Weltklimakonferenz schnürt Paket zum Klimaschutz

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Boliviens Präsident  Evo Morales (li.) bei seiner Ankunft auf der Weltklimakonferenz in Cancun, Mexico.

Cancún - Die Teilnehmer der Weltklimakonferenz in Mexiko haben sich nach zähen Verhandlungen auf einen Kompromiss zur Bekämpfung der Erderwärmung geeinigt.

Nach einer dramatischen Nachtsitzung verständigten sich die Teilnehmer im mexikanischen Cancún am Samstag trotz des Protests der bolivianischen Delegation auf ein Paket von zwei Abschlusstexten, die unter anderem die Einrichtung eines Klimafonds sowie weitere kleinere Schritte im Kampf gegen den Klimawandel vorsehen. Damit ist das gefürchtete Scheitern der Verhandlungen ausgeblieben. Obwohl Bolivien mehrfach gegen die Annahme der Dokumente protestiert hatte, sprach sich die Konferenz für den Kompromiss aus.

Das erste Dokument, das für alle Staaten gilt, enthält unter anderem ein Bekenntnis der Staatengemeinschaft, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Als Vergleich dient die Temperatur im vorindustriellen Zeitalter. Das zweite Papier der Kyoto-Staaten verweist auf das von der Wissenschaft vorgegebene Ziel, dass die Industriestaaten ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 um 25 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren sollen.

Zwei Wochen lang rangen Vertreter aus 194 Staaten in Cancún um eine gemeinsame Position zum Klimaschutz. Von Anfang an war klar, dass es keine Einigung auf ein umfassendes, völkerrechtlich verbindliches Abkommen geben würde, das das Kyoto-Protokoll ablösen könnte, das Ende 2012 ausläuft. Ziel der Konferenz war vielmehr, die Grundlagen zu legen für die nächste Konferenz im südafrikanischen Durban im kommenden Jahr.

Röttgen: "Erwartungen erfüllt"

Erleichtert zeigte sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen über den Ausgang der Konferenz. “Cancún hat die Erwartungen erfüllt“, sagte Röttgen am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) in Cancún. Die Staatengemeinschaft habe sich als handlungsfähig erwiesen. Außerdem sei erstmals das sogenannte Zwei-Grad-Ziel von der Weltgemeinschaft offiziell anerkannt worden. Röttgen betonte, Ziel bleibe aber ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen “am besten in einem Vertrag“.

Auch die Chefin des Weltklimasekretariats, Christiana Figueres, zeigte sich erfreut darüber, dass die Regierungen ein klares Signal ausgesendet hätten, “dass sie sich in Richtung einer Zukunft bewegen, die von niedrigen Emissionen geprägt sein wird.“

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard bezeichnete das Abkommen als “wichtigen Schritt auf dem Weg“ zu einem völkerrechtlich verbindlichen Vertrag. Dafür gebe es allerdings noch einiges zu tun. Sie mahnte: “Jeder sollte sich dessen bewusst sein, dass wir noch immer eine lange und anspruchsvolle Reise vor uns haben, um das Ziel eines völkerrechtlich verbindlichen Klimarahmenabkommens zu erreichen“, sagte sie.

1997 hatten sich mehr als 170 Unterzeichnerstaaten darauf verständigt, den weltweiten Kohlendioxidausstoß bis 2012 um rund fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. 37 Industriestaaten haben sich mit dem Abkommen dazu verpflichtet, dieses Ziel zu erreichen. Für die Zeit nach 2012 gibt es noch keine Regelung.

Gemischte Reaktionen von Umwelt- und Hilfsverbänden

Die Zivilgesellschaft reagierte unterschiedlich auf das Paket. Greenpeace wertete das Paket als “Zeichen der Hoffnung“. Mit dem einstimmigen Beschluss über die Einrichtung eines Klimaschutzfonds, der Sicherung von Biodiversität sowie der Rechte indigener Völker seien jetzt die Grundpfeiler für einen globalen Klimaschutzvertrag gelegt worden, auch wenn der Klimawandel damit noch nicht gestoppt sei, sagte der Klimaexperte der Organisation, Martin Kaiser.

Auch die Hilfsorganisation Oxfam äußerte sich verhalten positiv. “Cancún könnte sich im Nachhinein noch als Rettungsanker für den internationalen Klimaschutz herausstellen“, sagte der Klimaexperte der Organisation, Jan Kowalzig. Als wichtigstes Element bezeichnete er die Einigung auf einen Klimafonds. Allerdings reichten die Ziele der Industrieländer zur Minderung des Treibhausgasausstoßes bei weitem noch nicht aus, “um die schlimmsten Szenarien des Klimawandels abzuwehren“.

Deutlich zurückhaltender äußerte sich hingegen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). “Das Ergebnis von Cancún hält die Erderwärmung nicht unter zwei Grad“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. “Leider haben Staaten wie die USA, Japan, Kanada, Australien und China weitere Fortschritte blockiert.“ Wirksamer Klimaschutz sei erneut vertagt worden, dieses Mal ins Jahr 2011 nach Durban in Südafrika.

dapd

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