Christian Maul: „Es war der Wahnsinn“

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Ausgelaugt, aber glücklich: Christian Maul kurz nach seinem Zieleinlauf in Roth.

Roth - Es war der Moment, als die Schmerzen endgültig den Glücksgefühlen wichen. Der Moment, in dem die physischen und mentalen Strapazen der vorangegangen Stunden vergessen waren und nur noch die Freude und der Stolz überwogen. Freude darüber, bei diesem Spektakel dabei gewesen zu sein. Und stolz darauf, es wieder einmal geschafft zu haben. „Es war gigantisch. Unbeschreiblich. Einfach nur Gänsehaut pur“, schildert Christian Maul seine Eindrücke vom Zieleinlauf in Roth. Der Ausdauersportler aus Neuenrade finishte am Sonntag beim legendären Challenge nach 9:43:56 Stunden.

„Im Ziel ist alles von mir abgefallen. Ich war vollgepumpt mit Adrenalin und den vielen positiven Eindrücken. Die Stimmung im Zielstadion, aber auch auf der Strecke war wieder einmal der Wahnsinn. Roth ist und bleibt einmalig“, sagt Christian Maul. Der 46-Jährige benötigte bei der weltweit größten Triathlon-Veranstaltung auf der Langdistanz für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen 9:43:56 Stunden. Eine Zahlenkombination, die ihn sehr zufrieden stellte und die im Gesamtfeld Rang 179 bedeuten sollte. In der Altersklasse M45 reichte diese Zeit für Platz 21.

Als Christian Maul noch etliche lange Kilometer vor der Brust hatte, ließ sich Triathlon-Weltmeister und Hawaii-Sieger Jan Frodeno bereits feiern. Der 34-Jährige stellte beim Challenge mit der Fabelzeit von 7:35:39 Stunden einen neuen Weltrekord über die Langdistanz auf, verewigte sich endgültig in den Geschichtsbüchern seines Sports. „Was Frodeno hier abgeliefert hat, ist wirklich unglaublich. Und das auch noch mit Ansage“, zollt Christian Maul dem König des Triathlons allergrößten Respekt.

Weit mehr als 200 000 Zuschauer in Roth feierten aber nicht nur den Champion der „Eisenmänner“, sondern alle Athleten, die die insgesamt 226,055 Kilometer auf sich genommen hatten. „Der Triathlon wird in Roth gelebt. Die Zuschauer haben jeden einzelnen Sportler angefeuert, waren mit Herz und Seele dabei. Vor allem am Solarer Berg, den wir mit dem Rad rauf müssen, war es ein Hexenkessel. Vor lauter Zuschauern hat man den Berg nicht mehr gesehen. Im Prinzip fährt man in eine Wand von Menschen. Ein Wahnsinn“, beschreibt Maul Szenen, die an Bergetappen bei der Tour de France erinnern.

Technische Pannen sind beim berühmtesten Radrennen der Welt keine Seltenheit – beim Triathlon aber auch nicht. Am Sonntag hatte auch der Ausdauerspezialist aus Neuenrade Probleme mit dem Material, die ihn mindestens fünf Minuten beim Radsplit gekostet haben dürften. „Nach etwa 40 Kilometern ist mir der Schalthebel abgebrochen. Bei Kilometer 100 etwa gibt es aber einen Servicepunkt, an dem der Hebel zum Glück notdürftig repariert wurde“, berichtet der 46-Jährige, der für die 180 Kilometer auf dem Rad 5:06:53 Stunden benötigte. „Ohne die Panne wären es wohl fünf Stunden gewesen. Das stellt mich extrem zufrieden, weil sich hier das gute Training der letzten Monate gezeigt hat“, so Maul. Aber auch mit seinem Schwimmsplit zeigte sich der Hönnestädter einverstanden. Nach 3,8 Kilometern im Main-Donau-Kanal verließ er nach 1:02:26 Stunden das Wasser – „für mich eine super-gute Zeit.“

Zu kämpfen hatte der Neuenrader beim abschließenden Marathon – und zwar auf den ersten 20 Kilometern. „Da ging es mir echt schlecht. Ich habe mich aber überwunden, weiterzumachen. Auf den letzten 20 Kilometern ging es dann deutlich besser, bin ich noch richtig gut gelaufen“, so Maul, der für die 42,195 Kilometer 3:29:39 Stunden benötigte. Auf den letzten Metern im stimmungsvollen Stadion waren die Schmerzen dann verflogen: „Ich habe es nur noch genossen.“

Gefeiert und weiter genossen wurde mit Gattin Yvonne und einigen Freunden aus Neuenrade bei der späteren Finishline-Party. Am Montagmorgen ging es dann ausgelaugt, aber glücklich zurück in die Heimat. Und es wird nicht lange dauern, bis der 46-Jährige das Training wieder aufnimmt. Am 18. September steht schließlich der Ironman Wales auf dem Programm. Maul: „Das ist mein persönlicher Saisonhöhepunkt. Und ich bin jetzt schon total heiß auf diesen Wettkampf.“

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