Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg / Samstag, 15.30 Uhr

Hoffenheimer Niklas Süle wird beim BVB als Nachfolger für Hummels gehandelt

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Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang kämpft mit Hoffenheims Niklas Süle um den Ball. Der TSG-Kicker wird als Nachfolger von Mats Hummels gehandelt.

Dortmund - Hans-Joachim Watzke bezeichnet sich selbst als einen der größten Fans des BV Borussia Dortmund und hat deshalb ein feines Gespür dafür, wie die Anhänger seines Vereins auf bestimmte Nachrichten reagieren.

Der Wechsel-Wunsch von Mats Hummels, ausgerechnet zum FC Bayern München, hat den größten Teil der schwarz-gelben Familie bis ins Mark getroffen. Deshalb rechnet auch der Vorsitzende der Geschäftsführung damit, dass der BVB-Kapitän am Samstag vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/live bei Sky) ein schwerer Gang bevorstehen wird, wenn er seine Mannschaft auf das Feld führen wird.

Watzke versucht daher im Vorfeld, die enttäuschten Anhänger zu besänftigen, schickt in einem Interview auf der vereinseigenen Homepage schon einmal einen Appell in Richtung Südtribüne. „Ich verstehe, dass viele Fans enttäuscht sind. Mir geht es ja ganz genauso“, erklärt der 56-Jährige „Dennoch ist es mir wichtig, festzustellen, dass Mats sich tadellos verhalten hat. Er war zu jeder Zeit offen und ehrlich zu uns.“ 

Nach Watzkes Auffassung hat Hummels nach achteinhalb Jahren in einer großartigen Geschichte Feindseligkeiten nicht verdient. Doch die Absicht des Nationalspielers, nach Münchner zurückzukehren, löst im Netz einen wahren Shitstorm aus. Nicht zuletzt deshalb, weil Hummels selbst vor zwei Jahren beim plötzlichen Wechsel seines damaligen Teamkameraden Mario Götze öffentlich mit Unverständnis reagierte. Im Internet wird er jetzt von den Anhängern mit seinen eigenen Aussagen bombadiert. 

„Ich verstehe ihn nicht, es gibt keinen Grund uns zu verlassen. Ich muss nicht unbedingt in der besten Mannschaft der Welt spielen, nur um eine relative Garantie auf Titel zu haben“, hatte Hummels damals verbreitet. „Mir geht es um etwas anderes. Ich spiele gern Fußball, am liebsten den Fußball, der zu mir passt. Ich muss nicht sagen: Wenn ich nie die Champions League gewonnen habe, werde ich nicht glücklich im Leben.“ Aussagen, die ihn heute nach seinem Wechsel-Wunsch einholen. 

Und den Kapitän, was seine angebliche tiefe Verbundenheit zum BVB angeht, in einem anderen Licht erscheinen lassen. Die Frage, warum er sich letztlich zu einer Rückkehr an die Isar entschieden hat, will sein Trainer Thomas Tuchel nicht beantworten. „Das müssen sie Mats fragen“, sagt der Coach, der zwar durchaus enttäuscht, aber recht gelassen auf die Nachricht reagiert. „Ich kenne keine Niedergeschlagenheit“, sagt der Fußball-Lehrer. „Und wenn ich mir etwas angewöhnt haben, dann ist das, solche Dinge nicht persönlich zu nehmen.“ 

Er habe keine Zeit, moralisch zu werden. Tuchel sieht sich selbst als Person, die schnell nach vorn gewichtet ist. „Ich bin nach wie vor der Trainer von Mats. Er erhält von mir jede Unterstützung, die er sportlich benötigt. Wir haben in den nächsten Wochen noch Ziele zu erreichen.“ 

Deshalb fordert der BVB-Trainer die handelnden Personen auf, möglichst schnell im Wechsel-Poker für eine Entscheidung zu sorgen. Angeblich sollen die Dortmunder mehr als 30 Millionen Euro für den noch bis 2017 bei der Borussia unter Vertrag stehenden Hummels fordern. „Wir müssen wissen, wie es weiter geht“, erklärt Tuchel, „damit wir uns schnell für die nächste Saison aufstellen können.“ 

Um dann die Bayern weiter herauszufordern. „Wir müssen akzeptieren, dass es eine Kategorie von Klubs gibt, die über uns stehen. Wir müssen und können auch akzeptieren, dass der FC Bayern in diesem Moment zu diesen Klubs gehört. Aber wir werden nicht aufhören, diese Klubs herauszufordern und versuchen, deren Vorsprung auf dem Platz nicht erkennbar sein zu lassen.“ 

Was äußerst schwer werden wird, denn neben Hummels dürfte auch Ilkay Gündogan die Dortmunder am Saisonende Richtung Manchester City verlassen. Aber an eine Signalwirkung glaubt Tuchel nicht. „Es gibt genug Spieler, die sich mit Haut und Haaren auch in den nächsten Jahren zum Verein bekennen“, beteuert der Coach. „Es ist daher das Beste, unaufgeregt mit diesen Dingen umzugehen. Damit wir schnellstmöglich unser neues, nächstes Niveau erreichen werden.“ 

Tuchels Botschaft an die Anhänger lautet, dass es den BVB in der Vergangenheit stark gemacht hat, aus solchen Situationen Kraft zu ziehen und neue Energie zu entwickeln. Tuchel: „Wir werden auch in der kommenden Saison eine Top-Mannschaft haben.“ 

Als möglichen Ersatz für Hummels haben die Dortmunder offenbar den Hoffenheimer Junioren-Nationalspieler Niklas Süle (20 Jahre) im Visier. Der steht zwar noch bis 2019 bei der TSG unter Vertrag, könnte sich aber in Dortmund weiter entwickeln. Angeblich soll für den 1,95 m großen Innenverteidiger, der vom Ex-Nationalspieler Karlheinz Förster beraten wird, eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro im Raum stehen. Für die Borussia wohl kein Problem. 

Die spielt heute übrigens auch noch Fußball. Doch beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg interessieren wohl eher die Reaktionen der Fans auf Hummels' Wechselwunsch – wenn Tuchel ihn aufstellt. Erstmals wieder im Kader stehen die zuletzt angeschlagenen Pierre-Emerick Aubameyang und Ilkay Gündogan.

Quelle: wa.de

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