Fidel Castro wird 90: Kuba feiert Revolutionsführer 

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Fidel Castro lässt sich zu seinem 90. ordentlich feiern - im Jogginganzug.

Havanna - Fidel Castro, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Weltpolitik, hat sich aus der aktiven Staatsführung längst zurückgezogen. An seinem Ehrentag tritt der Guerillero und Staatsmann noch einmal ins Rampenlicht.

An seinem 90. Geburtstag hat sich der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro erstmals seit vier Monaten wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Der frühere Präsident des sozialistischen Karibikstaats kam am Samstag gemeinsam mit seinem Bruder und Nachfolger Raúl Castro sowie dem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro zu einer Kultur-Gala ins Karl-Marx-Theater in Havanna.

Die rund 5000 Gäste skandierten „Fidel, Fidel“. Castro sah sich eine Tanz- und Gesangsdarbietung einer Kindergruppe an. Auch der Sänger Omara Portuondo vom Buena Vista Social Club trat auf. Am Ende sangen die Kinder Castro ein Geburtstagsständchen.

Zuletzt war der legendäre Revolutionsführer im April beim Parteitag der Kommunistischen Partei öffentlich in Erscheinung getreten. „Wir alle kommen an die Reihe“, sagte er damals und rührte einige Delegierten damit zu Tränen. „Vielleicht ist es eines der letzten Male, dass ich in diesem Saal spreche.“

Zum 90.: Castro schreibt US-kritischen Artikel

In einem von den Staatsmedien veröffentlichten Artikel mit der Überschrift "Geburtstag" äußerte sich Castro am Samstag gewohnt US-kritisch: "In der Rede des US-Präsidenten in Japan fehlte eine Entschuldigung für das Massaker an hunderttausenden Menschen in Hiroshima", schrieb er mit Blick auf den Bombenabwurf im August 1945 und Obamas Besuch in der Stadt im Mai. Den Abwurf der zweiten Bombe auf Nagasaki bezeichnete Castro als "ebenso kriminell".

Zu den mehr als 600 angeblichen Attentatsversuchen, die er laut kubanischen Geheimdienstinformationen überlebt haben soll, schrieb Castro weiter, er habe "fast gelacht" angesichts der "machiavellistischen Pläne der US-Präsidenten". Den "Großmächten" China und Russland zollte Castro hingegen Respekt.

Rekord-Zigarre zu Ehren Castros

Zu Ehren des Revolutionsführers rollte ein kubanischer Tabakhändler eine 90 Meter lange Zigarre - und stellte damit zugleich einen neuen Weltrekord auf. "Sie ist 90 Meter lang, um die 90 Jahre unseres Comandante zu feiern", sagte José Castelar in Havanna nach getaner Arbeit der Nachrichtenagentur AFP.

Von Castro gibt es ein legendäres Foto, wie er in jüngeren Jahren in Militäruniform eine Zigarre im Mund hat. "Er hat seit Jahren nicht geraucht, aber das Geschenk, das wir ihm geben, ist die harte Arbeit, die wir getan haben, um seinen Geburtstag zu feiern", sagte Castelar. Mit der 90 Meter langen Zigarre wollte er die Bestleistung im Guinness-Buch der Rekorde zum sechsten Mal übertreffen.

Putin gratuliert seinem "lieben Freund"

Nun gratulierten Verbündete und politische Weggefährten Castro zum Geburtstag. Russlands Präsident Wladimir Putin telefonierte am Samstag mit dem früheren Staatschef der sozialistischen Karibikinsel. "Lieber Freund, du genießt tiefen Respekt in Russland als herausragender Staatsmann, der sein ganzes Leben in den Dienst des kubanischen Volkes gestellt hat", erklärte er in einem auf der Website des Kreml veröffentlichten Glückwunschtelegramm. Castros "persönlicher Beitrag zur Entwicklung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern" könne "kaum überschätzt" werden, schrieb Putin. Er wünsche Castro "gute Gesundheit, ein langes Leben, Vitalität und Wohlstand".

Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega sagte, Castro habe sein ganzes Leben für Frieden und Gerechtigkeit gekämpft. Boliviens Präsident Evo Morales strich Castros Verdienst um die ganze Region heraus. „Die kubanische Revolution ist die Mutter der Revolution in Lateinamerika“, schrieb er auf Twitter.

„Ich bin dankbar für all die Zeichen des Respekts, die Grüße und Geschenke, die ich in diesen Tag erhalten habe“, schrieb Castro in einem in der Parteizeitung „Granma“ veröffentlichten Artikel. „Das gibt mir die Kraft, mit Ideen zu antworten, die ich an die Mitglieder unserer Partei und nahe stehenden Organisationen übermitteln werde.“

Castro war offiziellen Angaben zufolge am 13. August 1926 in dem Ort Birán im Osten Kubas als unehelicher Sohn eines spanischstämmigen Großgrundbesitzers und dessen Hausangestellter zur Welt gekommen. Mit einer Guerillatruppe stürzte er den Diktator Fulgencio Batista und stand dann jahrzehntelang an der Spitze der sozialistischen Regierung. Nach einer komplizierten Operation 2006 zog er sich aus der Politik zurück und übergab die Macht an seinen Bruder Raúl Castro.

Zehn wichtige Momente im Leben von Fidel Castro

DER BEGINN: Fidel Castro wird am 13. August 1926 auf dem Landgut Manacas in der Ortschaft Birán im Osten Kubas geboren. Er ist der Sohn eines spanischen Großgrundbesitzers und einer kubanischen Hausangestellten.

STUDIUM: Castro studierte von 1945 bis 1950 Jura an der Universität von Havanna. Bereits während des Studiums engagiert er sich politisch. Nach dem Examen nimmt er den Kampf gegen Diktator Fulgencio Batista auf.

ANGRIFF AUF DIE MONCADA-KASERNE: Am 26. Juli 1953 überfällt Castro mit einigen Getreuen die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba. Die Attacke misslingt und Castro wird kurz darauf festgenommen. Im Prozess spricht er die berühmten Worte: „Verurteilt mich. Es ist egal. Die Geschichte wird mich freisprechen.“

GUERILLA-KAMPF: Nach seiner Freilassung bereitet sich Castro mit seinen Anhängern in Mexiko auf den entscheidenden Schlag gegen Batista vor. Die Rebellen setzen auf der Jacht „Granma“ nach Kuba über. Nach jahrelangem Guerilla-Kampf in den Bergen stürzen sie den Machthaber an Neujahr 1959.

INVASION IN DER SCHWEINEBUCHT: Mit der Unterstützung der USA greifen antikommunistische Exilkubaner am 17. Abril 1961 die Karibikinsel an. Die Invasion in der Schweinebucht misslingt. Die Regierung von US-Präsident John Kennedy muss mit Kuba über die Freilassung der Kriegsgefangenen verhandeln.

KUBAKRISE: Im Oktober 1962 bemerken die USA, dass die Sowjetunion Mittelstreckenraketen auf Kuba stationiert. Die Krise bringt die Welt an den Rand eines Atomkriegs. Schließlich zieht Moskau die Raketen wieder ab. Die USA versprechen im Gegenzug, nicht in Kuba zu intervenieren.

TOD VON „CHE“ GUEVARA: Im Oktober wird Castros Kampfgefährte Ernesto „Che“ Guevara bei einem Gefecht in Bolivien getötet. Nach dem Sieg der Guerilleros auf Kuba hatte er verschiedene Regierungsämter inne. Später verließ er die Karibikinsel, um die Revolution in anderen lateinamerikanischen Ländern voranzutreiben.

OPERATION CARLOTA: Von 1975 bis 1988 beteiligen sich kubanische Interventionskräfte am Bürgerkrieg in Angola. Nach offiziellen Angaben unterstützen im Laufe der Jahre mehr als 350 000 Kubaner die Volksbewegung zur Befreiung Angolas (MPLA). Es ist der größte Auslandseinsatz der kubanischen Streitkräfte und trägt zum Niedergang des Apartheidregimes in Südafrika bei.

SONDERPERIODE: Nach dem Fall des Ostblocks büßt die kubanische Wirtschaft über 80 Prozent seines Außenhandelsvolumens ein und stürzt in eine tiefe Krise. Die „Sonderperiode“ ist von großen Entbehrungen gekennzeichnet. Mit Hilfe des Verbündeten Hugo Chávez in Venezuela und durch den Tourismus kommt Kuba auf die Beine.

RÜCKZUG AUS DER POLITIK: 2006 muss sich Castro einer komplizierten Operation unterziehen und gibt die Macht an seinen Bruder Raúl Castro ab. Zwei Jahre später übernimmt der Bruder offiziell die Staatsführung.

Berühmte Zitate von Fidel Castro

„Die Geschichte wird mich freisprechen.“ (Oktober 1953)

„Ich war nie, noch bin ich jetzt Kommunist. Wenn ich das wäre, hätte ich genug Mut, um es zu sagen.“ (Mai 1958)

„Macht interessiert mich nicht. Nach dem Sieg will ich in mein Dorf zurückkehren und meine Karriere als Rechtsanwalt fortsetzen.“ (1958)

„Wir haben eine Revolution gemacht. Eine sozialistische Revolution vor der Nase der USA.“ (April 1961)

„Ich war immer ein großer Bewunderer von Christus, weil er der erste Kommunist war.“ (1975)

„Falle, wer fällt, sterbe, wer stirbt - die kubanische Revolution wird nie verschwinden.“ (September 1997)

„Unsere Prostituierten sind die kultiviertesten der Welt.“ (Juli 1999)

„Unsere Nachbarn im Norden sollen sich keine Sorgen machen. Ich habe nicht vor, mein Amt auszuüben bis ich 100 bin.“ (Juli 2006)

„Ich verabschiede mich noch nicht von euch. Ich will als ein Soldat der Ideen kämpfen.“ (Februar 2008)

Zehn Jahre Raul Castro

dpa/afp

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