Nach langer Verletzungspause

Nuri Sahin: "Ich war hier drei Jahre lang als Tourist"

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Borussia Dortmunds Mittelfeldspieler Nuri Sahin hat in seiner Karriere schon viel erlebt. "Da kann ich ein Buch drüber schreiben", sagt er.

Bad Ragaz - Nuri Sahin gehört in der jungen Mannschaft von Borussia Dortmund schon fast zum alten Eisen, ist zusammen mit Roman Weidenfeller einer der dienstältesten Borussen. In elf Jahren Profifußball hat Sahin viel erlebt, „da kann ich ein Buch drüber schreiben“, wie der Mittelfeldspieler selbst sagt.

Hinter Sahin liegt kein einfaches Jahr. Lange war er verletzt, machte nur neun Bundesligaspiele. Seine Erwartungshaltung ist entsprechend zurückhaltend. „Ich möchte fit durch die Vorbereitung kommen. In den letzten drei Jahren war ich immer als Tourist hier. Jetzt bin ich als vollwertiges Mitglied der Mannschaft mit im Trainingslager“, erzählt der türkische Nationalspieler im Trainingslager in Bad Ragaz.

"Das reicht für drei Karrieren"

In den Testspielen überzeugte Sahin zuletzt, traf gegen den AFC Sunderland zum 1:0. Er sieht sich selbst auf einem guten Level. „Ich habe in der Mittagspause mit unserem Physio gesprochen. Der meinte auch, dass das ordentlich aussieht. Ich fühle mich körperlich sehr gut. Ich musste bislang noch nicht pausieren, weil es links oder rechts mal zwickt“, sagt Sahin, und strahlt dabei mit der Sonne um die Wette. Ziemlich genau vor elf Jahren, am 6. August 2005, machte der Mittelfeldspieler sein erstes Bundesligaspiel für Borussia Dortmund. „Wenn der Tag dann da ist, fühlt es sich immer noch sehr nah an. Aber wenn man überlegt, was in den elf Jahren passiert ist, was ich erlebt habe. Das passt in drei Karrieren.“

Borussia Dortmund - AFC Sunderland 1:1

Auf Sahins Position im Mittelfeld herrscht hoher Konkurrenzkampf. Trainer Thomas Tuchel wird viel Fingerspitzengefühl abverlangt, um auch vermeintliche Härtefälle zu moderieren. „Jeder Spieler im Kader muss es dem Trainer schwer machen. Wir haben sehr viel Qualität. Aber es findet ein Umbruch statt. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dass wir das gut hinbekommen. Und das geht einfach nur über Leistung und Benehmen. Die letzte Entscheidung liegt aber beim Trainer.“

Besonders im Fokus steht aktuell Rückkehrer Mario Götze. „Sein Name wird im Fußball immer etwas besonderes sein. Es gibt einfach Spieler, die sind extrem im Fokus. In ihrer ganzen Karriere. Mario kennt das nicht anders. Ich werde nie vergessen, als er damals im ersten Training dabei war. Der hat Sachen mit dem Ball gemacht, dass ich dachte, der muss nächste Woche spielen. “

"Das tut mir ehrlich weh"

Götze freue sich jetzt einfach, dass er sich nur auf Fußball konzentrieren kann. Ruhe wird der Weltmeister aber nie bekommen, sagt Sahin. „Wir leben in der Öffentlichkeit. Mario ist erst 24, hat alles gewonnen. Es ist eine Menge auf ihn eingeprasselt.“ Götzes Beurteilung in der Öffentlichkeit findet der 27-Jährige teilweise nicht angemessen. „Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn ein anderer Spieler das Siegtor bei der WM geschossen hätte. Dass man Mario in der Öffentlichkeit immer noch so gnadenlos beurteilt, das tut mir manchmal ehrlich weh. Er hat trotz seiner langen Verletzung eine Quote an Toren und Vorlagen, die nicht schlecht ist.“

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Als erfahrener Spieler sieht sich Sahin in der Verantwortung, die jungen Spieler zu führen. „Bestes Beispiel ist Christian Pulisic. Den Weg, den er geht, habe ich genau so erlebt. Du kommst ohne Erwartungen zu den Profis, stehst im Kader. Plötzlich spielst du, wirst zur Nationalmannschaft eingeladen. Das habe ich auch erlebt. Es ist schwer, solche Sachen einzuordnen.“

Sahin selbst hatte vor elf Jahren Dedé und Tomas Rosicky, an denen er sich orientierte. Den Kontakt zu Rosicky pflegt er immer noch. Heute, elf Jahre später, ist der Familienvater für Ousmane Dembélé, Christian Pulisic, Emre Mor oder Marc Bartra der Ansprechpartner. 

Als Bartra mit Frau und Kind nach Deutschland kam, hatte der Spanier noch keine Wohnung und suchte eine Nanny für das Kind. „Meine Frau hat seine Frau angerufen und gefragt, ob sie was brauchen“, erzählt Sahin. Er selbst profitiert von seiner Erfahrung aus dem Ausland, ihm erging es bei seinem Wechsel zu Real Madrid ähnlich. „Damals kam Kaka auf mich zu. Kaka war Weltfußballer und kümmerte sich um mich. Da dachte ich mir, davon kann ich mir eine Scheibe abschneiden und wenn ich mal soweit bin, den anderen genau so helfen. Das mache ich super gerne.“

Quelle: wa.de

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