Nach Skandal um den Wolfsburger

Von Jogi ausgebootet: Kruse ist nicht der erste Fall

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Wird vorerst nicht mehr im DFB-Dress auflaufen: Max Kruse

München - Die Suspendierung von Max Kruse ist nicht das erste Mal, dass ein Nationalspieler von Jogi Löw aus dem Kader des DFB gestrichen wird. Ein Überblick.

Update vom 9. Mai 2016: Wer hat einen sicheren Platz in der deutschen Nationalmannschaft für die EM 2016 in Frankreich? Und welche Spieler gelten als Wackelkandidaten für die Europameisterschaft? Wir bieten Ihnen die wichtigsten Infos zum Kader von Deutschland für die EM 2016.  

Nachdem Max Kruse wiederholt für Negativ-Schlagzeilen neben dem Platz gesorgt hat, wurde er von Naionaltrainer Jogi Löw aus dem DFB-Kader gestrichen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Nationalspieler von Löw ausgeladen wird. 

Lukas Podolski durfte trotz einer Ohrfeige gegen Michael Ballack weiter in der Nationalmannschaft spielen, auch Marco Reus musste wegen seines Fahrens ohne Führerschein keine Konsequenzen erleiden. Bei einmaligen Ausrutschern von Leistungsträgern belässt es Bundestrainer Joachim Löw gerne mal bei einer Ermahnung. Dennoch hat vor Max Kruse auch schon andere Spieler der Bannstrahl Löws getroffen. 

Aus disziplinarischen Gründen waren dies Kevin Kuranyi und Kevin Großkreutz. Letzterer wie Kruse, der bereits bei der WM 2014 aus angeblich disziplinarischen Gründen gefehlt hatte und erst in der vergangenen Woche wieder ermahnt wurde, auch nach mehreren Verfehlungen und als sportlich durchaus verzichtbarer Spieler. Insgesamt sind Löws Maßstäbe nicht immer durchschaubar, allerdings sind meist auch nicht alle Hintergründe bekannt. 

Sogar den Kapitän traf es einmal 

Sportlich ausgebootet wurde einst sogar der „Capitano“ Michael Ballack. Der verletzte sich nach einem Foul von Kevin-Prince Boateng kurz vor der WM 2010 und in Fußball-Deutschland herrschte Panik, als brauche das DFB-Team ohne ihn gar nicht in Südafrika anzutreten. Doch dann emanzipierte sich die nächste Generation um Anführer wie Philipp Lahm und Talente wie Sami Khedira auf wie neben dem Feld von Ballack. Und Löw berief ihn nach monatelangem Schlingerkurs nicht mehr. Im April 2009 waren schon erste Unstimmigkeiten zwischen Ballack und dem Team offensichtlich geworden, als Podolski den Kapitän in Wales ohrfeigte. Löw erklärte damals, Podolski stünde nun „unter besonderer Beobachtung“, er habe „Grenzen überschritten“ und sein Kredit sei „aufgebraucht“. Da sich Podolski danach nichts mehr zu Schulden kommen ließ, brachte er es bis heute auf 126 Länderspiele. 

Dass Reus mehrfach geblitzt wurde, obwohl er keinen Führerschein besaß, stufte Löw offenbar als Privatsache ein. Zumindest in Sachen Autofahren hatte es der Bundestrainer auch schwer als Moralinstanz, nachdem er 2014 selbst seinen Führerschein wegen mehrerer Geschwindigkeitsübertretungen abgeben musste. Allerdings wurde Reus auch von seinem Verein Borussia Dortmund nicht bestraft, er ist für beide Teams ein wichtiger Spieler. 

Kuranyi und Kießling bekamen keine Chance mehr

Kevin Kuranyi war dies 2008 nicht mehr und ihm ist nicht einmal eine öffentliche Warnung vergönnt gewesen. Der Schalker saß bei einem WM-Qualifikationsspiel in Dortmund auf der Tribüne und musste sich von den Fans einiges anhören. Irgendwann hatte er genug und ging während des Spiels nach Hause. Wiederkommen durfte er nicht mehr. Die Mannschaft im Stich zu lassen, ist für Löw offenbar die größtmögliche Sünde. Denn genau das wurde auch Großkreutz zum Verhängnis. Die „Dönerwurf-Affäre“ hatte er mit einer Verwarnung überstanden und sogar mit zur WM 2014 durfte er, obwohl im Trainingslager bekannt geworden war, dass er in eine Hotel-Lobby uriniert hatte. Obwohl er in Brasilien nicht zum Einsatz kam, darf sich Großkreutz deshalb heute Weltmeister nennen. Als er aus Istanbul, wo der Ex-Dortmunder wegen eines bürokratischen Fehlers seines Vereins Galatasaray nicht spielberechtigt war, an den Wochenenden nach Hause flog, musterte der Bundestrainer ihn öffentlich aus. Was er nachher selbst als „nicht unbedingt ganz guten Stil“ bezeichnete. 

Was wirklich zwischen Trainer (-Team) und Spielern ablief, ist oftmals aber nicht bekannt. So berief Löw Stefan Kießling trotz starker Form, einem Engpass im Sturm und zahlreicher öffentlicher Forderungen nicht zur WM 2014. Auch dies könnte aber persönliche Gründe gehabt haben, schließlich gab es Gerüchte über ein angespanntes Verhältnis zwischen dem Bundestrainer und dem Leverkusener Angreifer. Weltmeister wurde Löw trotzdem. Ohne Kießling. Ohne Kruse. Und mit Großkreutz.

SID/tr

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