WERDOHL ▪ Ein halbes Altersheim erkraxelte mit den „Rock 'n' Roll Doctors“ die Bühne des „Alt Werdohl“ am Mittwochabend. Die Musiker kokettierten folgerichtig mit ihrem Alter. So kündigte Bassist Charly Weißschädel ein Stück an mit den Worten: „Das nächste Lied ist von 1952“ und Sänger Richy Moeller ergänzte: „Da war unser Gitarrist schon 37 Jahre alt“. Der angesprochene Mick Hannes konterte instrumental und nicht verbal.

Molli Schreiber (links) und Mick Hannes konnten und wollten ihre Begeisterung nicht verbergen.
Und wie all seine vier Kollegen auf der Bühne hatte Hannes diesbezüglich viel zu bieten. Die alten Ärzte bewiesen mit ihrer Sprechstunde, dass Musik jung hält – wenn nicht optisch, so doch bezüglich der Fitness. Ihr Akkorde und Riffs mögen zwar nicht zum Katalog der Schulmedizin gehören, immerhin sind sie aber rezeptfrei. Wer diese mit Herzblut rausgespielte Leidenschaft des Fünfers – etwa bei „The Joker“ von der Steve Miller Band – einmal erlebt hat, möchte schon aus reinem Selbstschutz nie wieder eine Platte von Jürgen Drews hören.
Vom ersten Stück an schlugen die Rock-Doktoren mit dem Vorschlaghammer auf die Zwölf. Ein Kracher („Stuck in the Middle With you“ von „Stealers Wheel“) wurde nach dem nächsten („Jeans on“ von David Dundas) rausgehauen. Nicht lange reden, Drummer Thomas Lotz zählte die Stücke kurz an und dann wurde so laut wie sauber musiziert. Das war die Prämisse des Abends. In ihrem Arzneikoffer hatte das Quintett ehrlichen Rock 'n' Roll im besten Sinne. „Schlafen können wir immer noch, wenn wir tot sind.“
Und die rockenden Ärzte wissen ganz genau: Antibiotika müssen immer aufgebraucht werden – niemals absetzen, bevor die Schachtel leer ist. Wo andere Bands nach acht Songs und zwei Zugaben erschöpft die Gaderobe aufsuchen, geht es bei diesen Ärzten erst los. Mehr als 30 Songs feuerten sie in die „Alt Werdohl“-Menge. Und Pöngses Wohnzimmer brannte vor Begeisterung. Sie ließen die Musiker folgerichtig zum Schluss auch nicht von der Bühne.
Doch bei „Crazy Little Thing Called Love“ von Queen wurden dann erste Ermüdungserscheinungen hörbar: Beim Gitarrensolo zeigte sich, dass Hannes eben kein Brian May ist. Bei „Honky Tonk Women“ der Stones erinnerte sich Moeller nicht mehr an den gesamten Text. Aber egal: Es ging längst nicht mehr um Perfektion. Die Party war nicht mehr zu stoppen. Mit „Lay Down Sally“ (Eric Clapton) verabschiedeten sich die musikalischen Doktoren in die Nacht.
Von Michael Koll



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