Kritik an Umgang mit Trainern

Löw: Rückkehr in die Bundesliga ausgeschlossen

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Bundestrainer Joachim Löw.

Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw hat in der WM-Qualifikation gegen Tschechien und Nordirland eine wertvolle Option mehr. In die Bundesliga wird er selbst nie mehr zurückkehren.

Nach einem zusätzlichen Tag Freizeit für die Spieler startet Joachim Löw mit der Fußball-Nationalmannschaft in die kurze Vorbereitung auf die ersten Heimaufgaben in der WM-Qualifikation. Bis zum gemeinsamen Mittagessen müssen die Akteure um Kapitän Manuel Neuer im Hamburger Teamhotel an der Außenalster einchecken.

Das gebuchte Zimmer von Mario Gomez musste der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kurzfristig stornieren: Der Torjäger des VfL Wolfsburg fällt wegen einer Muskelverletzung am Gesäß aus. Auf die Nachnominierung einer Offensivkraft als Ersatz für Gomez verzichtete Löw aktuell.

Für den späten Mittwochnachmittag ist die erste von insgesamt nur drei Trainingseinheiten vor dem Punktspiel am Samstag (20.45 Uhr/RTL) gegen Tschechien angesetzt. Die Übungseinheit im Stadion des FC St. Pauli findet wie alle anderen ohne Zuschauer statt. Zweiter Gegner ist am kommenden Dienstag in Hannover Nordirland.

Überzeugender Auftakt gegen Norwegen

Zum Auftakt der WM-Ausscheidungsrunde für 2018 war Weltmeister Deutschland ein überzeugendes 3:0 gegen Norwegen gelungen. „Wir wollen anknüpfen an die Leistung, die wir in Oslo gezeigt haben“, sagte Löw. Sechs Punkte sind das erklärte Ziel des Bundestrainers.

„Ich glaube, dass die Tschechen die Mannschaft sein werden, die von ihren Fußballern und ihrer Erfahrung her der hartnäckigste Gegner sein werden“, erklärte Löw. Am ersten Spieltag war der vermeintlich stärkste Kontrahent in der Gruppe C allerdings nicht über ein 0:0 im Heimspiel gegen die kampfstarken Nordiren hinausgekommen.

Nur der Gruppenerste qualifiziert sich direkt für die Weltmeisterschaft in Russland. Auch Deutschland ist als Titelverteidiger nicht automatisch zur Endrunde 2018 zugelassen.

Wertvolle Option neben Kroos und Khedira

Löw hatte ursprünglich 22 Akteure nominiert. Nun fällt Gomez aus. Wieder dabei sind dafür nach Verletzungen Abwehrspieler Jérôme Boateng und Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan. Die Rückkehr des Ex-Dortmunders Gündogan, der wegen einer Verletzung am Knie die Europameisterschaft in Frankreich im Sommer verpasst hatte, ist gerade nach dem Rücktritt von Bastian Schweinsteiger bedeutend.

Mit dem 25 Jahre alten Gündogan, der seit dieser Saison in England für Manchester City spielt, verfügt Löw im zentralen Mittelfeld wieder über eine weitere wertvolle Option neben den Weltmeistern Toni Kroos (Real Madrid) und Sami Khedira (Juventus Turin).

Kroos hatte schon zum Start in Norwegen die Marschroute für die WM-Ausscheidung vorgegeben. „Wir mussten uns in der Qualifikation für die EM in Frankreich hinten raus strecken. Das wollen wir in der WM-Qualifikation vermeiden“, erklärte der Profi von Real Madrid.

Löw übt Kritik an Umgang mit Trainern

Bundestrainer Joachim Löw hat mit Blick auf die Trainerwechsel in der Bundesliga Kritik an den Vereinen geübt und eine Rückkehr als Coach ins Fußball-Oberhaus ausgeschlossen. „Was mir grundsätzlich nicht gefällt, ist die Art und Weise, wie so ein Wechsel manchmal von Statten geht. Ich habe Verständnis, dass ein Trainerwechsel manchmal angebracht sein kann. Entscheidend aber ist, dass dies immer fair und korrekt über die Bühne geht. Dieses Gefühl habe ich leider nicht immer. Da wird auch mal ein Trainer komplett im Regen stehen gelassen und wochenlang mit einem Ring durch die Nase in der Manege vorgeführt“, meinte der 56-Jährige im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch-Ausgaben).

Konkret zu Clubs - in dieser Saison wechselten bereits Werder Bremen und der Hamburger SV ihre Trainer - wollte sich Löw nicht äußern. Eine Rückkehr in die Bundesliga kommt für den Weltmeister-Coach nicht in Frage. Auf die Behauptung, er werde nie mehr einen Bundesliga-Club übernehmen, sagte Löw: „Stimmt.“

Löw ist seit zehn Jahren Nationaltrainer, sein Vertrag läuft nach der WM 2018 aus. Der Schwarzwälder sieht derzeit keine Veranlassung, dem Wunsch von DFB-Präsident Reinhard Grindel nachzukommen und den Kontrakt zu verlängern. „Das Vertrauen ehrt mich, aber momentan gibt es keinen Grund dafür. Jetzt freue ich mich zunächst einmal auf die WM 2018 in Russland“, betonte Löw. Abnutzungserscheinungen könne er bislang bei sich noch nicht erkennen. „Ganz im Gegenteil. Ich verspüre große Lust und Freude an der Aufgabe.“

In seiner bisherigen Amtszeit würde er vor allem eine Entscheidung heute anders treffen: „Was ich bedauere, ist, dass Michael Ballack keinen besseren Abgang aus der Nationalmannschaft hatte. Dass wir das nicht zur Zufriedenheit aller haben lösen können.“

dpa

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