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Zeugen Jehovas scheinen die Trauer Angehöriger zur Mitgliederwerbung zu missbrauchen. Neuenrader schreibt persönlichen Brief

Nachrodterin ist empört über Beileidsbekundung

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NEUENRADE/NACHRODT ▪ „Diese Situation zu benutzen, das ist schon grenzwertig.“ Susanne Jakoby muss sich in ihrer Wortwahl zurückhalten. Die Nachrodterin ist mehr als erbost. Anlass für ihre massive Verärgerung ist ein Brief, den ein Neuenrader an ihre Mutter geschrieben hatte. Der Brief ist handgeschrieben, wirkt dadurch persönlich und hat den Tod des Ehemannes, ihres Vaters, zum Thema.

von der Beck

Diesen Brief samt Beilage empört Susanne Jakoby. Der Neuenrader wolle die Trauer ausnutzen. ▪

Der Brief des Neuenraders ist im Einstieg durchaus persönlich mit gleichzeitig gebotener Distanz gehalten, man ist versucht, weiterzulesen. Und der erste Absatz endet mit einer Bitte: „Es ist natürlich schwer, sich in das Trauerempfinden fremder Menschen zu versetzten. Bitte betrachten Sie daher diesen Brief als einen Versuch, Ihnen ein wenig Trost zu vermitteln“. Doch die Tonlage in dem Brief wechselt von tröstlich mit Hinweis an die Auferstehung schnell zu freudig-eindringlich. Und am Ende liegt dem ganzen ein Flyer bei, angefüllt mit vielen Bibelzitaten, die sich mit dem Thema Tod und Auferstehung befassen. Rhetorisch eindringlich verweist der Neuenrader Schreiber des Briefes dann auf die Beilage zu seinem Werk: „Ist das nicht eine grandiose Aussicht, die es wert ist, objektiv geprüft zu werden? Deshalb ermuntere ich Sie, sich mit dem beigefügten Faltblatt gut vertraut zu machen.“ Das hat Susanne Jakoby getan. Erst, wer ganz genau hinschaut, der erahnt den Urheber: Die Wachturm-Gesellschaft hat den Druck erledigt. In einem klein gedruckten Hinweiskästchen steht: „Würden Sie gerne mehr erfahren, oder wünschen Sie ein kostenloses Heimbibelstudium? Schreiben Sie an die Watch Tower Society“. Und dahinter steckt die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Trost spenden in schwierigen Zeiten. Das ist zumindest im Fall der Familie Jakoby misslungen. Susanne Jakoby und ihre Mutter fühlen sich belästigt. 51 Jahre sei ihre Mutter mit ihrem verstorbenen Mann verheiratet gewesen und benötige Zeit und Verständnis, um den Verlust zu überwinden. Da könne man auf diese Art des Seelenfanges verzichten, sagte Susanne Jakoby. In der Tat scheint diese Form von Beileidsbekundung mit dezentem Hinweis auf die Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas durchaus Methode zu haben. Davon kann Michael Schlieck vom Bestattungsinstitut Draheim genauso berichten, wie Bestatter Helmut Kruse aus Nachrodt. Nur die Briefautoren variieren. ▪ vdB

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