren regeln soll. Aus Sicht der Asiaten geht es auch darum, den Nacchwuchsfußball im „Reich der Mitte“ sukzessive zu verbessern. 

„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhörfen soll zu erzählen. Die vielfältigen Eindrücke waren einfach überwältigend, von solchen Erfahrungen kann man noch lange zehren“, zeigte sich Najim Ouhbi nach der Rückkehr schwer beeindruckt. Der 18-Jährige gehörte ebenso wie Hassan El Mourabit dem Trainerteam an, dazu kam Najims älterer Bruder Abi Ouhbi, der maßgeblich am Kontakt zu „Hansums Sports“ und der daraus resultierenden Kooperation beteiligt war. „Schon der Empfang am Flughafen in Peking war unglaublich. Wir sind von einer Delegation empfangen worden, ständiger Begleiter war dann bis zum Weg ins Hotel ein Kamerateam, das pausenlos gefilmt hat. Die Jungs haben sich teilweise gefühlt wie Profis oder Popstars, so eine Aufmerksamkeit wurde uns geschenkt“, so Najim Ouhbi. 

Insgesamt fünf Tage verbrachte der 26-köpfige SC-Tross, der in zwei Gruppen von Düsseldorf via Amsterdam angereist war, in Peking, und gleich am zweiten Tag stand die erste Turnierteilnahme auf dem Programm. „Ursprünglich sollte es zwar ein Großfeldturnier sein, letztlich aber haben wir auf einer tollen Anlage mit sieben Kunstrasen-Kleinfeldern gekickt. Zwei Mannschaften von uns, dazu sechs chinesische, das hat schon Spaß gemacht. Abgesehen von einem Team aus Peking, das in der Gruppenphase einem SCL-Team ein Remis abrang, und im Spiel um Platz drei gar die Oberhand behielt (Ouhbi: „Der Modus war schon ein wenig seltsam, denn normalerweise hätten beide Teams von uns das Endspiel bestritten“) waren die weiteren chinesischen Vertretungen fußballerisch deutlich unterlegen, nichtsdestotrotz aber willig und lernbegierig. So führten El Mourabit und Abi Ouhbi auch abseits des Turniergeschehens Trainerlehrgänge und Übungseinheiten für die Gastgeber durch, und das neu Erlernte wurde direkt umgesetzt. 

Nicht zu kurz kam natürlich auch das Sightseeing-Programm. Der Besuch von Teilen der Chinesischen Mauer, der Verbotenen Stadt, eines Tempels und eines China-Restaurants (gegessen wurde traditionelle Peking-Ente) gehörten ebenso dazu wie abendliche Spaziergänge im großartigen Lichtermeer der Metropole oder das Herumstöbern in einer kleineren, für deutsche Verhältnisse aber noch riesigen Einkaufsmall. „Das Besondere dort war, dass man handeln konnte. Und mit welcher Begeisterung die elf-, zwölfjährigen Kinder das mit Händen und Füßen sowie ein bisschen Englisch gemacht haben, war schon toll mitanzusehen“, so Ouhbi, der total überrascht davon war, was der Einkaufs- „Renner“ für die Spieler war: „Schuhe, und zwar noch nicht einmal Fußball- oder Sportschuhe. Die sind teilweise mit drei Paar Schuhen ins Hotel zurückgekommen.“ 

Was sowohl in Peking als auch später in Shanghai allgegenwärtig war: eine unglaubliche Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und auch Neugier der Bevölkerung. „Es ist für uns ganz banal, mit einer Musikbox auf dem Bürgersteig zu gehen, die Chinesen hingegen kennen so etwas nicht und waren dementsprechend erstaunt. Überhaupt wirst du überall als Ausländer erkannt, die Leute wollten unzählige Mal gemeinsame Fotos mit uns machen, waren dabei aber nie aufdringlich, sondern immer freundlich. Das war schon sehr imponierend“, so Ouhbi, der aufgrund seiner dunklen Hautfarbe besonderes Interesse auf sich zog. Apropos imponierend: So gestaltete sich nach fünf Tagen auch der „Umzug“ von Peking nach Shanghai. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ging es in die bedeutendste Industriestadt Chinas – nach fünf Stunden waren die rund 1320 Kilometer bewältigt. 

Turnier mit acht Mannschaften in Shanghai

Sportlich stand auch hier ein Turnier mit insgesamt acht Mannschaften auf dem Programm – allerdings anders als gedacht. Denn bis auf ein Team aus Shanghai stellten die weiteren sechs Vertretungen Spieler, die durchweg zwei Jahre älter waren. So reichte es für den SCL nach viertägigem Verlauf auf dem Großfeld „nur“ zu Rang drei, ein wenig gewöhnungsbedürftig war laut Ouhbi auch die Organisation: „Bei uns organisiert ein Michael Unger allein ein Hallenturnier für 24 Mannschaften, in Shanghai waren es gleich zehn Organisatoren für acht Teams. Dazu war eine Seite des Rasenplatzes gemäht, die andere nicht. Doch auch an so etwas gewöhnt man sich.“ Andererseits gab es etwas, was Ouhbi auch für Spiele in heimischen Gefilden für nachahmenswert empfand. „Nach jedem Spiel nehmen sich die Spieler einer Mannschaft bei der Hand, verbeugen sich vor dem Gegner und bedanken sich“, könnte sich der 18-Jährige diese Geste des Respekts auch in Deutschland gut vorstellen. 

Einen besonderes guten Draht entwickelten die SCL-Akteure zu der gleichaltrigen Mannschaft in Shanghai, der sie auch „Sense-Bälle“ (Bälle an einer Schnur) zum Aufwärmen als Gastgeschenk überreichte. „Schön war auch mitanzusehen, wie die Spieler beider Mannschaften bei einem gemeinsamen Mittagessen trotz der sprachlichen Barrieren versucht haben zu kommunizieren. Irgendwiehat es zumindest in Teilen geklappt, Spaß hatten wir auf jeden Fall“, so Ouhbi. 

Große Diskrepanz zwischen Arm und Reich

Bei aller Freude, Freundlichkeit und zahlreichen positiven Eindrücken war es für Ouhbi wichtig, dass die Kinder auch mal eine andere Seite Chinas zu sehen bekamen, unter anderem bei einer Stadtrundfahrt mit einem Doppeldecker-Bus: „Die Diskrepanz zwischen Reich und Arm ist auf den Straßen nicht zu übersehen. Hier unfassbar pompöse Gebäude insbesondere von Großfirmen, dort viele Bettler oder Menschen mit körperlichen Behinderungen, auch das sind Erfahrungen, die dazu gehören. Was die Spieler insgesamt erlebt haben, können sie zwar aufgrund ihres Alters noch nicht alles begreifen, aber zusammengeschweißt hat sie diese zehn Tage auf jeden Fall. Dazu gehörte auch, dass Kinder, deren Eltern nicht dabei waren, von uns oder Mitspielern auch mal in den Arm genommen oder getröstet wurden, weil sie Heimweh hatten.“ Und wenn darüber hinaus noch etwas benötigt wurde, wie zum Beispiel eine PlayStation, dann standen gleich sieben Mitarbeiter von Hansum Sports“ (Yi, Liang, Sophie, Maxine, Jennifer, Sebastian, Burey) quasi zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Rat und Tat zur Hilfe.

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