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Wie das Rentnerparadies Palm Springs sich verjüngen will

Forever young

004.05.10|Nordamerika|Nordamerika|
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Artikel: Forever young

Angehmes Klima und zwei Autostunden von Los Angeles entfernt - Gründe für Stars wie Frank Sinatra, Cary Grant und Marilyn Monroe das verschlafene Städtchen zu ihrem Refugium vom Hollywood-Trubel zu wählen.

Plaza Theatre in Palms Springs

© dpa

Plaza Theatre in Palms Springs: Alle Mitglieder des Ensembles müssen erstens Profi-Tänzer und zweitens mindestens 55 Jahre alt sein.

Und viele Senioren folgten ihnen. Heute kämpft Palm Springs gegen das Rentner-Image. Wie junge Besucher hierher gelockt werden sollen, hat unser Reporter Tobias Altschäffl (23 Jahre jung) herausgefunden.

Die Menge im Plaza Theatre tobt. Leicht bekleidete Damen tanzen auf der Bühne, das Publikum pfeift und johlt, der charismatische Impressario Riff Markowitz macht anzügliche Späßlein mit den Damen im Publikum. Es geht zu wie auf der Reeperbahn. Nur: Wir befinden uns in Kalifornien bei den Palm Springs Follies, einer Tanzgruppe im Alter zwischen 56 und 86 – und der Altersschnitt der vergnügungssüchtigen Meute im Saal dürfte ebenfalls deutlich jenseits des Renteneintrittsalters liegen.

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Herzlich willkommen im schönsten Altenheim der Welt! Diesen zweifelhaften Titel genießt Palm Springs, das östlich von Los Angeles in einer Palmenoase zwischen (teilweise schneebedeckten) Bergen und der Mojave-Wüste liegt. Eine Stadt in Altersteilzeit? Langeweile statt Lebenslust? Palm Springs will weg vom Oldie-Image. „Wir sind als Ort für Rentner bekannt. Aber wir haben neuartige Hotels, Restaurants, hippe Designer vor Ort“, wirbt Hillary Angel, PR-Managerin des Tourismus-Büros. „Das macht Palm Springs zu einem attraktiven Ort für junges Publikum.“

Zunächst wirkt der Satz wie eine Farce. Denn aus ganz Amerika kommen die rüstigsten Senioren angeströmt, um die heimischen Follies zu sehen. Die Tanz- und Unterhaltungsshow mit vitalen, nicht nur auf natürlichem Wege jung-gebliebenen Darstellerinnen, ist die Hauptattraktion der Stadt. Die Straßen in Palm Springs sind heute voll mit Rentnern. Nur eine Momentaufnahme? Kann man hier auch als 23-Jähriger Spaß haben? Die Suche beginnt.

Der Eindruck beim ersten Spaziergang durch die Stadt: Ein nettes, kleines Örtchen, wo alles ein bisschen gemächlicher abläuft. Und, ja, viele Senioren sind unterwegs. Oder kommt das nur daher, weil das Bild von Amerikas Altenheim im Kopf ist? Ein Blick in die Statistik hilft: 26,2 Prozent der Bewohner Palm Springs’ sind 65 Jahre oder älter. Von den Zahlen her unterscheidet sich der Senioren-Anteil also nicht groß von dem in good old Germany. Ein weiterer Fakt: Palm Springs ist fortschrittlich, äußert liberal. Die Stadt gilt als homosexuelle Hochburg Amerikas, es regiert der zweite schwule Bürgermeister in Folge.

Ansonsten dominieren Natur und Palmen, es gibt keine Wolkenkratzer – das ist gesetzlich so festgelegt, damit niemandem der Blick auf die wunderschönen Berge versperrt wird – und nicht einmal einen McDonald’s. Dafür hunderte Windräder in der näheren Umgebung, mit denen ein Großteil der Energie für die Stadt selbst generiert wird. Palm Springs steht für Natur pur. Und Palm Springs steht für Sonnenschein. Ununterbrochen. An 350 Tagen im Jahr, nie wird es dabei kälter als 20 Grad. Zudem ist das Palmen-Paradies ein Golf-Mekka mit über 130 erstklassigen Plätzen. Für jüngere Besucher allerdings nicht das zentrale Kriterium.

Seit den 1930er-Jahren wurde es zum Rückzugsort der Stars, Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte Palm Springs eine Blütezeit. Der Grund: Viele Schauspieler hatten Verträge mit Hollywood-Studios, die es nicht erlaubten, sich weiter als zwei Stunden entfernt von Los Angeles aufzuhalten – das sonnige, unberührte Palm Springs lag da perfekt. Stars wie Marilyn Monroe oder Frank Sinatra feierten ihre Partys in Palm Springs, heute noch haben unter anderem Jennifer Lopez, Liz Taylor und Goldie Hawn dort einen Wohnsitz.

Plaza Theatre in Palms Springs© dpaPalms Springs

Die Promis leben heute hinter hohen Zäunen – und auch nach Party-Stimmung muss man lange suchen. „Nachtleben ist für uns ein Schlüsselwort“, spricht Hillary Angel von der Suche nach neuer Klientel, „wir haben jede Nacht Live-Musik, Kasinos, Bars, Dance-Clubs.“ Allein: Von der Bevölkerung vor Ort wird das nur begrenzt angenommen. Beim wöchentlichen Straßenfest feiern donnerstags jung und alt, hetero und homo gemeinsam in der Innenstadt.

Kurioserweise lautet der beste Ausgeh-Tipp: Abends in den Hotels bleiben! Da hat Palm Springs nämlich einiges zu bieten: So hat beispielsweise das Ace-Hotel Lagerfeuer-Stellen zum Beisammen-Sitzen und Gitarre spielen. Und im Riviera Resort and Spa trifft man gleichaltrige (Durch)Reisende aus der ganzen Welt – Highlife garantiert. „Es geht uns vor allem da­rum, ein junges Publikum anzuziehen. Wir wollen ihnen eine loungige Atmosphäre, Freizeitmöglichkeiten in der Natur, einfach die ultimative Entspannung bieten“, erklärt Hillary Angel.

Eines ist unbestritten: Entspannung und Natur pur bietet Palm Springs. Ob eine Jeep-Tour in der Mojave-Wüste, ein Ausflug in den Joshua Tree National Park oder eine Seilbahnfahrt mit dem Aerial Tramway: „Disneyland oder wie all die Freizeitparks heißen, ist nur künstlich. Hier kommen Familien her, sprechen miteinander. Auf einmal sind die Handys nicht mehr wichtig“, erklärt Tourguide Heidi, „hier spricht man miteinander, entdeckt andere Werte.“ Und das ist für Alt und Jung aktuell.

DIE REISE-INFOS ZU PALM SPINGS

REISEZIEL Palm Springs liegt im Coachella Valley im Riverside County, US-Bundesstaat Kalifornien, rund 180 Kilometer östlich von Los Angeles. Hier leben rund 45 000 Menschen, im Winter über 75 000.

ANREISE Von München aus bieten United Airlines und Lufthansa Flüge nach Palm Springs mit Umsteigen in San Francisco zum Preis ab rund 700 Euro an.

ÜBERNACHTEN Das Riviera Resort und Spa ist ein modernes Hotel, gebaut im Stil der 70er Jahre, mit riesigem Pool samt Feuerstellen und Hollywoodschaukeln, gemischten Publikum und abendlicher Party in der Lobby. Das Doppelzimmer gibt es ab 209 Dollar (rund 155 Euro). Tel. 001/760/ 327 83 11, Internet: www.psriviera.com.

ESSEN Wer in Downtown Palm Springs schick essen gehen will, kann es sich im Kaiser Grille am 205 South Palm Canyon Drive schmecken lassen. Das Restaurant bietet lecker zubereitete amerikanische Gerichte sowie Pizzas und Salate zu moderaten Preisen (Sandwich/Burger ab 9,95 US-Dollar/7,40 Euro, Dinner ab rund 25 US-Dollar/18,50 Euro). Tel. 001/760/323 10 03,

AKTIVITÄTEN Nach einer Fahrt mit der Palm Springs Aerial Tramway, der mit 3285 Metern längsten rotierenden Seilbahn der Welt, kann man von der 2596 Meter hoch gelegenen Bergstation auf dem Mount San Jacinto eine herrliche Aussicht genießen. Preis: 22,95 US-Dollar (rund 17 Euro). Tel. 001/760/325 13 91, Internet: www.pstramway.com.

Palm Springs Modernism bietet zweieinhalbstündige Architektur-Touren zu Häusern im Mid-Century-Stil. Preis: US-75 Dollar (rund 56 Euro), Infos unter psmoderntours@aol.com oder Tel. 001/760/318 61 18. Die Golfplätze sind alle in einem beeindruckenden Zustand. Über 130 Plätze laden zum Abschlag und Putten ein – als Trainer stehen ehemalige Profis zur Verfügung.

REISEZEIT Alles außer Sommer, dann bietet die Wüsten-Oase ein richtig angenehmes Klima. Im Juli und August kann es tagsüber über 40 Grad heiß werden.

REISETYP Die Stadt ist der Gegenentwurf zum modernen amerikanischen Stadtbild. Auf Partys und Veranstaltungen für junges Publikum wird immer mehr Wert gelegt, Naturfreunde finden in Palm Springs das Paradies. Wer es typisch amerikanisch will – mit Shopping Malls, Fast Food und Stars and Stripes – muss in der Wüsten­oase dagegen eher länger suchen.

INFO Palm Springs, Bureau of Tourism, Tel. 001/760/778 84 18, Internet: www.visitpalmsprings.com. Oder über BZ.COMM GmbH, Gutleutstraße 16a, 60329 Frankfurt am Main, E-Mail: info@palm-springs.de, Internet: www.palm-springs.de.

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