MEINERZHAGEN ▪ Katrin Müllenbach-Schlimme vom ADAC in München sieht das Ende der Fahnenstange in Sachen „Benzinpreise“ noch immer nicht erreicht: „Der Preis könnte noch weiter steigen, gerade zu den Osterferien erwarten wir das“, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit der MZ voraus.

Wer Auto fahren muss, ist momentan nicht zu beneiden. Doch auch die Tankstellen-Pächter sind machtlos, ihnen werden die Preise von der Zentrale „diktiert“. J
Wehren kann sich der Verbraucher, sprich Autofahrer, dagegen kaum. Nur eines bleibt laut ADAC: „Man sollte die Spritpreise vergleichen und immer beim billigsten Anbieter tanken.“ Betroffen von den „Horror-Preisen“ sind vor allen Dingen die Berufspendler. Davon gibt es auch in Meinerzhagen genug.
„Am Montag morgen hätte ich eigentlich tanken müssen – bei einem Dieselpreis von mehr als 1,50 Euro für den Liter habe ich das dann aber noch nicht getan. Im Laufe des Tages habe ich dann aber schließlich noch eine Tankstelle gefunden, wo der Liter 1,47 Euro kostete.“ Monika Besner, Leiterin des Wilhelm-Langemann-Hauses an der Mühlenbergstraße, ist Pendlerin. Sie wohnt in Dortmund und fährt mit ihrem VW-Polo Diesel täglich etwa 120 Kilometer nach Meinerzhagen und zurück. „Da ist der hohe Kraftstoffverbrauch ein notwendiges Übel“, weiß sie. Doch trotzdem sucht die Chefin des heimischen Seniorenheimes nicht gezielt nach Billig-Tankstellen: „Das wechselt ohnehin immer und es ist auch nicht so, dass es in Dortmund in der Regel billiger wäre.“
Friedrich Rothaar ist bei der Stadt Meinerzhagen angestellt und dort Fachbereichsleiter „Technischer Service“ – auch er pendelt täglich von Dortmund nach Meinerzhagen und zurück. Rothaar ist von der Preisentwicklung beim Sprit „restlos begeistert“. „Ich versuche immer die billigste Tankstelle zu finden. Man muss nicht unbedingt Markentankstellen aussuchen. In der Regel sind Benzin und Diesel in Dortmund schon ein paar Cent billiger – allerdings auch nicht immer“, hat er festgestellt. Wenn Meinerzhagen wieder an das Bahnnetz angeschlossen und auch der Lückenschluss in Richtung Hagen und Dortmund Realität ist, wird sich Rothaar überlegen, ob er nicht vom Auto auf die Bahn umsteigt. „Das ist zudem wesentlich stressfreier“, glaubt er.
Raimo Benger ist Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Baustoffe-Naturstein in Duisburg und täglich mit dem Auto unterwegs. Der heimische UWG-Politiker fährt pro Jahr zwischen 60- und 80 000 Kilometer mit seinem Dienstwagen. „Ich muss die Kilometer versteuern. Die Benzinpreise treffen unseren Verband natürlich hart und als Geschäftsführer muss ich darauf achten, dass nicht zu viel gefahren wird.“ Benger macht für die horrenden Preise, die an den Zapfsäulen verlangt werden, nicht in erster Linie die „Ölscheichs“ verantwortlich: „Die Besteuerung ist in unserem Land viel zu hoch, auch im europäischen Vergleich. Laut Aral-Homepage gehen bei 123,9 Cent für einen Liter Benzin 86 Cent an den Staat. Das ist zu viel – auch im EU-Vergleich und damit ein Wettbewerbsnachteil; insbesondere, wenn man keine Möglichkeit hat, auf Bus oder Bahn umzusteigen. Ich bin oft auf dem Land unterwegs, in Zement- oder Kieswerken. Da ist es unmöglich, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.“
„Bei mir ist Tempo 130 auf Autobahnen angesagt.“ Sven Dombrowski ist Rektor des evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen – und auch er wohnt in Dortmund. Den Spritverbrauch durch gedrosseltes Tempo zu senken, das ist für ihn eine gute Möglichkeit, die hohen Benzinpreise zu kompensieren. „Und ich schaue natürlich genau, wo und wann ich am günstigsten tanken kann. Ab donnerstags und über das Wochenende scheint es jedenfalls teurer zu sein“, ist seine Erfahrung. ▪ beil



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