Vor dem Tschechien-Duell

Deutsche Sturm-Misere: Im Zentrum ohne "Gewicht"

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Thomas Müller Qualitäten als Torschütze sind gegen Tschechien sehr gefragt.

Hamburg - Mario Gomez fehlt, Thomas Müller und Co. treffen nicht: Vor dem Duell mit Tschechien bereitet Bundestrainer Joachim Löw die Offensive Kopfzerbrechen.

Das Tor ist leer, Thomas Müller steht 20 m davon entfernt halblinks. Der Nationalstürmer fummelt ein bisschen mit dem Ball, dann nimmt er ihn mit konzentriertem Blick volley - Außennetz. Müller bläst die Backen auf, von Torwarttrainer Andreas Köpcke gibt's einen aufmunternden Klaps auf den Rücken. Es ist der erste Schuss eines deutschen Nationalspielers beim Training am Donnerstagmorgen am Millerntor - und gleich ein bezeichnender.

Bierhoff fordert das Team

Ohne Müllers Fehlschuss zu viel Bedeutung beizumessen: Vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Weltmeister am Samstag (20.45 Uhr/RTL) gegen Tschechien ist die Offensive das größte Problem von Bundestrainer Joachim Löw; wieder einmal. "Das unglaubliche Potenzial, das wir haben, diese Qualität müssen wir besser nutzen und konsequenter im letzten Drittel sein", forderte Teammanager Oliver Bierhoff in Hamburg.

Allerdings: Ohne den etatmäßigen Mittelstürmer Mario Gomez, der wegen einer Muskelverletzung abgesagt hatte, dürfte das schwierig werden. Bundestrainer Joachim Löw bedauerte den Ausfall des Wolfsburgers sehr, "weil wir keinen Spielertyp haben wie den Mario". Bierhoff meinte: "Das tut weh." Gomez bringe "vorne im Zentrum Gewicht rein". Jetzt aber muss es Leichtgewicht Müller richten, oder die "falsche Neun" Mario Götze.

Volland als Neuner?

Die Rückennummer 9, einst Markenzeichen des klassischen Mittelstürmers, hatte Löw in seinem Kader schon vor der Gomez-Absage nicht vergeben. Als weitere Alternative steht nur noch Kevin Volland bereit. "Kevin ist ein super Typ, er hat sich kontinuierlich verbessert und ist sicher ein Kandidat", sagte Bierhoff. Allerdings: Volland eint mit Götze und Müller das Schicksal, in der Bundesliga nach sechs Spielen noch immer nicht getroffen zu haben.

"Es fehlte etwas das Glück", sagte Müller dem kicker und versprach: "Ich werde nicht müde, es immer weiter zu versuchen. Und ich bin mir sicher, dass die Kugel schon bald wieder reingeht." Von einer persönlichen Schaffenskrise will der 27-Jährige nichts wissen. "Ich habe in dieser Saison schon in der Champions League gegen Rostow, im Supercup gegen Dortmund und in der Nationalmannschaft in Norwegen getroffen. Man braucht jetzt also nicht schwarzzumalen." Zumal Müller beim 3:0 zum Quali-Start in Norwegen mit einem Doppelpack und einer Vorlage seine torlose EM vergessen gemacht hatte.

Keine Sorge

Kapitän Manuel Neuer forderte von den Kollegen, sie müssten im Angriff "sehr flexibel sein und vorne ein paar Ideen haben, um den Gegner zu überraschen". Das könne auch über besondere Laufwege geschehen, wie sie zuletzt etwa sein Klubkollege Joshua Kimmich gezeigt habe, der in Oslo sein erstes Länderspieltor erzielt hatte.

Auch deshalb macht sich Bierhoff "keine Sorgen". Aber, so betonte der ehemalige Topstürmer, die Abschlussschwäche sei "in drei, vier Tagen schwer umzugestalten". Löw will "im Training Wettkampfsituationen herstellen", um Abhilfe zu schaffen. Das muss dann ja nicht unbedingt so aussehen wie bei Müller am Donnerstag.

SID

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