LÜDENSCHEID ▪ Zweistellige Minusgrade und ein schneidender Wind hatten die Stadt gestern voll im Griff. Wer konnte, blieb zu Hause oder im warmen Büro. Sogar den Wochenmarkt mieden die meisten Kunden. Weniger als die Hälfte der Händler war auf den Rathausplatz gekommen. Blumen fehlten vollständig, frisches Obst blieb Mangelware.

Während Hans-Werner Müller versucht, seinen Senf überm Grill aufzutauen, wirft „Wurst-Ecki“ Borgsdorf das Gebläse an. „Der Grill nützt auch nicht viel.“ Die warme Luft ist für die Beine. Wolfgang Lessenisch aus Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis hat mit seinem Sortiment eigentlich genau ins Schwarze getroffen. Zum zweiten Mal erst ist er mit dicken Wollsocken, Mützen, Decken und Pantoffeln in Lüdenscheid vertreten. Aber seine Hoffnung auf guten Umsatz erfüllt sich nicht. „Ausgerechnet jetzt könnten die Leute meine Waren gut gebrauchen. Aber es kommt kaum einer.“
Die verbliebenen Gemüsehändler haben sich hinter winddichten Planen verschanzt. Schmale Schlitze, durch die die wenigen Kunden sich ins Innere zwängen, lassen den eisigen Wind hereinpfeifen. Gewürzhändler Dirk Kammering von „Pfeffer & Co.“ nimmt's mit Humor. „Ich habe das innere Feuer“, grinst er. „Ich friere selten. Wenn der verdammte Wind nicht wäre, würde ich in Boxershorts hier stehen.“ Einen Heizlüfter hat er dennoch an seinem Stand. Aber nicht für die Füße, sondern damit frische Waren wie Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer nicht einfrieren.
Dass er wegen des Wetters mal nicht zum Wochenmarkt gekommen ist, daran erinnert sich „Fisch-Berger“ nicht. „Wir sind immer da.“ Und gibt sich gelassen. „Klar ist es kalt. Aber so ist das eben im Winter.“



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