Programm geht zu Wurzeln zurück

Cirque du Soleil bringt "Kooza" nach Düsseldorf

+
Das Ensemble von "Kooza" versammelt auf der Bühne.

DÜSSELDORF - Das Rhein-Ruhr-Pflaster ist für den Cirque du Soleil ein besonders fruchtbares. Kaum eine Show, mit der das multimediale kanadische Zirkus-Unternehmen – klassisch mit Zelt oder modern in Arenen – nicht mit großem Besucherzuspruch in einem der Zentren zwischen Dortmund und Köln gastiert hätte. Mit dem Programm „Kooza“ wird ab 6. November einmal mehr Düsseldorf zum Fixpunkt dieses einmaligen Zirkus-Universums.

Frei von vielen klassischen Zirkuszutaten wie Tierdarbietungen, ist der Cirque du Soleil im 30. Jahr seines Bestehens trotz stolzer Eintrittspreise längst nicht mehr nur ein typisches westliches Phänomen. Das belegte jüngst eindrucksvoll die „Kooza“-Gastspielserie unterm repräsentablen weißen Zelt (dem „Grand Chapiteau“) in Warschau. Wie große Kinder ließen sich Tag für Tag tausende Besucher vom Ensemble begeistern. Dass sich zudem stets jede Menge Freiwillige anboten, wenn die Clowns das Publikum einbeziehen, ist an deutschen Standorten sogar eine eher ungewöhnliche Beobachtung. Hier zu Lande gehen die Köpfe dabei erfahrungsgemäß meist in die vermeintlich sichere Deckung...

Apropos Clowns: Weit mehr als in anderen Cirque-Show geht „Kooza“ hier einen sehr klassischen Weg. Ansteckende Clownerie mit direktem Kontakt zu den Besuchern ist der eigentliche rote Faden dieses Programms. Das geht – womöglich zum Bedauern so manch langjähriger Cirque-Fans – besonders im ersten Teil der Show deutlich zu Lasten der Artistennummern, die an nur einer Stelle tatsächlich außerordentlich wirken. Verraten sei der Fairness halber aber auch, dass dieses Ungleichgewicht im zweiten Showteil unter anderem mit begeisternden Nummern auf Todesrad und Wippe bravourös ausgeglichen wird.

Passend zum inhaltlichen Schwenk „back to the roots“ findet sich auch die Musik von „Kooza“ in einem Mix aus traditioneller und poppiger Zirkus-Musik wieder. Zwar auf erwartbar höchstem instrumentalem Niveau gespielt, wird auf typische hymnische Cirque-Klänge diesmal aber weitgehend verzichtet. Dass sich während und nach Ende der Show begeisternder Applaus einstellt, ist unterm Strich wohl der wie gewohnt in herrliche Farben getauchten, positiven, lustvollen und energetischen Darbietung zu verdanken.

"Kooza" in Düsseldorf vom 6. November bis 14. Dezember

Nun verlagert sich das beeindruckende weiße „Kooza“-Dorf mit seinen 64 Lkw, 48 Artisten und insgesamt 130 Beschäftigten nach sieben Tournee-Jahren also erstmals nach Nordrhein-Westfalen. Und das mit einer interessanten Nachricht vorweg: Schon Wochen vor der ersten Show in Düsseldorf überraschte der Cirque mit der Festlegung auf 15 Zusatztermine über die ohnehin schon bis dahin geplanten 20 hinaus – Indiz für ein spürbar großes Besucherinteresse. Damit wird „Kooza“ in der Metro-Straße (Ortsteil Grafental) vom 6. November bis zum 14. Dezember zu sehen sein, bevor es nach einer Weihnachtspause in London weiter geht.

Alle Daten zu „Kooza“ in Düsseldorf gibt's online hier!

 

Backstage- und Show-Eindrücke von "Kooza":

Cirque du Soleil zeigt "Kooza" in Düsseldorf

 

Menschen hinter "Kooza":

Für die Mitwirkenden aus allen Bereichen der Branche ist ein Engagement beim Cirque du Soleil eine Art Ritterschlag. Das kanadische Unternehmen spielt einfach weltweit in einer eigenen Liga. Beim Gastspiel in Warschau haben wir einige der vielen Menschen hinter der Show getroffen:

Heather Reilly ist Company Manager bei "Kooza".

Heather Reilly ist Company Manager: Sie trägt die Verantwortung dafür, dass bei "Kooza" alles seine Ordnung hat und die vorgesehenen Gänge geht. Reilly ist seit vielen Jahren im Unternehmen und weiß um so manche Interna. Sie berichtet, dass jede neue Cirque-du-Soleil-Show - abhängig auch vom (technischen) Anspruch - durchschnittlich zwei Jahre Entwicklungszeit benötigt. Die deutlich härteste Phase seien stets die letzten sechs Monate vor der avisierten Premiere. Noch immer sei der Unternehmensgründer Guy Laliberté die mit Abstand wichtigste Person beim Cirque - ohne seine Zustimmung gehe gar nichts. Zu Lalibertés engstem Kern gehören laut Reilly derzeit in Montreal rund 20 Menschen. Aktuell arbeite der Cirque gemeinsam mit James Cameron ("Avatar") an einer Produktion; zudem solle 2016 eine neue Zelt-Show auf die Reise gehen.

"Kooza" beschreibt Reilly als logische Konsequenz aus der Vorgänger-Show "Corteo": Nachdem diese technisch sehr aufwändig gewesen sei, sollte "Kooza" mit seiner vergleichbar traditionellen Einfachheit bewusst einen anderen Akzent setzen. Die Show sollte zudem positiver sein, lustiger und energetischer. Die Besucher sollten nicht zuletzt wegen des starken Clownerie-Anteils an ihre Kindheit erinnert werden.

Auf die Frage nach der bislang erfolgreichsten Cirque-du-Soleil-Show nennt Heather Reilly das Programm "O", das in Las Vegas seit 1998 immerzu vor ausverkauftem Haus stattgefunden hat. Aus wirtschaftlicher Sicht sei dies das Flaggschiff des Unternehmens.

Terri Baker

Terri Baker ist Artistic Director: Sie ist seit dem Münchner Gastspiel Anfang 2014 für das Coaching der "Kooza"-Artisten verantwortlich. Baker hat diesen Job bereits bei diversen anderen Cirque-du-Soleil-Programmen gehabt. Einen speziellen Show-Favoriten hat sie nicht - am liebsten würde sie sich ihre eigene Show aus den Highlights der vielen verschiedenen zusammenstellen, erzählt die Britin absolut begeistert. Ihre Schützlinge bleiben auch außerhalb der oft nur wenigen Minuten langen Performances permanent auf und hinter der Bühne im Training. Dass die Artisten aus verschiedensten Gründen unregelmäßig häufig wechseln, sieht Terri Baker eher als Vorteil an: Dies bringe immer wieder frische Ideen und helfe bei der Evolution der Show.

Melody Wood ist bei "Kooza" Chefin über mehrere tausend Kostüme.

Melody Wood ist "Head of Wardrobe": Die füllige Engländerin ist eigentlich gelernte Puppenmacherin, hat aber bereits für etliche Veranstaltungen abseits des Cirque die Verantwortung für Kostüme und Co. getragen. Seit nunmehr vier Jahren steht Wood in Diensten der Kanadier; vor "Kooza" hat sie für die Produktion "Dralion" gearbeitet. Rund 4000 Kostüm- und Requisite-Einheiten unterstehen ihrer Aufsicht. Der Unterschied zwischen dem Cirque und herkömmlichen Produktionen? "Anderswo habe ich Figuren kreiert - hier kreieren wir eine ganze Welt!", erzählt Wood mit ansteckender Begeisterung. Die Frage nach Pannen verneint sie mit kokett-pragmatischem Blick: "Es gibt immer eine Lösung..."

Stephanie Gasparoli

Stephanie Gasparoli ist Trapez-Künstlerin: Die Schweizerin aus Basel mit Vater aus der Pfalz hat bereits eine Bilderbuch-Karriere hinter sich. Mit 8 Jahren ging sie in der Heimat in eine Zirkusschule, mit 17 siedelte sie unter der schützenden Hand ihrer Eltern auf eine Artistenschule nach Montreal über. Mit Talent und Beharrlichkeit erarbeitete sich die Baselerin über die Jahre jede Menge Engagements für renommierte Zirkus-Produktionen - unter anderem beim Zirkus Knie, beim Apollo-Varieté sowie bei diversen Cirque-Produktionen wie Quidam und Varekai.

Klicken Sie sich hier in ein exklusives Interview mit der Artistin!

Ihre Gastspiel-Verträge sind zumeist auf einige Monate begrenzt; sie kenne jedoch Kollegen, die mit einer Nummer bereits 15 Jahren bei einer einzigen Produktion tätig seien, sagt sie. Das funktioniere natürlich nur, wenn das Niveau beständig hoch gehalten werden könne. Stephanie Gasperoli ist wie die meisten Zirkus-Leute absolute "Überzeugungstäterin". Die 38-Jährige wohnt inzwischen standesgemäß in Las Vegas.

Stephanie Gasparoli am Trapez für die Cirque-Show "Quidam":

 

Fakten, Fakten, Fakten:

Das Programm:

- Der Name "Kooza" geht auf das Sanskrit-Wort "Koza" zurück - das bedeutet Box, Kiste oder Schatz. Die Idee des "Zirkus in der Box" war einer der Grundgedanken von "Kooza".

Die Zeltanlage bei Nacht.

- Die Premiere von "Kooza" fand im April 2007 in Montreal statt. Seitdem spielte die Show in mehr als 30 Städten weltweit. Vor dem Düsseldorf-Gastspiel gastierte "Kooza" in Warschau und München.

-  "Kooza" feierte 2009 seine 1000. Vorstellung in Santa Monica (Kalifornien). 2011 fand die 1500. Show in Tokio statt. Die 2000. Vorstellung war in Dallas (Texas). Die Premiere in Warschau am 18. September 2014 war die exakt 2617. Aufführung.

- Die rund 130 Artisten, Darsteller und Mitarbeiter bei "Kooza" repräsentieren 24 Nationalitäten zwischen Argentinien und den USA. Aus Deutschland stammt in der aktuellen "Kooza"-Crew kein Mitwirkender.

- Während des Engagements in einer Stadt werden vor Ort mehr als 120 Hilfskräfte für unterschiedlichste Tätigkeiten eingestellt - darunter Ordner, Platzanweiser, Pförtner und Empfangspersonal. Zudem wird das "Kooza"-Dorf von örtlichen Frmen und Zulieferern mit allen Gütern des täglichen Bedarfs versorgt.

- In der "Kooza"-Küche arbeiten ein Küchenchef und drei Köche.

- Die mitreisende Schule beschäftigt zwei Vollzeit-Lehrer und fünf Studenten.

- Die "Kooza"-Artisten werden auf der Tournee von drei medizinischen Fachkräften (zwei Physiotherapeuten und einem Therapeuten) betreut.

- Für die "Kooza"-Kostüme hat sich die Kostümbildnerin Marie-Chantale Vaillancourt von vielen Inspirationen leiten lassen: vom Bilderroman, von Gustav Klimt, den Mad-Max-Filmen, Filmen über Zeitreisen sowie Indien und Osteuropa.

- In der Show gibt es mehr als 175 Kostüme und 160 Hüte - insgesamt rund 1080 Teile, einschließlich aller Schuhe, Requisiten und Perücken.

- Alle Kostüme sind maßgeschneidert. Der Großteil wird in der zentralen internationalen Werkstatt in Montreal hergestellt. Diese produziert jedes Jahr für die verschiedenen Programme insgesamt mehr als 25.000 Kostümteile aus nahezu 130 Kilometer Stoff.

- Die Schuhe der Artisten sind nach Maß und von Hand gefertigt. Exemplare von der Stange werden per Hand nachgearbeitet.

- Hüte sind in jeder Cirque-Show zu sehen. Die Hutmacher formen und gestalten die Hüte auf Plastikmodellen nach den Köpfen der Artisten. Jeder neue Cirque-Artist muss eine entsprechende Kopfform anfertigen lassen.

- Die Musik von "Kooza" schöpft aus der westlichen Popkultur, dem Funk der 70er Jahre bis hin zu großen Orchesterarrangements. Auch aus der traditionellen indischen Musik sind starke Einflüsse zu finden.

Das Hauptelement der Bühne - der Bataclan. Hier klicken zum Vergrößern.

- Sechs Musiker bilden die "Kooza"-Band, die bei jeder Aufführung live spielt. Es gibt neben zwei Sängerinnen die die Instrumente Trompete, Posaune, Bass, Percussion und Keyboard.

- Die Bühne wird von einem Hauptelement dominiert, einem drehbaren Turm - dem "Bataclan". Dieser verändert die Konfiguration des Performance-Raums durch Bewegung. Der Bataclan rückt Artisten aus dem Scheinwerferlicht und dient als Podium für die Musiker.

- Die "Kooza"-Bühne ist die höchste, die je vom Cirque du Soleil gebaut wurde: Sie ist knapp zwölf Meter hoch - normalerweise sind es zwischen neun und elf Meter. Der zusätzliche Raum wird für die so genannte "Schachtelteufel"-Hydraulik benötigt; diese katapultiert einen Menschen zwischen 1,80 und 2,10 Meter in die Luft.

- Techniker und Artisten bewegen sich unter der Bühne auf Transport-Loren wie jene von Automechanikern.

Das Zelt-Dorf:

- Das mobile Cirque-du-Soleil-Zeltdorf setzt sich zusammen aus dem Grand Chapiteau, einem großen Eingangszelt, dem Artisten-Zelt, der Tageskasse, einer Küche, Schule, Büros, Lager und vielem mehr. Unabhängig vom Strom, ist die ganze Anlage nur auf die lokale Wasserversorgung und auf Telekommunikationseinrichtungen zur Unterstützung der Infrastruktur angewiesen.

Blick hinter den schönen Schein des Hauptzelts.

- 17.000 Quadratmeter Fläche werden für die gesamte Produktion inklusive Zelte und Wohnwagen benötigt.

- Die Küche ist das Herz des Dorfes: Aus ihr kommen an sechs Tagen der Woche bis zu 300 Mahlzeiten täglich. Sie ist zudem ein beliebter Treffpunkt für Artisten und Crew.

- Für den Aufbau der gesamten Anlage werden neun Tage benötigt; der Abbau dauert drei Tage.

- Mehr als 64 Lastwagen transportieren das "Kooza"-Equipment von Stadt zu Stadt.

- Rund 2600 Besucher finden im Grand-Chapiteau-Zelt Platz.

- Bestehend aus 18 Teilen schwer entflammbarer Zeltplane, wurde das Grand Chapiteau im französischen Bordeaux von einer Spezialfirma produziert.

- Das Grand Chapiteau ist mehr als 20 Meter hoch, bei einem Durchmesser von fast 51 Metern. Allein die Zeltplane sind mehr als 5200 Kilo schwer.

Der Cirque du Soleil:

- Der Cirque du Soleil entstand 1984 aus einer Gruppe von 20 Straßenkünstlern in Québec. Heute ist das Unternehmen weltweit für Zirkus-Unterhaltung auf höchstem Niveau bekannt. Beschäftigt werden mehr als 5000 Mitarbeiter, darunter mehr als 1300 Artisten und rund 50 verschiedenen Ländern. (Zum Vergleich: 1984 waren 73 Mitarbeiter in Lohn und Brot.) Allein am Hauptsitz in Montreal arbeiten fast 2000 Menschen.

- Seit nunmehr 1992 hat der Cirque keine Förderungen von öffentlicher oder privater Seite erhalten.

- Der Cirque lockte in den 30 Jahren mehr als 100 Millionen Zuschauer in mehr als 300 Städten in weltweit über 40 Ländern in seine Shows.

- Die Mission: Der Cirque du Soleil sieht seine Aufgabe nach eigener Darstellung darin, Fantasie anzuregen, an die Sinne zu appellieren und Emotionen bei Menschen auf der ganzen Welt zu wecken.

- Weitere Informationen rund um das Unternehmen Cirque du Soleil gibt's unter anderem hier auf der Wikipedia-Seite.

Quelle: wa.de

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare