AfD fordert Beobachtung von Flüchtlingen

IS-Terrorzelle soll Anschlag mit zehn Attentätern geplant haben

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Nach der Terrordrohung zeigt Düsseldorfer Polizei Präsenz.

Düsseldorf - Immer neue Details zum geplanten Anschlag in Düsseldorf werden bekannt. Anscheinend sollten zehn Terroristen zuschlagen. Nun reagiert auch die AfD.

Update vom 15. Juli 2016: Am französischen Nationalfeiertag hat sich in Nizza ein mutmaßlicher Terror-Anschlag ereignet: Ein Lkw raste in eine Menschenmenge, dutzende Menschen kamen ums Leben. Alle Infos zum Anschlag in Nizza finden Sie in unserem News-Ticker.

Gewissensbisse eines 25jährigen haben vermutlich einen Anschlag in Düsseldorf verhindert. Der war wohlmöglich noch viel größer geplant als bisher angenommen. Laut Spiegel sollten weitere Attentäter im Ausland rekrutiert werden.

An dem geplanten islamistischen Terroranschlag in Düsseldorf sollten sich womöglich mehr Attentäter beteiligen als die vier gefassten Syrer. Der in Frankreich inhaftierte 25-Jährige habe den Ermittlern erzählt, zehn Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hätten zuschlagen sollen, berichteten Spiegel und Rheinische Post. Die zusätzlichen Attentäter sollten sich demnach zu den ursprünglichen vier Mitgliedern der Terrorzelle auf den Weg machen. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte die Berichte am Freitag nicht.

Drei Terrorverdächtige aus Syrien wurden bei der Polizei-Aktion am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg festgenommen, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Die Bundesanwaltschaft wirft den Männern im Alter zwischen 25 und 31 Jahren die Vorbereitung eines Anschlags in der Düsseldorfer Altstadt im Auftrag des IS vor. In Karlsruhe wurden sie dem Haftrichter vorgeführt, alle drei kamen in Untersuchungshaft. Der vierte Terrorverdächtige sitzt bereits seit Februar in Paris hinter Gittern, Deutschland bemüht sich um seine Auslieferung.

Männer lebten in Deutschland als Flüchtlinge getarnt

Am Freitag wurden neue Details zu den mutmaßlichen Terroristen bekannt. Behörden bestätigten, dass die Männer in Deutschland als Flüchtlinge getarnt in Unterkünften für Asylbewerber lebten.

Abd Arahman A. K. (31) wurde in einer solchen Unterkunft in Leimen (Baden-Württemberg) festgenommen, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Mahood B. (25) wurde nach Angaben eines Stadtsprechers von einer SEK-Einheit in der Innenstadt von Mülheim/Ruhr (NRW) gefasst. Bereits am Donnerstag war bestätigt worden, dass Hamza C. (28) in einem Asylbewerberheim im brandenburgischen Bliesdorf festgenommen wurde.

Der in Paris inhaftierte und geständige Terrorverdächtige Saleh A. (25) lebte zeitweise in einem Flüchtlingsheim im niederrheinischen Kaarst (NRW). Der Mann sei seit März 2015 in dem Heim im Stadtteil Vorst gemeldet, sagte eine Sprecherin der Stadt am Freitag und bestätigte Informationen der „Rheinischen Post“. Saleh A. hatte sich den französischen Behörden am 1. Februar gestellt und von den Terrorplänen erzählt. Nach einem Bericht der französischen ZeitungLe Monde begründete er seinen Schritt damit, dass er „müde“ sei.

Selbstmordanschläge, Schüsse, Explosionen: Das planten die Terroristen

Nach den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft sollten sich in Düsseldorf zunächst zwei Attentäter in die Luft sprengen und weitere dann mit Schusswaffen und Sprengsätzen so viele Menschen wie möglich töten. Konkrete Vorbereitungen gab es nach Erkenntnissen der Ermittler noch nicht. Der Zugriff erfolgte nach „Spiegel“-Recherchen am Donnerstag, weil einer der Verdächtigen nach Südeuropa reisen wollte. Die Sicherheitsbehörden hätten befürchtet, er könne aus dem Visier der Ermittler geraten oder weitere Kämpfer nach Deutschland holen. Auch für diese Angaben gab es keine Bestätigung.

Laut Rheinischer Post gehen die Ermittler davon aus, „dass wir alle, die zu dieser Zelle gehören, haben. Der Informant hat in Frankreich gesagt, er sollte eine zehnköpfige Zelle aufbauen. Aber soweit wir wissen, sind es nur vier geworden.“

Das Bundesinnenministerium erklärte, für eine grundsätzliche Bewertung des Falles und erst recht für Schlussfolgerungen sei es zu früh. Das gelte auch für die Frage, was für ein terroristisches Gefährdungspotenzial möglicherweise von einzelnen Flüchtlingen ausgehen könnte, sagte ein Sprecher in Berlin.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, warnte davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Es sei ganz offensichtlich die Strategie des IS, Flüchtlinge in Misskredit zu bringen und Ängste vor ihnen zu schüren, indem man eigene Leute als Asylbewerber nach Europa einschleuse, sagte Wendt der dpa.

Deutschlands Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass sich weitere potenzielle Terroristen hier befinden. Anfang April hatte das Bundeskriminalamt die Zahl der islamistischen „Gefährder“ auf rund 480 beziffert, die Hälfte davon halte sich derzeit im Ausland auf.

Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums teilte mit, aktuell führe der Generalbundesanwalt knapp 120 Verfahren mit gut 180 Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien - wegen Mitgliedschaft in oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Gauland fordert Beobachtung von Flüchtlingsunterkünften

Die AfD fordert als Konsequenz aus dem geplanten Anschlag eine stärkere Überwachung von Flüchtlingsunterkünften. "Selbstverständlich müssen spätestens jetzt alle Asylbewerber und deren Heime unter spezielle Beobachtung gestellt werden", sagt der stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Nur so könne die Polizei auch nur halbwegs sicherstellen, dass keine IS-Terroristen darunter seien.

Der Alternative für Deutschland gehe es nicht darum, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, sondern um "größtmögliche Kontrolle" fügte er hinzu. Ebenfalls notwendig seien eine "Obergrenze und gesicherte Grenzen", um Zuwanderung in Zukunft hundertprozentig kontrollieren zu können. Bei den Landtagswahlen im vergangenen März war die AfD mit dem Slogan "Asylchaos stoppen" angetreten.

dpa/js

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