Wären da nicht Michael Wolfs Vize-Weltmeistertitel im Inlinehockey oder die Verpflichtung von Stürmer Marvin Tepper gewesen, hätte das Thema Eishockey in den letzten Wochen gar nicht stattgefunden.
Man kann sich nicht das Eindrucks erwehren, dass das Schweigen der Iserlohn Roosters selbst auferlegt ist. Kommentieren mag diese Vermutung niemand. Die besondere Betriebsamkeit in der Geschäftsstelle lässt aber vermuten, dass Arbeit in rauen Mengen auf den Schreibtischen zu bewältigen ist.
Hielten sich die Sauerländer in diesem Sommer inhaltlich zurück, so wird diese Zeit heute zu Ende gehen. Um 19.30 Uhr lädt der Club in die neuen VIP-Räume zur Jahreshauptversammlung – jenem ausschließlichen Moment, in dem der Iserlohner EC e.V. und damit auch die Iserlohn Roosters GmbH hinter die Kulissen blicken lassen.
„Natürlich darf man gespannt sein, was wir präsentieren. Vielleicht gibt es ja wie immer einen neuen Spieler“, grinst Wolfgang Brück. Das Pokerface des Rechtsanwalts lässt auf nichts und alles Rückschlüsse zu und beantwortet dennoch nicht die entscheidende Frage: Wie geht es weiter mit der Kaderplanung und den Finanzen?
Seit Wochen geistern Gerüchte durch die Lande, dass die Finanzsituation nicht so unproblematisch ist wie in den vergangenen Jahren. „Dazu möchte ich nicht viel vorab sagen. Ich kann nur betonen, dass wir unsere Hausaufgaben machen“, sagt Clubchef Brück. Was das im Klartext zu bedeuten hat, bleibt noch offen. Der Verlust des Ligasponsors („Gelbe Seiten“) dürfte bei den Blau-Weißen sicherlich eine Lücke hinterlassen haben.
Dass Brück zum Thema Finanzen Stellung beziehen wird, ist sicher. Schließlich will er gemeinsam mit seinem langjährigen „Vize“ Josef Jost für drei weitere Jahre im Vorstandsamt des Iserlohner Eishockeyclubs e.V. bestätigt werden. „Ich habe mich sehr intensiv damit auseinander gesetzt, wie lange ich diesen Job noch machen möchte. Aktuell aber steht fest, dass ich auch weiterhin die Geschicke des Clubs lenken will – vorausgesetzt die Mitglieder sprechen mir das Vertrauen aus“, so Brück. Ob das bedeutet, dass er die gesamte Amtszeit durchhält, lässt er offen. Man könne auch während einer laufenden Periode die Geschäfte an einen neuen Mann übergeben, sagt er und lächelt. Verhandlungs- und Gesprächstaktik sind nun mal sein Geschäft.
Ob die Fans sich am Abend tatsächlich auf die Verpflichtung eines neuen Spielers einrichten können, bleibt trotz der vorsichtigen Ankündigung offen. Kandidaten gebe es jedenfalls genug. Zum einen steht nach Informationen unserer Zeitung das Thema Robert Hock kurz vor einer abschließenden Verhandlungsrunde. Ob der Kapitän zurückkehrt, könnte sich hinter den Kulissen noch in dieser Woche klären.
Gleiches gilt für die Verpflichtung von Alex Nikiforuk. Die Gerüchte, dass die Sauerländer den nur 1,76 Meter großen Kanadier aus Italien nach Deutschland holen, halten sich nachhaltig. Dritter Kandidat könnte Lasse Kopitz sein. Der Verteidiger, der nach der letzten Saison schon verabschiedet worden ist, soll angeblich doch wieder ins Team integriert werden.
Die Rückkehr von Torhüter Sébastien Caron an den Seilersee ist unterdessen wieder ein großes Stück wahrscheinlicher geworden. Da er bis zum 30. Juni Mitternacht keinen neuen Vertrag in der nordamerikanischen NHL unterschrieben hat und sein Vertrag in Nashville ausgelaufen ist, verfügt der Franko-Kanadier derzeit nur über einen gültigen Kontrakt – nämlich den mit den Roosters.
Zwar besteht immer die Gefahr, dass ihn ein NHL-Club will, der müsste den Sauerländern aber eine so große Ablösesumme bezahlen, dass sich das Geschäft lohnen sollte und die Roosters sich einen neuen Top-Torhüter kaufen könnten. Es bleibt spannend.
Von Mirko Heintz









