Pokalsieger vom Vogelberg

Beim Endspiel im Schatten des Berliner Olympiastadions war die ganze Familie dabei, um Gianluca Zentler zu unterstützen.

Lüdenscheid - Von den 4500 Zuschauern im Amateurstadion des Berliner Olympiageländes dürften nicht allzu viele hinter Gianluca Zentler und seinen Mannschaftskameraden gestanden haben. Schließlich war der Gegner der A-Jugend von Hannover 96, für die der gebürtige Lüdenscheider spielt, ausgerechnet der Nachwuchs von Hertha BSC Berlin.

Doch auf vier Unterstützer auf den Rängen konnte sich Gianluca Zentler 100-prozentig verlassen. Nach 92 Spielminuten jubelten schließlich die Jugendfußballer aus Niedersachsen – und mit ihnen die gesamte Familie Zentler. Zum Endspiel des DFB-A-Junioren-Vereinspokals, das Hannover mit 4:2-Toren für sich entschied, waren Zentlers Eltern zusammen mit den beiden jüngeren Brüdern an die Spree gefahren, hatten den 96ern die Daumen gedrückt.

„Das war überragend, so ein Spiel hatte ich persönlich noch nie. Eine Riesen-Erfahrung“, meinte der Sauerländer, der 2013 vom Elternhaus am Vogelberg ins Nachwuchsleistungszentrum an der Leine gezogen ist. 77 Minuten lang wirkte Zentler im Junioren-Pokalendspiel mit, ehe der zentrale Mittelfeldspieler ausgewechselt wurde. In der A-Jugend-Bundesliga Nord/Nordost bestritt er 17 Spiele für die Nachwuchsmannschaft aus Niedersachsens Landeshauptstadt, das Team beendete die Serie auf Platz sechs mit 42 Punkten aus 26 Spielen (46:39-Tore). „Wir haben viele gute Spiele gezeigt, aber unsere Leistung nicht konstant auf den Platz gebracht. In den K.o.-Spielen im Pokal waren wir aber immer voll da“, beschreibt der A-Jugendliche die Stärken und Schwächen seiner Mannschaft. Zum Endspiel kehrte Daniel Stendel noch einmal auf die Trainerbank der Hannoveraner A-Jugend zurück.

Stendel nochmals auf der Bank

Der 42-Jährige hatte sechs Spieltage vor Saisonende die bereits abgeschlagene Bundesliga-Mannschaft der 96er übernommen, konnte den Abstieg aber nicht mehr abwenden. Ein Zeichen, wie schnell der Sprung vom Nachwuchs in die Eliteklasse gelingen kann – Stendels Vorgänger Thomas Schaaf hatte Gianluca Zentler zweimal in Freundschaftsspielen des Bundesliga-Teams getestet. Daniel Stendel bringe sehr viel Leidenschaft in seine Arbeit ein, meint der A-Junior über den Coach, der in Hannover das Projekt Wiederaufstieg in Angriff nehmen soll: „Ein Super-Trainer, meiner Meinung nach der beste, den ich in meiner Laufbahn bisher hatte.“ Die Stimmung in Hannover habe durch den Abstieg aus der Bundesliga einen deutlichen Dämpfer erhalten, andererseits sei der Pokalsieg der A-Jugend gerade in den sozialen Medien gefeiert worden. Gianluca Zentler, der in der Jugend des SC Lüdenscheid seine ersten fußballerischen Schritte machte, hat auch für das zweite A-Jugend-Jahr einen Vertrag bei Hannover 96, macht beim Traditionsverein sein Anerkennungspraktikum für das Fachabitur.

Es wird sein letztes Jahr im dortigen Fußball-Internat – Besuche bei der Familie in Lüdenscheid oder früheren Mitspielern wie Jeffrey Boatey (jetzt A-Jugend-Bundesliga in Sprockhövel) sind höchstens einmal im Monat möglich. Doch dafür lebt der DFB-Junioren-Pokalsieger den Traum so vieler Nachwuchskicker: „Das ist mein Hauptziel: mich fußballerisch weiterzuentwickeln und den Sprung zu den Profis zu schaffen.“

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